Stand: 20.09.2015 20:00 Uhr

Hecking: "Hätte es intern regeln sollen"

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Im Moment nicht so auf Kuschelkurs: Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking (r.) und Stürmer Bas Dost, hier nach dem Pokalsieg.

Dieter Hecking ist ein Mann der klaren Worte. Der Trainer des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg redet auch vor Mikrofonen und Kameras nicht lange um den heißen Brei herum. Heckings Auftritt nach dem 2:0-Heimsieg seiner Elf gegen die Hertha war trotzdem bemerkenswert. Kurz beglückwünschte er Matchwinner Bas Dost zu den beiden Toren, um den Niederländer im nächsten Atemzug öffentlich anzuzählen: "So, wie er die letzten Tage rumgelaufen ist, das geht nicht. Das ist Egoismus und den brauchen wir hier nicht. Er sollte seine Einstellung zur Mannschaft schleunigst überdenken. Wenn er meint, dass das der richtige Weg ist, dann ist er hier in Wolfsburg falsch."

"Zeitpunkt war bewusst gewählt"

Andere Trainer hätten vor dem bereits am Dienstag anstehenden Spitzenspiel beim FC Bayern München (20 Uhr) vielleicht stillgehalten. Hecking nicht. "Ich finde besser, man spricht im Erfolgsfall an, was einen gestört hat, als wenn man drei, vier Spiele verloren hätte. Dann käme das so rüber, 'jetzt sucht er irgendwas'", sagte der Coach dem NDR Sportclub im Anschluss an ein klärendes, "sehr gutes" Gespräch mit Dost und Manager Klaus Allofs am Sonntagmorgen. "Ich glaube, so ein gesundes Reizklima schärft gerade am Anfang der Saison noch einmal die Sinne. Da war Bas jetzt das Beispiel, aber es gibt sicher den einen oder anderen, der sich auch angesprochen fühlen darf. Von daher war der Zeitpunkt von mir bewusst gewählt", berichtete der 51-Jährige, der eingestand: "Im Nachhinein hätte ich es vielleicht intern regeln sollen und nicht öffentlich." Er gehe aber davon aus, dass sich das Thema erledigt hat: "Wir haben versucht, die Sache aus der Welt zu schaffen."

Draxler und Caligiuri unterstützen Dost

Offensichtlich hatte Dost seinen Ärger über die frühe Auswechslung in der Champions League gegen ZSKA Moskau mit mangelndem Engagement im Training verarbeitet. Hecking verbannte den Angreifer daraufhin in der Liga zunächst auf die Bank. Dost wiederum ließ nach seiner Einwechslung Taten sprechen, sicherte dem VfL mit seinen Toren (76. und 88., Foulelfmeter) den dritten Saisonsieg und weiterhin Tabellenplatz drei. Dass es innerhalb der Mannschaft Fürsprecher für den streitbaren Angreifer gibt, zeigte vor allem die Szene vor dem Strafstoß. Der gefoulte Julian Draxler schnappte sich das Leder und drückte es dem Niederländer in die Hand. "Er hat gesagt: 'Das ist dein Ball.' Das hat mir auch gut getan", berichtete Dost hinterher. Auch Daniel Caligiuri zeigte Verständnis: "Jeder Spieler ist sauer, wenn er nicht spielt. Er hat das Spiel entschieden, das freut mich für ihn."

Der Coach ist Chef im Ring

Heckings Geduld mit seinem selbstbewussten Top-Torjäger (Dost: "Vier Tore aus fünf Spielen ist nicht so schlecht, glaube ich") ist hingegen strapaziert. Nun hat er demonstriert, wer Chef im Ring ist - und Grenzen aufgezeigt: "Wenn das jeder machen würde, dann wissen wir, wo das hinführt. Dann würde es Niederlagen geben." Die gilt es zu vermeiden, am besten schon im Duell mit dem Meister. Ob mit oder ohne Dost in der Startelf, bleibt abzuwarten.

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