Stand: 13.08.2017 17:25 Uhr

Zehn Osnabrücker blamieren den Hamburger SV

von Thorsten Schettle, NDR.de

Pokal-Beben an der Bremer Brücke: Dem Fußball-Drittligisten VfL Osnabrück ist am Sonntagnachmittag der große Coup gelungen, im Nordduell den Hamburger SV bereits in der ersten Runde aus dem DFB-Pokal zu werfen. Die Lila-Weißen gewannen die Partie gegen den Bundesligisten sensationell in Unterzahl mit 3:1 (1:0). Der HSV, der in der vergangenen Saison nur knapp dem Abstieg entronnen war, ist damit mit einer großen Enttäuschung in die neue Spielzeit gestartet. Osnabrück ist hingegen nach einem misslungenen Saisonstart in der Dritten Liga mehr als nur ein Achtungserfolg gelungen. Bereits 2009 hatte der VfL den "Dino" der Bundesliga in der zweiten Pokalrunde mit 7:5 nach Elfmeterschießen bezwungen. "Das Hauptproblem war, dass wir es nicht geschafft haben, nach dem Rückstand ruhig weiterzuspielen. Uns fehlt die Selbstverständlichkeit, einfach ein Tor zu schießen", sagte HSV-Angreifer André Hahn.

Appiah sieht nach Notbremse Rot

HSV-Trainer Markus Gisdol bot mit Hahn lediglich einen echten Neuzugang in der Anfangsformation auf. Beim VfL spielte Marc Heider nach seiner Sperre in dieser Saison ebenso von Beginn an wie die Neuzugänge Adam Susac und Marcos Alvarez. Letzterem war bei seiner Rückkehr im Drittligaspiel gegen Halle (3:3) in der Jokerrolle gleich ein Treffer gelungen.

Die Osnabrücker Marschroute wurde gleich zu Beginn deutlich. Das Augenmerk wurde vornehmlich auf die Defensive gelegt und die Spielkontrolle dem Bundesligisten überlassen. Diese Taktik sollte sich in der 19. Minute manifestieren: Marcel Appiah holte HSV-Angreifer Bobby Wood kurz vor der eigenen Strafraumgrenze als letzter Mann von den Beinen. Die logische Konsequenz war die Rote Karte für den Innenverteidiger, sodass der VfL fortan zu zehnt agieren musste. Den folgenden Freistoß setzte Aaron Hunt knapp am linken Pfosten vorbei (20.). Trotz der Überzahl taten sich die Hamburger zunächst jedoch schwer, weitere Torchancen folgen zu lassen. Der VfL, bei dem Alvarez taktisch bedingt inzwischen ausgewechselt worden war, knüpfte sein Netz noch engmaschiger. Erst ein Kopfball von Kyriakos Papadopoulos (33.), den Marius Gersbeck zur Ecke lenkte, vermittelte wieder unmittelbare Torgefahr.

Was folgte, war die kalte Dusche für die Hanseaten: Nazim Sangaré setzte sich über die rechte Seite erst gegen Mergim Mavraj durch, ließ dann auch noch Papadopoulos stehen, bediente schließlich von der Grundlinie Halil Savran, der aus kurzer Distanz das Leder zum 1:0 ins Netz jagte (39.). Die Antwort der Gäste kam nun prompt, doch Hahn mit einem Heber direkt in die Arme von Gersbeck (43.), und Nicolai Müller mit einem Schuss weit über das Tor (45.+2) vergaben zwei echte Hochkaräter.

Der HSV agiert zu einfallslos

Fußball DFB-Pokal, 1. Runde

  • VfL Osnabrück
  • 3:1


  • Hamburger SV

Tore: 1:0 Savran (39.) 2:0 Heider (61.) 3:0 Arslan (71.) 3:1 Wood (74., Handelfmeter)
VfL Osnabrück: Gersbeck - Appiah, Susac, K. Engel - Groß, Arslan - Sangare, Danneberg, Heider (85. Kristo) - Alvarez (22. Zorba), Savran
Hamburger SV: Mathenia - Sakai, K. Papadopoulos, Mavraj, Douglas Santos (64. L. Waldschmidt) - G. Jung (46. L. Holtby), Walace - N. Müller, Hunt (81. Schipplock), Hahn - Wood
Zuschauer: 16000

Weitere Daten zum Spiel

Auch nach der Pause entfachte der HSV weiter Druck, echte Gefahrenmomente blieben nun jedoch wieder aus. Stattdessen legte der VfL nach. Diesmal vernaschte Konstantin Engel mit einem "Tunnel" Müller über links, passte nach innen, wo Heider das Leder zum umjubelten 2:0 über die Linie drückte (61.). Zehn Minuten später nahm die Pokal-Blamage des HSV dann konkrete Formen an. Sangaré passte flach nach innen, Gotoku Sakai knickte beim Abwehrversuch weg, und diesmal war der Ex-Hamburger Ahmet Arslan zur Stelle und ließ Christian Mathenia keine Abwehrchance - das 3:0. Ein verwandelter Handelfmeter von Bobby Wood (74.) zum 1:3 hielt die Gäste zumindest weiter im Spiel. Das Signal für eine wütende HSV-Schlussphase?

Luca Waldschmidt (77.) und Lewis Holtby (79.) boten sich zwar sogleich weitere Möglichkeiten, doch alles in allem zeigte sich der große Favorit auch jetzt viel zu ideenlos. Und im Gegensatz zum Gegner einfach nicht effizient genug: Wood (80.) und Müller (90.) besaßen noch zwei Großchancen, dazu kam noch ein verweigerter Strafstoß, nachdem Hahn im Strafraum zu Fall gekommen war (90.+3). Doch wenig später war die Sensation perfekt. Und die Bremer Brücke bebte...

VfL siegt! HSV raus!

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 13.08.2017 | 22:45 Uhr

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