Stand: 25.04.2014 10:47 Uhr

Abstieg: Wilhelmshaven scheitert vor Gericht

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"Stein des Anstoßes": Für Sergio Sagarzazu will Wilhelmshaven keine Ausbildungsentschädigung zahlen.

Der Fußball-Regionalligist SV Wilhelmshaven hat im Rechtsstreit mit dem Norddeutschen Fußballverband (NFV) vor dem Landgericht Bremen eine Niederlage hinnehmen müssen. Die Richter wiesen am Freitag die Klage des Viertligisten gegen Punktabzüge und den Zwangsabstieg ab, die der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und der NFV auf Anweisung der FIFA verhängt hatten. Die Niedersachsen waren zuvor bis vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS gezogen, der hatte jedoch dem Weltverband Recht gegeben. "Durch Teilnahme an den jeweiligen Schiedsverfahren vor dem CAS hätten sich der SV Wilhelmshaven und die FIFA auf die Zuständigkeit des CAS verständigt", heißt es in der Urteilsbegründung des Gerichts. Daher sei der SVW an die Entscheidungen des CAS gebunden und könne nicht gegen die lediglich ausführenden Organe DFB und NFV vorgehen, sondern müsse sich an den Weltverband wenden.

SVW kündigt weitere rechtliche Schritte an

Das Urteil des Landgerichts Bremen ist noch nicht rechtskräftig. "Die Entscheidung hat uns nicht überrascht. Wir werden das jetzt in aller Ruhe analysieren und alle rechtlichen Schritte ausschöpfen", sagte SVW-Presseprecher Jörg Schwarz NDR.de. Der Gang in die nächste Instanz - das Oberlandesgericht Bremen - erfolge aber "mit Sicherheit nicht mehr in dieser Saison". Das bedeutet, der Zwangsabstieg würde nicht umgesetzt werden, da das Verfahren noch nicht endgültig abgeschlossen wäre. Sollte Wilhelmshaven die sportliche Qualifikation für die Regionalliga schaffen, schloss NFV-Präsident Eugen Gehlenborg eine Aufstockung auf 19 Vereine für die kommende Saison nicht aus.

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Verein will 157.500 Euro nicht zahlen

Der Hintergrund des Streits ist die Weigerung des Viertligisten, für seinen ehemaligen Spieler Sergio Sagarazu Ausbildungsentschädigungen an die argentinischen Clubs River Plate und Atletico Excursionistas zu zahlen. Dort hatte Sagarzazu in seiner Jugend gekickt. Und weil er am Jadebusen seinen ersten Profivertrag unterschrieb, rechnete die FIFA Wilhelmshaven ihren Statuten gemäß pauschal 30.000 Euro pro Ausbildungsjahr an. Allerdings: Aus Sicht des Clubs ist die Forderung in Höhe von insgesamt 157.500 Euro weder mit deutschem noch mit europäischem Recht vereinbar. Tatsächlich urteilten Bundesgerichtshof und Bundesarbeitsgericht, die Ausbildungsentschädigungen für Fußballer seien sittenwidrig. Der Europäische Gerichtshof entschied ergänzend, solche Entschädigungen seien nur dann rechtmäßig, wenn sie nicht pauschal berechnet werden, sondern die tatsächlichen Ausbildungskosten des abgebenden Vereins zugrunde gelegt werden.

FIFA beschließt Zwangsabstieg

Der SVW stellte eigene Berechnungen an, kam auf 1.500 Euro pro Jahr. Ein Witz in den Augen der argentinischen Vereine, die auch ein späteres Angebot über 60.000 Euro ablehnten. Mehrfach wurden den Niedersachsen Punkte abgezogen, weil sie die geforderte Summe nicht zahlten. Alle Verhandlungen am grünen Tisch und Entscheidungen des CAS blieben ohne Folgen. Schließlich beschloss die FIFA-Disziplinarkommission den Zwangsabstieg des SVW am Ende der laufenden Saison.

WM nicht in Gefahr

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Die Wilhelmshavener wollen bis in die letzte Instanz gehen.

Der anhaltende Rechtsstreit brachte indes nicht nur den sportlichen Wettbewerb in der Liga durcheinander, sondern setzte auch den NFV sowie den DFB als Dachverband unter Druck. Die FIFA hatte bereits vor einem Ausschluss von allen zukünftigen Wettbewerben gewarnt, falls der DFB den SVW nicht in eine niedrigere Spielklasse verbanne. Eine WM in Brasilien ohne Jogis Jungs - für Fans und Offizielle undenkbar. Gehlenborg hält das schon allein aus zeitlichen Gründen für ausgeschlossen. Auch Wilhelmshavens Schwarz beruhigte: "Daran glaube ich nicht. Wir werden alle im Sommer entspannt beim Grillen die deutsche Mannschaft anfeuern können."

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