Stand: 12.08.2015 11:43 Uhr

VfL Osnabrück erwägt Sanktionen für die Fanszene

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Die Szene, die zum Spielabbruch in Osnabrück führte: Schiedsrichter Martin Petersen (r.) wird von einem Feuerzeug getroffen.

Nach dem Abbruch des DFB-Pokalspiels zwischen dem VfL und RB Leipzig wird es möglicherweise Sanktionen für die Osnabrücker Fanszene geben. Das erklärte VfL-Präsident Hermann Queckenstedt am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Er kündigte Gespräche mit den Fangruppierungen an: "Der Diskurs ist dringend geboten." Queckenstedt, der sich ausdrücklich bei Petersen, RB Leipzig und der eigenen Mannschaft entschuldigte, sprach von einem "einschneidenden Erlebnis" für den Club.

Kaum Aussichten auf Wiederholungsspiel

Alles deutet darauf hin, dass die Partie, die beim Stand von 1:0 für Osnabrück in der 71. Minute nach dem Feuerzeugwurf gegen Schiedsrichter Martin Petersen vorzeitig beendet worden war, nicht neu angesetzt wird. Auch eine hohe Geldstrafe wird es aller Voraussicht nach für die Osnabrücker geben. Das Ende der Partie am Montagabend sei "keine Werbung" für den VfL und zudem ein "schwerer Schlag für unsere Bemühungen der Konsolidierung von Image und Finanzen" gewesen, sagte Queckenstedt, der Leipzig für das Wiederholungsspiel-Angebot dankte: Er habe aber nur "begrenzte Erwartungen", dass es dazu kommen werde. Geschäftsführer Jürgen Wehlend kündigte an, dass der Club am Donnerstag seine Stellungnahme an den DFB abgeben werde.

Kommentar

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Laut Rechts- und Verfassungsordnung des DFB gibt es nur eine Konstellation, die ein Wiederholungsspiel vorsieht: "Wird ein Bundesspiel ohne Verschulden beider Mannschaften vorzeitig abgebrochen, so ist es an demselben Ort zu wiederholen", heißt es in § 18 Nr. 4, Satz 1. Anschließend folgt: "Trifft eine Mannschaft oder ihren Verein oder beiden ein Verschulden an dem Spielabbruch, ist das Spiel dem oder den Schuldigen mit 0:2-Toren für verloren, dem Unschuldigen mit 2:0-Toren für gewonnen zu werten." Das Problem für den VfL Osnabrück: Das Feuerzeug wurde aus dem VfL-Fanblock geworfen, zudem war der Fanzaun im betroffenen Stadionbereich in den Anfangsminuten der Partie beschädigt worden.

VfL sucht den Dialog mit den Fans

Welche Konsequenzen der Club konkret in Sachen Fanarbeit ziehen wird, ist noch offen. Geschäftsführer Wehlend schloss ein Choreographie-Verbot oder einen Teilausschluss von bestimmten Tribünenbereichen als Maßnahme nicht aus. "Es handelt sich um eine Straftat, die es aufzuklären gilt. Wir werden gegen den Täter vorgehen und Regressansprüche stellen", erklärte Wehlend. Der VfL-Geschäftsführer geht davon aus, dass "es anhand der Augenzeugenberichte und des im Internet veröffentlichten Bildmaterials möglich ist, den Täter zu finden". Vorwürfe, dass VfL-Auswechselspieler Michael Hohnstedt mit provozierendem Verhalten gegenüber Leipzigs Stürmer Davie Selke die Emotionen bei den Fans erst aufgeheizt habe, wies Wehlend zurück. Auch die Kritik von Leipzigs Trainer Ralf Rangnick an den Sicherheitsvorkehrungen im Stadion konnte der VfL-Geschäftsführer nicht nachvollziehen. Rangnick hatte am Dienstag geklagt: "Ich hätte gestern mit Frau, Kind und Familie in dem Stadion gar nicht gewusst, wo ich hätte sitzen oder stehen können, um mich halbwegs sicher zu fühlen." Wehlend dazu: "Die Aussage möchte ich nicht so stehenlassen. Die Wahrnehmung im Innenraum ist eine ganz andere." Das Stadion in Osnabrück sei "dafür bekannt, familienfreundlich" zu sein.

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