Stand: 23.08.2015 16:22 Uhr

St. Pauli stürmt auf Platz zwei

von Andreas Bellinger, NDR.de

Der FC St. Pauli ist vom Abstiegskandidaten zu einer Spitzenmannschaft der Zweiten Bundesliga geworden. Mit einer sowohl spielerisch als auch taktisch und kämpferisch erstaunlich starken Leistung setzten sich die Hamburger am Sonntag auch gegen RB Leipzig durch und stürmten auf Platz zwei der Tabelle hinter dem VfL Bochum (2:1 gegen Nürnberg). In einem spannenden und abwechslungsreichen Spiel besiegten die Kiezkicker den Aufstiegskandidaten in deren mit 41.795 Zuschauern ausverkauften Arena mit 1:0 (1:0) und blieben auch am vierten Spieltag weiter ungeschlagen. Das Tor des Tages erzielte wie im letzten Vergleich am Millerntor Lennart Thy in der 44. Minute. Trainer Ewald Lienen hat aus dem Fast-Absteiger ein Team geformt, das sich anschickt, mit ungleich wohlhabenderen Vereinen wie zum Beispiel Leipzig um den Aufstieg zu streiten. "Als er die Mannschaft letztes Jahr übernommen hat, war sie ein Abstiegskandidat. Nun ist es ihnen zuzutrauen, dass sie vorne mitspielen", lobte RB-Trainer Ralf Rangnick, der vor allem von der Chancenverwertung seiner Mannschaft restlos bedient war.

Thy krönt St. Paulis Energieleistung

Lienens Matchplan geht wunderbar auf

4.Spieltag, 23.08.2015 13:30 Uhr

  • RB Leipzig
  • 0:1


  • FC St. Pauli

Tore: 0:1 Thy (44.)
RB Leipzig: Coltorti - Teigl, Orban, Sebastian (46. Y. Poulsen), A. Jung (84. Quaschner) - D. Kaiser, Ilsanker - Sabitzer, M. Bruno, Forsberg (76. Kalmár) - Selke
FC St. Pauli: Himmelmann - Nehrig, P. Ziereis, L. Sobiech, Buballa - Rzatkowski, Alushi - Sobota (90. Deichmann), Se. Maier (84. Verhoek), Buchtmann (78. Choi) - Thy
Zuschauer: 41795

Weitere Daten zum Spiel

"Wenn wir bestehen wollen, müssen wir läuferisch, kämpferisch und fußballerisch alles geben", wusste Lienen - und sah sich in der schwungvollen Anfangsphase der Leipziger bestätigt. Ausgerechnet in der Defensive hatte er seine Formation im Vergleich zum Spiel gegen Greuther Fürth (3:2) ändern müssen, weil Marcel Halstenberg sich den Oberschenkel gezerrt hatte und wie die Langzeitverletzten Jan-Philipp Kalla (Muskelfaserriss), Ryo Miyaichi (Kreuzbandriss) und Sören Gonther(Muskelbündelriss in der Wade) kurzfristig ausfiel. Die Gastgeber nutzten dies und berannten das Tor von Keeper Robin Himmelmann unaufhörlich. Allein der Ex-Bremer Davie Selke hätte RB schon in der Anfangsphase locker in Führung bringen können (6./13.); die beste Möglichkeit vergab aber Emil Forsberg. Der Schwede ließ im Strafraum zwei St. Paulianer ins Leere rutschen, setzte den Ball dann aber gegen den Pfosten (22.).

Lennart Thy macht wieder das Tor des Tages

Nach einer knappen halben Stunde legten die Gäste ihren Respekt ab, befreiten sich vom Druck des Aufstiegsaspiranten und kamen ihrerseits zu aussichtsreichen Chancen. Die erste allerdings versiebte Enis Alushi (27.). St. Paulis "Sechser", der immer wieder als ein Synonym für den Aufstieg des letztjährigen Abstiegskandidaten genannt wird, verpasste sein zweites Tor für die Kiezkicker, nachdem er an selber Stelle im vorigen November seinen bislang einzigen Treffer für die Hamburger erzielt hatte. Damals allerdings hatte Leipzig mit 4:1 das bessere Ende für sich, während St. Pauli das Rückspiel am Millerntor mit 1:0 gewann. Thy erzielte damals das Tor des Tages. Und der Stürmer, der bei Werder Bremen schon Bundesligaluft geschnuppert hat, sorgte in der 44. Minute für ein Déjà-vu.

St. Pauli verteidigt "aggressiv und unangenehm"

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St. Paulis starker Keeper Robin Himmelmann (r.) rettet vor Davie Selke (l.).

Nachdem die Hanseaten zunächst sorglos mit ihren Chancen umgegangen waren, fackelte Thy nicht lange und knallte eine Vorlage von Marc Rzatkowski volley ins Tor. Unverdient war diese Führung zur Pause ganz sicher nicht, weil die Lienen-Elf dem Druck des Gegners standgehalten und mehr und mehr die Oberhand auch bei den Chancen übernommen hatte. "Wir müssen aggressiv und unangenehm sein", hatte Alushi gefordert - und das gelang auch deshalb, weil St. Pauli mit hohem Einsatz glänzend verteidigte, und vor allem Selke weiterhin das Tor nicht traf. Ein sicherer Rückhalt war zudem Schlussmann Himmelmann, der meinte: "Wir nehmen alles mit, was geht. Wir werden dann sehen, wofür es reicht."

Logo-Zoff nur noch belächelte Randnotiz

Die im Vorfeld angespannte Stimmung zwischen den ungleichen Clubs hatte sich zum Spiel übrigens gelegt. "Das interessiert mich alles überhaupt nicht", sagte Rangnick genervt über den Ärger, der entstanden war, weil St. Pauli auf seiner Homepage das RB-Logo kurzerhand gelöscht und durch den Schriftzug "Leipzig" ersetzt hatte. Grund für die Aktion soll die Ähnlichkeit des Logos mit dem des österreichischen Sponsors gewesen sein, was der RBL-Vorstandsvorsitzende Oliver Mintzlaff als "völlig albern" bezeichnet hatte.

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