Stand: 17.02.2016 23:00 Uhr

Draxler schießt Wolfsburg Richtung Viertelfinale

von Ingmar Deneke, NDR.de

Gemischte Gefühle beim VfL Wolfsburg nach dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League: Auswärts mit 3:2 (1:0) beim belgischen Meister KAA Gent gewonnen, aber eine optimale Ausgangsposition verpasst - bis zur 80. Minute hatten die Niedersachsen mit 3:0 geführt. Mann des Abends war Julian Draxler. Mit zwei wunderschönen Toren schoss der Nationalspieler den VfL auf die Siegerstraße. Die in der Bundesliga auswärtschwachen "Wölfe" zeigten über weite Strecken eine starke Leistung und haben den Viertelfinaleinzug vor Augen. Der deutsche Pokalsieger dominierte den belgischen Meister lange Zeit nach Belieben, doch in der Schlussphase gerieten die Wolfsburger unnötig unter Druck. "Im Moment überwiegt der Ärger über die späten Gegentore. Aber das ist ein optimales Ergebnis, wenn man auswärts gewinnt. Wir müssen die guten 80 Minuten mit nach Wolfsburg nehmen", bilanzierte VfL-Trainer Dieter Hecking.

3:2 - "Wölfe" machen es am Ende spannend

VfL dominiert Anfangsphase

KAA Gent - VfL Wolfsburg 2:3 (0:1)

Tore: 0:1 Draxler (44.), 0:2 Draxler (54.), 0:3 Kruse (60.), 1:3 Kums (80.), 2:3 Coulibaly (89.)
Wolfsburg: Casteels - Sebastian Jung (45.+1 Schürrle), Dante, Knoche, Ricardo Rodriguez - Träsch, Luiz Gustavo - Vieirinha (80. Schäfer), Arnold, Draxler - Kruse (90.+2 Putaro)
Manchester United: Sels - Nielsen, Mitrovic, Asare - Neto -
Milicevic (61. Saief), Kums - Foket, Dejaegere - Depoitre (80.
Coulibaly), Simon (61. Matton)
Zuschauer: 19.978

"Ich freue mich, das wird ein tolles Fußballspiel in diesem Hexenkessel", hatte Hecking vor der Partie gesagt. Der Coach musste wie in der Bundesliga auf seinen verletzten Kapitän Diego Benaglio verzichten. So kam Ersatztorwart Koen Casteels in seiner Heimat zum Einsatz. Da zudem Abwehrchef Naldo gesperrt war, bildeten Dante und Robin Knoche erstmals ein Innenverteidiger-Duo. Die Defensive stand in der Anfangsphase sicher, im Mittelfeld gewannen die Wolfsburger die wichtigen Zweikämpfe und der Ball lief teilweise sehr flüssig in Richtung belgisches Tor. Allein die großen Torchancen fehlten. Bis zur 24. Minute: Maximilian Arnold setzte sich auf der rechten Seite durch, lupfte den Ball in die Mitte zur Sturmspitze Max Kruse. Gents Abwehrspieler Stefan Mitrovic konnte klären und traf dabei fast ins eigene Tor. Die Wolfsburger Dominanz zeigte Wirkung - es wurde ruhiger im "Hexenkessel“ mit seinen rund 20.000 Zuschauern.

Draxler per Doppelpass ins Glück

Eine Traumkombination führte zum ersten Tor der Partie. Draxler nahm auf der linken Seite Tempo auf und steckte den Ball zu Vieirinha durch. Der mitspielende Portugiese legte quer, Draxler schoss flach rechts unten ein und sorgte mit diesem sehenswerten Treffer für die verdiente 1:0-Halbzeitführung. Eine souveräne Vorstellung der "Wölfe", die an die guten Leistungen in der Champions League anknüpfen konnten. Einziger Wermutstropfen: Rechtsverteidiger Sebastian Jung musste kurz vor der Pause verletzt ausgewechselt werden, für ihn kam André Schürrle. Der Nationalspieler verstärkte die Offensive, Vieirinha rückte in die Viererkette.

Wolfsburger elegant und effektiv

Hecking, dick eingepackt in Mantel und mit Schal, verzichtete in der Halbzeitpause auf weitere Wechsel. In der 56. Minute konnte sich der VfL-Coach dann am nächsten Geniestreich seiner Nummer "10" erwärmen. Draxler erkämpfte sich in Strafraumnähe den Ball, tunnelte einen hilflosen Abwehrspieler und überlupfte den Genter Keeper. Ein Treffer Marke "Tor des Monats". "Julian ist so ungefähr das Beste, was es im deutschen Fußball gibt", lobte VfL-Manager Klaus Allofs im Anschluss. Nur sechs Minuten später schlugen die "Wölfe" erneut zu. Träsch flankte auf Kruse, der den Ball in Mittelstürmerposition konsequent zum 3:0 verwertete (60.).

Zwei Gegentore in der Schlussphase

Die Aufregung gegen Ende der Partie war unnötig. Wolfsburg ließ den Gegner plötzlich doch noch ins Spiel kommen. "Wir haben einen Gang zurückgeschaltet. Das war der Fehler", meinte Draxler. Erst musste Casteels den ersten Gegentreffer durch Gents Sven Kum schlucken (80.), dann flogen dem VfL-Keeper fast im Minutentakt die Bälle entgegen. Plötzlich war es wieder laut im "Hexenkessel". Die Belgier spielten auf einmal wie beflügelt und legten sogar nochmal nach. Der Anschlusstreffer durch Kalifa Coulibaly (89.), die luxuriöse Wolfsburger Vorsprung war auf 3:2 geschmolzen. Dennoch: Der deutsche Vizemeister hat sich eine gute Ausgangsposition erspielt. "Trotz der Gegentore ist das mehr als in Ordnung", sagte Allofs: "Wir müssen nicht Trübsal blasen." Das Wiedersehen der beiden Mannschaften gibt es in drei Wochen, am 8. März in der Arena im Allerpark.

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