Stand: 17.10.2015 14:58 Uhr

St. Pauli verpasst Sieg in der Nachspielzeit

von Thomas Luerweg, NDR.de

Fußball-Zweitligist FC St. Pauli hat am Sonnabend einen Auswärtserfolg nur um Sekunden verpasst. Das Team von Trainer Ewald Lienen kam nach einer hochspannenden Partie beim 1. FC Union Berlin durch einen Gegentreffer in der Nachspielzeit nur zu einem 3:3 (1:2). Nach einer überlegen geführten ersten Hälfte hatten die Kiezkicker durch zwei unglückliche Aktionen selbst für den Rückstand zur Pause gesorgt. Nach dem Wechsel drehten die Hamburger das Spiel erneut, bis der Ex-Braunschweiger Benjamin Kessel durch einen Last-Minute-Treffer die Hamburger aus allen Träumen riss. Das Resultat geht unter dem Strich in Ordnung, weil St. Pauli in der Defensive zu fahrig agierte.

Last-Minute-Tor kostet St. Pauli den Sieg

Sobota bringt Kiezkicker in Führung

11.Spieltag, 17.10.2015 13:00 Uhr

  • Union Berlin
  • 3:3


  • FC St. Pauli

Tore: 0:1 Sobota (22.) 1:1 Zejnullahu (42.) 2:1 M. Thiel (45.) 2:2 Hornschuh (54.) 2:3 Dudziak (72.) 3:3 Kessel (90.+3)
Union Berlin: D. Haas - Kessel, Leistner, Puncec (77. Trimmel), M. Parensen - Zejnullahu (46. Fürstner), Daube (77. Skrzybski) - Brandy, Kreilach, M. Thiel - Wood
FC St. Pauli: Himmelmann - Hornschuh, L. Sobiech, P. Ziereis, Buballa - Buchtmann, Rzatkowski - Picault (46. Se. Maier), Sobota (79. Kalla), Dudziak - Thy (86. Verhoek)
Zuschauer: 22012

Weitere Daten zum Spiel

Lienen war gezwungen, im zentralen Mittelfeld umzustellen, weil Sebastian Maier nach einer Erkältung zunächst auf der Bank blieb. Er entschied sich daher für eine 4-4-2-Formation mit Fabrice-Jean Picault auf der rechten Seite und der Doppelspitze Waldemar Sobota und Lennart Thy. Die Anfangsphase bot magere Fußballkost, lediglich ein Kopfball von Lasse Sobiech (15.) und auf der anderen Seite ein Fernschuss des agilen Damir Kreilach (18.) blieben erwähnenswert. In einem Duell auf Augenhöhe profitierten die Gäste von einem Abwehrschnitzer der Köpenicker: Daniel Buballa flankte vom linken Strafraumeck diagonal an den rechten Pfosten, Union-Verteidiger Roberto Puncec verlängerte direkt auf Sobota, der abzog und zum 1:0 traf - Daniel Haas im Union-Kasten hatte keine Abwehrchance (22.). Kreilach versuchte aus spitzem Winkel zu antworten, verzog aber (25.). St. Paulis Defensive war jetzt gut organisiert und die Kiezkicker lagen verdient vorn.

Zweimal gepennt - 1:2

Weil die Hamburger aber in den letzten drei Minuten der ersten Hälfte in der Defensive zweimal pennten, stand es zur Pause 1:2: Der Berliner Mittelfeldmann Eroll Zejnullahu schlug eine Flanke von links in den Strafraum, alle verfehlten sie - auch St. Paulis Keeper Robin Himmelmann, der hilflos neben den Ball griff. Der kullerte neben ihm zum Ausgleich ins Tor (42.). Zu allem Überfluss ließ sich wenig später Picault an der eigenen Torauslinie von Michael Parensen die Kugel abjagen, seinen Pass in den Strafraum verwertete Maximilian Thiel zur Führung für die Hausherren - unter Mithilfe der schläfrigen Gästedefensive (45.).

Hornschuh gleicht wieder aus

Nach dem Wechsel brachte Lienen doch noch Maier und das vertraute System mit einer Spitze gab den Hamburgern gleich mehr Sicherheit: Rechtsverteidiger Marc Hornschuh schaltete sich in die Offensive ein und seine Hereingabe knallte Maier aus acht Metern an den Pfosten (47.). Die Kiezkicker waren jetzt wieder in der Partie und fast folgerichtig gelang sieben Minuten später der Ausgleich. Buballa flankte von der linken Torauslinie, zwei Unioner behinderten sich beim Kopfball und Hornschuh traf mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze ins Tor (54.) - sein erster Treffer für die Kiezkicker. Danach entwickelte sich ein höchst unterhaltsames Spiel mit Chancen auf beiden Seiten. Ein Maier-Freistoß klatschte an den Pfosten (64.), Thiel verfehlte mit einem Schuss Himmelsmanns Kasten nur knapp (65.). Kreilach zog knallhart ab, doch St. Paulis Keeper hielt bravourös (67.).

Dudziak trifft zum 3:2

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St. Paulis Jeremy Dudziak (3.v.r.) trifft zum 3:2.

Zum verrückten Spielverlauf passte auch die erneute Gästeführung. Marc Rzatkowski schlug eine Ecke von rechts in den Strafraum. Im Gedränge erwischte Jeremy Dudziak den Ball mit dem Rücken und von dort trudelte er ins Tor der Berliner - 2:3, Partie erneut gedreht (72.)! Die "Eisernen" starteten wütende Gegenattacken und hatten den Ausgleich auf dem Fuß: Thiel traf im Strafraum Hornschuh in den Bauch (78.), Himmelmann parierte einen Kreilach-Hammer aus 20 Metern (87.). Doch der Schock für die Kiezkicker kam erst Sekunden vor dem Ende: In der dritten Minute der Nachspielzeit fiel Kessel der Ball im Strafraum vor die Füße und er schob kühl ein - das frustrierende Ende einer Begegnung, in der für den Tabellendritten mehr möglich gewesen wäre. "Wir haben ein sehr gutes Auswärtsspiel gemacht und uns leider nicht belohnt. Durch das Gegentor mit der letzten Aktion fühlt sich das jetzt natürlich nicht wie ein gewonnener Punkt an, sondern wie zwei verlorene. Das ist sehr bitter", bilanzierte Himmelmann bei NDR 2.

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