Stand: 01.10.2015 20:45 Uhr

Nach Skandal bei Hansa: Dahlmann tritt zurück

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Vorstandschef Michael Dahlmann ist am Donnerstag von seinem Amt zurückgetreten.

Beim Fußball-Drittligisten Hansa Rostock haben sich am Donnerstag die Ereignisse überschlagen: Am Mittag trat Vorstandschef Michael Dahlmann von seinem Amt zurück. Zuvor hatte der Clubboss seinen Rücktritt angeboten, der Aufsichtsrat hatte dieses Angebot einstimmig akzeptiert. Er wünsche sich, dass die Fans seine Entscheidung respektierten und im Spiel gegen Dynamo Dresden die Mannschaft friedlich und gewaltfrei unterstützten, so Dahlmann wörtlich. Bis zur Bestellung des neuen Vorstandes werden satzungsgemäß die Geschäfte durch die beiden verbliebenen Vorstandsmitglieder Rainer Friedrich und Constanze Steinke kommissarisch weitergeführt, hieß es vom Verein.

Brisante E-Mails

Der NDR und die "Ostsee-Zeitung" hatten berichtet, dass Dahlmann deutlich engere Kontakte zu Fans der Ultra-Szene pflegt, als bisher bekannt. Es liegen E-Mails und Belege vor, die dokumentieren, dass sich Dahlmann vor einer Sitzung mit dem Aufsichtsrat Ratschläge bei bekannten Namen der Ultra-Szene geholt hatte. Zudem wurden darin Strategien offen gelegt, wie man den ungeliebten Aufsichtsrat loswerden könne.

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Polizei riegelt Geschäftsstelle ab

In der Nacht zum Donnerstag hatte die Polizei die Geschäftsstelle des Vereins abgeriegelt. Die Maßnahme war durch die Staatsanwaltschaft verfügt worden. Neben Dahlmann, dem Aufsichtsrat und weiteren Mitgliedern des Vorstands hatten sich am Morgen auch Mitarbeiter von Hansa vor der Geschäftsstelle versammelt - sie alle konnten nicht in das Gebäude. Eine turnusmäßig für 10 Uhr anberaumte Pressekonferenz wurde abgesagt. Ein Wachschutz vor Ort sicherte das Gebäude vor dem Zutritt. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Rostock bestätigte am Donnerstag erneut Ermittlungen seiner Behörde gegen Michael Dahlmann. Es läge seit vergangener Woche eine Anzeige wegen Untreue am Vereinsvermögen vor, so der Sprecher.

Investor Elgeti will in den Aufsichtsrat

Der potenzielle Investor bei Hansa Rostock, Rolf Elgeti, nahm am Nachmittag auf NDR 1 Radio MV Stellung zu den jüngsten Ereignissen: Dahlmanns Rücktritt bedaure er sehr, sagte Elgeti: "Ich respektiere das natürlich und kann es menschlich nachvollziehen, finde es persönlich aber sehr schade." Dahlmann habe einen "exzellenten Job gemacht", sei aber sicherlich nicht frei von Fehlern gewesen. "Das ist sehr tragisch." Zugleich bekräftigte Elgeti, sein Engagement bei Hansa fortzusetzen: "Ich bin nicht glücklich über die Entwicklung, das ist klar. Aber ich bin zu sehr mit dem Herzen dabei, als dass ich mein Engagement an Personen knüpfen würde." Entgegen seiner bisherigen Ankündigung, sich weitgehend aus dem Tagesgeschäft herauszuhalten, will Elgeti nun doch für den Aufsichtsrat auf der Mitgliederversammlung am 1. November kandidieren.

Innenminister besorgt über jüngste Entwicklungen

Mecklenburg-Vorpommerns Innen- und Sportminister Lorenz Caffier (CDU) sagte NDR 1 Radio MV, er sehe die jüngsten Entwicklungen im Verein mit großer Sorge. "Es geht mir nicht darum, irgendeinen Stempel aufzudrücken, allerdings habe ich immer wieder feststellen müssen, dass es insbesondere dem Vorstand und auch dem Vorstandsvorsitzenden - wenn es gewalttätige Auseinandersetzungen gab - es immer sehr schwer gefallen ist, dass man sich zur Distanzierung durchringen konnte und keine klaren Worte fand."

Polizei-Präsident hofft auf Besserung

Der Polizei-Präsident von Rostock, Thomas Laum, reagierte am Donnerstag zurückhaltend auf die Entwicklungen bei Hansa. Die Befürchtungen seitens seiner Behörde seien durch die Belege deutlich übertroffen worden. Teile der Fanszene hätten dem Verein durch die Gewaltausbrüche und Ausschreitungen auch gegen Polizeibeamte immer wieder geschadet. Die Nähe der Hansa-Führung zu dieser Szene sei erschreckend. Laum forderte den Verein auf, wieder zu einem uneingeschränkten Sicherheitspartner zu werden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde berichtet, dass Michael Dahlmann in der Nacht zum 1. Oktober 2015 versucht haben soll, Unterlagen aus der Geschäftsstelle herauszuholen. Diese Aussage hält die Redaktion nicht länger aufrecht.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 01.10.2015 | 21:00 Uhr

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