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Werder-Trainer Thomas Schaaf © picture-alliance/ dpa
 

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Werders Wahrheit: Das graue Mittelmaß

von Hanno Bode, NDR.de

Werder Bremens Özkan Yildirim (l.) im Duell mit Dortmunds Marcel Schmelzer © imago/Ulmer Fotograf: Ulmer Detailansicht des Bildes Bremens Özkan Yildirim (l.) feierte gegen Dortmund sein Bundesliga-Debüt. Zumindest für einen Fußballer von Werder Bremen war dieses Spiel zum Vergessen, dieses Desaster, diese Demütigung, ein Freudentag: Özkan Yildirim. Der 19 Jahre alte Mittelfeldakteur wurde in der 54. Minute des Duells mit dem deutschen Meister Borussia Dortmund von Coach Thomas Schaaf eingewechselt und schnupperte erstmals Bundesliga-Luft. "Davon habe ich immer als Kind geträumt. Jetzt ist es wahr geworden. Ich bin seit der U11 hier und es ist mein Traum, einfach hier im Weserstadion zu spielen", sagte der Youngster im Anschluss an die 0:5-Pleite NDR 1 Niedersachsen. Yildirim könnte in den kommenden Wochen weitere Gelegenheiten bekommen, sein Können unter Beweis zu stellen. Denn während der Jung-Profi zumindest einige vielversprechende Ansätze zeigte, versagten seine in der Beletage bereits etablierten Teamkameraden auf ganzer Linie. "Ich bin wütend, die Mannschaft ist wütend. Wütend über die Situation, wütend über das Spiel und wütend über die Leistung. Jetzt wird es die Aufgabe der Spieler sein, die richtige Reaktion zu zeigen", sagte Schaaf. Offensivmann Aaron Hunt war ob der furchterregenden Darbietung ebenfalls ratlos: "Es war ein bitterer Abend für uns von der ersten Minute an."

Früher Rückstand durch Reus und Götze

Die höchste Heimniederlage seit fast 28 Jahren resultierte aus einem Gemisch von fehlender individueller Klasse, erschreckenden Abstimmungsproblemen in der Defensive und mangelnder Einstellung. Hatte die im Sommer erheblich veränderte Mannschaft in der Wintervorbereitung noch den Eindruck hinterlassen, zusammengewachsen zu sein und die taktischen Vorgaben von Schaaf verinnerlicht zu haben, zerbrach sie gegen den BVB kurz nach dem Seitenwechsel in ihre Einzelteile. "Nach dem dritten Tor hat es bei uns Klick gemacht und wir haben uns nicht mehr gewehrt. Das darfst Du dir einfach nicht erlauben", kritisierte Bremens Coach. Der 51 Jahre alte Fußballlehrer war am Tag nach dem peinlichen Auftritt zwar schon wieder bemüht, das Desaster zur relativieren und sagte: "Natürlich tut ein solches Ergebnis weh, aber wir wussten und wissen, dass wir uns in einer Umbruchphase befinden und müssen immer wieder mit diesen Leistungsschwankungen rechnen." Doch auch dem Trainer-Routinier dürfte bewusst sein, dass sein Ensemble in dieser Zusammensetzung über den Status einer grauen Maus nicht hinauskommen wird. Für den wirtschaftlich existenziell wichtigen Angriff auf die internationalen Startplätze scheint es Werder an fußballerischer Substanz zu fehlen.

Schaaf: "Wir werden uns umschauen"

Werders Trainer Thomas Schaaf ist enttäuscht. © dpa - Bildfunk Fotograf: Carmen Jaspersen Detailansicht des Bildes Bremens Trainer Thomas Schaaf hofft auf Verstärkungen. Besonders die Defensive bereitet - fast schon traditionell - Coach Schaaf Sorgen. Auch wenn in Keeper Sebastian Mielitz ein adäquater Ersatz für den nach Hoffenheim abgewanderten Tim Wiese gefunden ist, die Vorderleute des talentierten Schlussmanns genügen kaum höheren Ansprüchen. Auf den Außenpositionen finden Theodor Gebre Selassie und Lukas Schmitz zu selten die Balance zwischen Angriff und Verteidigung. Im Zentrum räumt Sokratis zwar zumeist zuverlässig ab, einen gleichwertigen Nebenmann hat der Grieche jedoch nicht. Gegen Dortmund versuchte sich der österreichische Nationalspieler Sebastian Prödl vergeblich als Stabilisator. Als Alternativen stehen der nicht minder sperrige Assani Lukimya-Mulongoti sowie Mateo Pavlovic bereit. Inwieweit Letzterer - Neuzugang von NK Zagreb - Druck auf die vermeintlich etablierten Kräfte ausüben kann, ist völlig offen. Personelle Nachbesserungen sind eigentlich dringend vonnöten. Ob der Kader noch einmal erweitert wird, ist aber fraglich. "Schon finanziell ist da bei Werder derzeit nicht viel möglich. Der Wintermarkt gibt meistens auch nicht wirklich etwas her. Wir werden uns aber auf jeden Fall bis zum 31. Januar umschauen", sagte Schaaf. Womöglich wird er ja auch ein weiteres Mal in den eigenen Reihen fündig. Yildirims vielversprechendes Debüt sollte ihn dazu ermutigen.

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Sportclub | 20.01.2013 | 22:30 Uhr

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Werders Torwart Sebastian Mielitz (vorne) kassiert einen Gegentreffer. © fishing4
 
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Werders Aaron Hunt (v.l.), Eljero Elia und Nils Petersen sind enttäuscht. © fishing4
 

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