Stand: 16.09.2017 15:42 Uhr

St. Pauli gerät gegen "Schanzer" unter die Räder

von Hanno Bode, NDR.de

Die Fußballer des FC St. Pauli haben am Sonnabendnachmittag im eigenen "Wohnzimmer" eine kostenlose Lehrstunde vom FC Ingolstadt erhalten. Genau genommen waren es 45 Minuten. Denn bereits zur Pause führten die Gäste am Hamburger Millerntor mit 4:0 und hatten bis dahin den Kiezclub nach allen Regeln der Kunst vorgeführt. Nach dem Seitenwechsel wussten sich die Hausherren zwar leicht zu steigern und verhinderten weitere Gegentore. Doch ein eigener Treffer blieb den Hanseaten verwehrt. Für sie war es die erste Heimpleite nach saisonübergreifend acht ungeschlagenen Partien vor eigenem Publikum in Serie. "Es ist brutal schwer, wenn man dem Gegner das Spiel zu leicht macht. Dafür ist Ingolstadt einfach zu stark", sagte St.-Pauli-Coach Olaf Janßen: "Die Niederlage ist in der Höhe verdient."

Historisches Debakel am Millerntor

Kiezclub hinten und vorne überfordert

Wie bereits beim etwas schmeichelhaften 1:0-Erfolg am vergangenen Montag in Nürnberg, stand St. Pauli auch gegen die "Schanzer" im ersten Abschnitt zu tief und überließ dem Kontrahenten mehr oder minder das Mittelfeld. Kaum einmal gelang es dem Janßen-Team, Druck auf den Ballführenden auszuüben. Und wenn die Hamburger die Kugel selbst einmal am Fuß hatten - was in den ersten 45 Minuten im Vergleich zu den Ingolstädtern weitaus seltener der Fall war - waren sie hoffnungslos überfordert. Eine Spielidee war beim Kiezclub nicht zu erkennen. Im Defensivverbund unsortiert und mit vielen Aussetzern, in der Vorwärtsbewegung ohne Esprit und Tempo: Die Vorstellung des Kiezclubs glich einem Besuch der Geisterbahn auf dem Hamburger Dom - sie war gruselig.

Ingolstadt nutzt St. Paulis Fehler eiskalt aus

6.Spieltag, 16.09.2017 13:00 Uhr

  • FC St. Pauli
  • 0:4


  • FC Ingolstadt

Tore: 0:1 Kittel (6.) 0:2 Träsch (33.) 0:3 Lezcano (40.) 0:4 Kittel (45.+3)
FC St. Pauli: Himmelmann - L.-M. Zander, Avevor, Hornschuh (69. L. Sobiech), Dudziak - Flum (46. Allagui), Nehrig - Sobota, Litka, C. Sahin - Bouhaddouz (62. Schneider)
FC Ingolstadt: Nyland - Träsch (74. Levels), Wahl, Matip, Gaus - Morales (25. T. Schröck), Christiansen, Cohen - Pledl (83. Otavio Rosa da Silva), Lezcano, Kittel
Zuschauer: 29380

Weitere Daten zum Spiel

Die mit vier Pleiten aus fünf Partien so schrecklich in die Saison gestarteten Ingolstädter gewannen dank des chaotisch agierenden Gegners so auf dem Kiez die Freude an ihrem Beruf zurück. Als erster profitierte Sonny Kittel von einem Fehler St. Paulis. Nachdem Marc Hornschuh unbedrängt einen Fehlpass gespielt hatte und diesen nur mit einem Foul an Darío Lezcano ausmerzen konnte, bugsierte der 24-Jährige den Freistoß gefühlvoll aus halbrechter Position über die Mauer hinweg in die Maschen (6.). Dem 2:0 der Oberbayern gingen ein Konter und eine unfreiwillige Vorlage von Bernd Nehrig voraus, der den Ball genau in die Füße von Christian Träsch spitzelte. Der Rest war für den vormaligen Wolfsburger Formsache. Er überwand den bemitleidenswerten Keeper Robin Himmelmann mit einem Schuss ins lange Eck (33.).

Schon zur Pause alles entschieden

Auch zum dritten Gegentreffer leistete der "Sechser" der Hausherren die Vorarbeit. Diesmal passte der 30-Jährige "perfekt" zu Lezcano, der alleine auf Himmelmann zustürmte und ganz abgeklärt vollendete (40.). Allerdings: Nehrigs zweitem schwerwiegenden Fehlpass war ein doch sehr energisches Einsteigen von Tobias Schröck vorausgegangen, das Referee Robert Schröder auch als Foul hätte werten können. Die Pfeife des Unparteiischen blieb zum Entsetzen der Gastgeber stumm. Damit war St. Paulis Gruselshow aber noch nicht vorbei. Die Janßen-Elf hatte noch eine "Zugabe" in petto. Unmittelbar vor dem Pausenpfiff von Schröder schaute sie staunend zu, wie FCI-Keeper Örjan Nyland die Kugel auf Lezcano abschlug, dieser unbedrängt zu Kittel weiterleitete, der Luca Zander im Laufduell abschüttelte und zum 4:0 traf (45.+3).

Janßen-Elf auch nach der Pause harmlos

Damit schien St. Paulis erste Heimpleite in dieser Serie frühzeitig besiegelt. Nur noch die größten dem Kiezclub zugewandten Optimisten dürften vor Beginn des zweiten Durchgangs an die Wende geglaubt haben. Und vielleicht Trainer Janßen. Dessen Maßnahme, für "Sechser" Johannes Flum in Sami Allagui einen zweiten Stürmer ins Spiel zu bringen (46.), deutete jedenfalls darauf hin, dass der 50-Jährige die Hoffnung auf ein Fußball-Wunder noch nicht aufgegeben hatte. Dafür aber hätte an diesem trüben Hamburger Nachmittag sehr, sehr vieles zusammenkommen müssen. Dem aber war nicht der Fall. Die Gäste gingen trotz ihrer hohen Führung weiterhin seriös ihrem Broterwerb nach und kamen gegen leicht verbesserte, aber immer noch harmlose Kiezkicker nicht ansatzweise in Schwierigkeiten.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 16.09.2017 | 19:30 Uhr

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