Stand: 23.02.2016 09:30 Uhr

Nach Ausschreitungen: Hansa ohne Trikotsponsor

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Hansa-Anhänger (r.) drangen am Sonnabend bis zu den Aue-Fans vor.

Nach wiederholten Ausschreitungen seiner Fans bekommt Fußball-Drittligist Hansa Rostock jetzt auch Druck von seinem Hauptsponsor. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, werden die Spieler im Auswärtsspiel am Sonnabend bei Energie Cottbus statt mit der üblichen Werbung mit einem schwarzen Balken auf den Trikots auflaufen. "Auf der Brust wird nichts zu lesen sein. Nur ein schwarzer Balken. Ein Balken, der symbolisiert, dass wir nicht bereit sind, unseren guten Namen beschmutzen zu lassen", hieß es beim Reiseveranstalter.

Tags zuvor war bereits die Clubführung auf Distanz zu einer bestimmten Fanszene gegangen: "Jetzt muss man ganz klar sagen, dass unsere Fans die Lage ein bisschen verkehrt einschätzen. Die liefern sich da Scharmützel, die überhaupt nicht gehen", sagte Vorstandsmitglied Robert Marien NDR 1 Radio MV. Eine Analyse der Vorfälle mit entsprechenden Konsequenzen blieb dagegen noch aus. "Wir sind in Gesprächen mit allen sicherheitsrelevanten Partnern. Der Ist-Zustand kann definitiv so nicht bleiben", so Marien. Über vereinsinterne Sanktionen werde beraten.

Polizei für schärfere Einlasskontrollen

Konkretere Ideen kommen derweil von der Rostocker Polizei. Inspektionsleiter Michael Ebert fordert ein wirksames Einschreiten des Ordnungsdienstes schon bei der Einlasskontrolle ins Ostseestadion. "Der Verein kann technisch einige Dinge tun, also Sektoren schaffen in problematischen Bereichen, er kann personell einiges tun. Wenn Sie daran denken, dass Hansa Rostock am Wochenende 279 Ordner im Dienst hatte, wovon 11 sich auf der Südtribüne befanden." Als organisatorische Maßnahme schlägt Ebert in problematischen Bereichen auch personalisierte Tickets vor.

Polizeichef macht Club für Vorfälle verantwortlich

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Ebert hatte den Verein für die Vorfälle am Wochenende im Heimspiel gegen Erzgebirge Aue verantwortlich gemacht. Die Probleme vor allem auf der Südtribüne seien "das Ergebnis eines langen Prozesses der Vorstände und Aufsichtsräte der Vergangenheit, die hier durch Absprachen dafür gesorgt haben, dass es Sonder-Akkreditierungen gab, dass es unkontrollierte Zugänge zum Stadion gab, dass Dinge vorher eingebracht werden konnten", sagte Ebert im Gespräch mit NDR 1 Radio MV. Hinter der Südtribüne befinde sich ein Container, in dem schon in der jeweiligen Woche vor den Spielen und damit vor den Kontrollen Dinge untergebracht werden könnten.

Dutzende Hansa-Fans überwinden Sicherheitseinrichtungen

Bei der Partie waren laut Polizeiinspektions-Chef Ebert 30 bis 40 Personen von der Südtribüne über mehrere Sicherheitseinrichtungen bis zur Sicherheitsverglasung der Gäste-Fans vorgedrungen. "Das hat es bis dato selten so im Stadion gegeben", so Eberts Einschätzung. Außerdem waren in der Südtribüne Banner mit provokantem und gewaltverherrlichendem Inhalt aufgehängt worden.

Hansa spielt auf Bewährung

Hansa spielt seit den jüngsten Verfehlungen seiner Fans, für die der Club im vergangenen November 30.000 Euro Strafe zahlen musste, auf Bewährung. Nach den Vorfällen gegen Aue dürfte dem Club ein sogenanntes "Geisterspiel" - eine Partie unter Ausschluss der Öffentlichkeit - im eigenen Ostseestadion blühen. Das würde für Hansa einen Einnahmeverlust von circa 300.000 Euro bedeuten. Zuletzt gab es eine Partie vor leeren Rängen am 18. Dezember 2011 gegen Dynamo Dresden in Rostock.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.02.2016 | 18:00 Uhr