Stand: 01.11.2015 10:00 Uhr

Elgetis Signal an die Hansa-Mitglieder

Der potenzielle Großinvestor Rolf Elgeti hat dem FC Hansa Rostock kurz vor der Mitgliederversammlung am Sonntag nun auch schriftlich eine erhebliche Entschuldung für die Ostseestadion GmbH & Co. KG in Aussicht gestellt. Wie der Fußball-Drittligist am Donnerstag auf einer Pressekonferenz bekannt gab, haben sich beide Seiten auf einen Forderungsverzicht geeinigt, der Hansa eine Entlastung von insgesamt elf Millionen Euro bringen würde. Die Verzichtsvereinbarung stehe unter der aufschiebenden Bedingung der Zustimmung der Mitglieder zur Ausgliederung des Spielbetriebes und der Übertragung von 45 Prozent der Kommanditaktien an Elgetis Obotritia Capital KGaA. Das heißt die getroffene Vereinbarung wird erst wirksam, wenn genannte Bedingungen erfüllt sind.

Müller spricht von wichtigem Signal

Chris Müller, nach dem Rücktritt von Michael Dahlmann kommissarischer Hansa-Vorstandsvorsitzender und zugleich Finanzsenator der Stadt, bezeichnete die Unterzeichnung des Forderungsverzichts nach monatelangen Querelen in der Führungsetage als "wichtiges Signal vor der Mitgliederversammlung mit Blick auf die weitere Konsolidierung des Vereins und die geplante Ausgliederung". Elgeti hatte im Mai dieses Jahres von der Deutschen Kreditbank Stadionhypotheken in Höhe von 20,4 Millionen Euro erworben und danach angekündigt, auf die Hälfte der Forderungen gegenüber dem Club zu verzichten. Allerdings gab es diese Zusage bislang nur mündlich. Sie war zwischenzeitlich zudem an eine Vertragsverlängerung des inzwischen zurückgetretenen Vorstandschefs Michael Dahlmann geknüpft.

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Restschuld der Stadion-Gesellschaft halbiert

Laut Hansa-Mitteilung stimmte Elgeti am Mittwoch nun - unter den genannten Bedingungen - einem Forderungsverzicht in Höhe von sieben Millionen Euro sowie mehreren Forderungsabtretungen zu, durch die sich die Gesamtschuld um mehr als elf Millionen Euro reduziere. "Damit hat sich die verbleibende Restschuld der Ostseestadion-Gesellschaft mehr als halbiert", erklärte Müller und sprach von einer Trendwende bei den finanziellen Rahmenbedingungen. "Ich bin sehr froh, dass wir uns verständigen konnten. Die Immobilie kann der Verein aus eigener Kraft nicht halten und nicht unterhalten." Elgeti scherzte über das offensichtlich zähe Ringen in den Vertragsverhandlungen: "Wenn wir mit jedem Vertragsentwurf ein Tor geschossen hätten, wären wir jetzt Tabellenführer." Finanzsenator Müller (SPD) attestierte Elgeti zudem, dass es bei den bislang geschlossenen Verträgen zwischen ihm und der Ostseestadion GmbH & Co. KG keine Unregelmäßigkeiten gegeben habe.

Entscheidung über Ausgliederung erst im nächsten Jahr

Der Immobilienunternehmer hatte ursprünglich geplant, sich bei der anstehenden Mitgliederversammlung in den Aufsichtsrat wählen zu lassen. Seine Kandidatur hatte Elgeti später wieder zurückgezogen, jedoch angekündigt, sein finanzielles Engagement bei Hansa fortzuführen. Auf der Mitgliederversammlung am Sonntag will der Club laut Tagesordnungspunkt 12 den Stand der Planungen zur Ausgliederung der Profiabteilung vorstellen, anschließend sollen die Mitglieder darüber diskutieren. Über die Ausgliederung selbst soll dann erst auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung Anfang des kommenden Jahres abgestimmt werden.

Aufsichtsrat im Fokus der Mitgliederversammlung

Im Fokus der Versammlung heute steht der Aufsichtsrat. Das aktuelle Kontrollgremium wird die Vertrauensfrage stellen. Erst wenn feststeht, wie viele Mitglieder diese überstehen, ist klar, wie viele neue Vertreter anschließend hineingewählt werden können. In Sebastian Eggert hat ein führendes Mitglied der Ultra-Fanszene Ambitionen auf einen Platz im Aufsichtsrat. So wie die Mehrheitsverhältnisse zuletzt auf der Hansa-Mitgliederversammlung gewesen sind, ist es sehr gut möglich, dass Eggert diesen Sprung auch schafft.

Unregelmäßigkeiten bei Vereinsfinanzen?

Vor den Weichenstellungen in der Führungsetage des Vereins wird Club-Chef Müller ein Sanierungskonzept für den chronisch klammen Drittligisten vorstellen. Details wollte der Politiker vorab nicht bekannt geben. Er verriet lediglich, dass die "Lizenz- und Nachwuchsabteilung auf den letzten Plätzen der Sparliste stehen". Auskunft werden die Mitglieder bei der Versammlung ganz sicher über eine Andeutung des neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Uwe Neumann verlangen. Der hatte bei der Pressekonferenz am Donnerstag durchblicken lassen, dass man bei der Prüfung der Vereinsfinanzen durchaus auf Unregelmäßigkeiten gestoßen sei.

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