Stand: 23.02.2016 09:40 Uhr

Tor-Held Patschinski: Neues Leben als Bestatter

von Andreas Bellinger, NDR.de
Nico Patschinski hat dem wilden Leben abgeschworen. Nach der Fußball-Karriere ging es für den "Weltpokalsiegerbesieger" bergab - heute ist er mit seinem neuen Beruf als Bestatter zufrieden.

Bei St. Paulis 2:1-Sieg gegen Bayern München wurde Nico Patschinski zur Legende. Der Ruhm blieb, aber sein Geld verzockte er. Heute arbeitet der ehemalige Fußballprofi als Bestatter in Hamburg.

Wie schnell alles vorbei sein kann, ist ihm wohl bekannt. Am eigenen Leib hat er es gespürt. Nicht ganz so dramatisch sicherlich, wie es in seinem neuen Beruf tagtäglich passiert, aber schon auch existenziell. Gestern noch war Nico Patschinski der strahlende Held, umjubelt und hofiert. Der Fußballer und Bundesliga-Profi, 2002 Torschütze beim Triumph der "Weltpokalsiegerbesieger". Und dann: Job weg, Geld weg, und auch privat lief alles schief. Wie das Leben so spielt. Heute hat Nico Patschinski, der es auf 28 Einsätze in der Fußball-Bundesliga und 153 in der Zweiten Liga gebracht hat, auch dieses Spiel verstanden. So sieht es jedenfalls aus, wenn der inzwischen 39-Jährige seinen neuen Aufgaben nachgeht - voller Demut und Respekt.

"Ernst des Lebens erkennen"

Man mag es kaum glauben, der einstige Lautsprecher, der Sprücheklopfer und Hallodri, der Lebemann und Zocker ist seit mehr als einem Jahr Bestatter. "Man muss irgendwann den Ernst des Lebens erkennen." Patschinski hat wie so viele seiner Zunft mit dem kassierten Geld nicht haushalten können. "Ich konnte mir aussuchen, welche Autos ich fahre und welche Sachen ich trage", erzählt er. So stand eines Tages ein amerikanischer Luxus-Wagen vor der Haustür. "Was sich einige im Alter wünschen, habe ich mehr oder minder schon hinter mir. Deshalb bin ich mit dem, was ich jetzt habe, auch vollkommen zufrieden."

Nico Patschinski: Umjubelt und geerdet

Peinliche Schlagzeilen

Gott sei Dank. Denn übrig geblieben ist von den Kicker-Gagen so gut wie nichts. Als Bestatter hat er ein neues Leben begonnen. "Man lernt definitiv auch, mit Demut umzugehen. Das Leben ist endlich - das wird einem jeden Tag bewusst. Es kann einen jeden Tag treffen", beschreibt Patschinski, der zwischenzeitlich auch als Paketbote gearbeitet hat, seine wundersame Wandlung im ARD-Gespräch. Es ist ganz sicher eine der ungewöhnlichsten Karrieren nach der Karriere als Bundesliga-Kicker. Und sie hat für Schlagzeilen gesorgt, meistens eher peinliche: Urnen statt Pokale zum Beispiel. Oder: Gestern transportierte er Pakete heute Leichen. Oder: Gestern Tore heute Tote.

Stationen eines "Wandervogels"

Patschinski kümmert das nicht mehr besonders. "Es ist doch ein ehrenwerter Beruf, für den man sich nicht schämen muss", sagt er. "Ob du nun Bäcker bist, Maler oder Bestatter. Jeder soll doch nach seiner Fasson glücklich werden." Richtig glücklich ist es im Leben von Nico Patschinski nicht gelaufen. Aber davon hat er das meiste selbst zu verantworten. Nirgends hielt es den "Wandervogel" besonders lange. 14 Stationen weist seine Karriere-Reise zwischen 1994 und 2015 aus. Mit drei Jahren jeweils am längsten hielt es der in Ost-Berlin geborene Eishockey-Fan wenigstens bei seinem Stamm-Verein Union Berlin (gleich zweimal) und St. Pauli aus. Sein letztes Engagement im Fußball, als Spielertrainer beim FC Schnelsen in Hamburg, hat er nach wenigen Monaten Anfang dieses Jahres wieder aufgegeben.