Stand: 17.05.2017 06:28 Uhr

Bremen vs. DFL: Polizeikosten-Streit vor Gericht

Polizisten im Einsatz vor dem Bremer Weser-Stadion.

Der Streit zwischen Bremen und der Deutschen Fußball Liga (DFL) über die Kosten für Polizeieinsätze bei Hochrisikospielen geht vor Gericht. Über 1,18 Millionen Euro verlangt das Bundesland inzwischen für die Polizeieinsätze bei insgesamt vier Spielen im Weser-Stadion - doch die Liga will nicht zahlen. Um eine Partie und gut ein Drittel der Summe geht es von heute an vor dem Verwaltungsgericht der Hansestadt. Grundsätzlich soll geklärt werden, ob der Profifußball für die erheblichen (Mehr-)Kosten aufkommen muss.

Worum geht es?

Mitte Oktober 2014 beschloss die Bremische Bürgerschaft ein Gesetz zur Kostenregelung bei Großveranstaltungen mit besonderem Gefährdungspotenzial und vor allem mit überwiegend kommerziellem Interesse. Ursprünglich sollte das neue Gesetz erstmals beim Nordduell in der Fußball-Bundesliga zwischen Werder Bremen und Hannover 96 am 13. Dezember 2014 greifen - die Partie wurde dann aber doch nicht als Risikospiel eingestuft.

Welche Partien sind betroffen?

Konkret geht es heute um das Gastspiel des HSV in Bremen am 19. April 2015: Damals war es zu einer Massenschlägerei zwischen 50 bis 60 Hamburger und 120 Bremer Randalierern gekommen, es gab mehrere Verletzte und erhebliche Sachschäden. Laut Polizei waren 969 Beamte im Einsatz, die 9.537 Arbeitsstunden geleistet haben. Bei einem "normalen" Bundesligaspiel sind etwa 200 bis 250 Polizisten vor Ort. Die Stadt schickte nach dem HSV-Spiel einen Gebührenbescheid über 425.718,11 Euro an die DFL. Außerdem stellte Bremen weitere drei Heimspiele (gegen den HSV im November 2015 sowie gegen Hannover und Mönchengladbach im März 2016) der Liga in Rechnung - Gesamtsumme für die vier Partien: 1.182.588,34 Euro. Für die Spiele gegen Frankfurt (Mai 2016) und den HSV (April 2017) liegen sogenannte Unterrichtungsschreiben vor, womit weitere Rechnungen angekündigt werden.

Was führt Bremen als Gründe an?

"Wir sehen nicht ein, dass die enormen Polizeikosten, die mit der Durchführung der Bundesliga verbunden sind, allein vom Steuerzahler getragen werden", sagt Bremens Innensenator Ulrich Mäurer. Der SPD-Politiker sieht die DFL als Veranstalter der Spiele in der Pflicht: "Sie organisiert die Bundesliga, entscheidet, wann, wer gegen wen spielt, ob sonnabends oder ob am Sonntag. Das hat Werder Bremen überhaupt nicht in der Hand."

Was sagt die DFL?

Weitere Informationen

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Die DFL lehnt die Zahlung ab und will sich mit allen Mitteln dagegen wehren. "Der Bremer Alleingang ist mit unseren verfassungsrechtlichen Grundsätzen nicht vereinbar", sagt DFL-Präsident Reinhard Rauball: "Die Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit ist unabhängig von der Kassenlage der öffentlichen Haushalte allein Aufgabe des Staates, zumal Fußball-Vereine und -Verbände keinesfalls Verursacher oder Veranlasser von Gewalt sind."

Steht Bremen alleine da?

Die Bremer Landesregierung glaubt, dass auch andere Bundesländer ihrer Argumentation folgen. "Warum soll man sich aus der Deckung begeben, wenn man andere hat, die erst einmal versuchen, diese Auseinandersetzung zu führen?", sagt Mäurer. Aus Niedersachsen gab es hingegen schon Kritik: "Wenn der Staat die Sicherheit von Veranstaltungen nicht mehr gewährleisten kann, dann muss er die verbieten", sagte Innen- und Sportminister Boris Pistorius. Der SPD-Politiker betonte das "Gewaltmonopol des Staates".

Was sagt Werder?

"Wir verurteilen das Vorgehen des Bremer Senats aufs Schärfste", erklärte Geschäftsführer Klaus Filbry in einem NDR Interview. Werder stellt sich auf enorme Mehrkosten ein, weil die DFL ihre Kosten auf den Verein abwälzen will. "Der SV Werder wird durch den Bremer Weg finanziellen Schaden nehmen", sagt Filbry. "Für den zu erwartenden jahrelangen Rechtsstreit muss die DFL Risikorückstellungen tätigen und wird diese Summen nicht an Werder auszahlen. Den Verein könnte das drei bis vier Millionen Euro kosten."

Was sagt der DFB?

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) machte schon vor dem Bremer Beschluss deutlich, was er davon hält: Er verlegte das für den 14. November 2014 angesetzte EM-Qualifikationsspiel Deutschland - Gibraltar von Bremen nach Nürnberg.

Wird es heute eine Entscheidung geben?

Möglich, allerdings kein rechtskräftiges Urteil, da die Entscheidung auf jeden Fall anfechtbar sein wird. "Wir werden nur einen ersten Zwischenstand bekommen", sagt Mäurer. "Die DFL hat bereits vor zwei Jahren angekündigt, dass sie durch alle Instanzen gehen will."

Dieses Thema im Programm:

Sport aktuell | 17.05.2017 | 09:25 Uhr

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