Stand: 20.09.2017 16:59 Uhr

Platzsturm bei Holstein Kiel - DFB ermittelt

von Matthias Friedrichsen, NDR.de

Es war wohl ein Racheakt innerhalb der Ultra-Szene. Vor knapp 12.000 Fans im Holsteinstadion während des Aufwärmprogramms von Holstein Kiel und dem FC St. Pauli stürmten an die 30 schwarz gekleidete, teils vermummte Anhänger der Gastgeber den Platz und rannten hinüber zur Gästekurve. Dort rissen sie am frühen Dienstagabend Zaunfahnen ab und versuchten, Banner der Hamburger Fans zu ergattern. Erst auf dem Weg zurück griffen Polizei, Ordner und sogar einige Fußballer des FC St. Pauli ein. Schließlich wurden vier Kieler "Fans" festgenommen. Die spätere 0:1-Niederlage der Kieler im Zweitliga-Nordduell geriet deshalb schnell zur Nebensache. Nun ermittelt der DFB-Kontrollausschuss.

Holstein Kiel droht Geldstrafe

Der Deutsche Fußball-Bund teilte am Mittwoch mit, dass "im ersten Schritt der Klub angeschrieben und zu einer Stellungnahme zu den Vorwürfen aufgefordert" wurde. Nach Vorliegen und Auswertung dieser Stellungnahme sowie weiterer Materialien werde der Kontrollausschuss über den weiteren Fortgang des Verfahrens entscheiden, so der DFB. Mögliche Rechtsfolgen seien derzeit rein spekulativ. Fest steht: Holstein Kiel wird wohl eine Geldstrafe aufgebrummt, so wie anderen Vereinen bei vergleichbaren Vorfällen in ihren Stadien. Die Partie begann mit etwa zehn Minuten Verspätung. Es drohte sogar ein Spielabbruch.

Anfang befürchtet Imageverlust

Bild vergrößern
KSV-Trainer Markus Anfang befürchtet, dass die Vorfälle "einen Schatten auf den Verein werfen".

Am Tag danach stellte sich Kiels Trainer Markus Anfang auf einer Pressekonferenz den Fragen von Journalisten. Er betonte, alle im sportlichen Bereich der KSV hätten dafür gesorgt, dass Holstein zurzeit sehr positiv dastehe. Die Vorfälle am Dienstagabend werfen laut Anfang nun "einen Schatten auf den Verein selber". Das sei sehr schade. Schon kurz nach dem Spiel hatte KSV-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke erklärt, die Vorkommnisse im Holsteinstadion schadeten dem Sport und der eigenen Mannschaft. "Diese Leute haben in unserem Stadion nichts zu suchen. Wir werden Konsequenzen ergreifen, auch Stadionverbote sind ein Mittel."

Der Trainer des FC St. Pauli schlug in die gleiche Kerbe wie Schwenke: "Es ist sehr traurig, dass so etwas passiert, dass Menschen, die nicht ins Stadion gehören, den Fußball als Bühne nutzen", betonte Olaf Janßen. Sein Geschäftsführer Andreas Rettig lobte die mitgereisten Fans der Hamburger: "Sie haben besonnen, gut und richtig reagiert und sich nicht auf eine weitere Eskalation eingelassen."

Die Vorgeschichte: Überfall von Hamburger Fans?

Auslöser für den Platzsturm in Kiel war vermutlich die Nacht zum Sonnabend. Holstein-Ultras wurden vor dem eigenen Stadion überfallen, und die Angreifer stahlen das Banner der Kieler. Es soll - da sind die Kieler Ultras sicher - eine Aktion von St.-Pauli-Fans gewesen sein. Das eigene Banner ist für Ultras eine Art Heiligtum. Gelangt es in die Hände verfeindeter Gruppierungen und wird von diesen öffentlich verbrannt, gleicht dies einer Demütigung.

Weitere Informationen

St. Pauli beendet Holstein Kiels Siegesserie

Holstein Kiel hat die Zweitliga-Tabellenführung durch ein 0:1 gegen den Nordrivalen FC St. Pauli abgeben müssen. Für den Aufsteiger war es die erste Pleite nach zuvor vier Siegen in Serie. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 20.09.2017 | 15:40 Uhr

Mehr Sport

03:29

Hansa kassiert Heimniederlage gegen Lotte

16.12.2017 14:00 Uhr
Sportclub
01:33