Stand: 22.10.2015 19:12 Uhr

Keine Sperre für Hand-Torschütze Andreasen

Das Handtor von Leon Andreasen, das dem Fußball-Bundesligisten Hannover 96 am vergangenen Sonntag einen 1:0-Sieg gegen Köln bescherte, hat für den 96-Profi kein Nachspiel. Am Donnerstag teilte der DFB mit, dass der Kontrollausschuss das Ermittlungsverfahren gegen den dänischen Nationalspieler eingestellt hat. Der defensive Mittelfeldakteur stand unter dem Verdacht, sich krass sportwidrig verhalten zu haben, ihm drohte eine Sperre. "Wir haben die Angelegenheit eingehend geprüft. Im Endeffekt hat der Schiedsrichter eine Tatsachenentscheidung getroffen. Eine Bestrafung des Spielers wäre unserer Einschätzung nach nur dann möglich gewesen, wenn Herr Andreasen auf eine Befragung durch den Schiedsrichter wahrheitswidrig geantwortet hätte. Dies ist nicht der Fall", sagte Dr. Anton Nachreiner, Vorsitzender des Kontrollausschusses.

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Frontzeck: Wäre ein Quantensprung

Andreasen hatte am vergangenen Sonntag in der Partie beim 1. FC Köln mit dem rechten Unterarm den 1:0-Siegtreffer für Hannover erzielt und daraufhin herbe Kritik einstecken müssen. Schiedsrichter Bastian Dankert hatte nach eigenen Angaben ebenso wie seine Assistenten nichts gesehen, den Fehler nach Ansicht der TV-Bilder aber zugegeben: "Auf diesem Niveau darf solch ein Fehler nicht passieren. Ich war überzeugt, dass der Spieler den Ball mit dem Bauch berührt hat." 96-Trainer Michael Frontzeck war ohnehin nicht davon davon ausgegangen, dass Andreasen gesperrt wird. "Das wäre ein richtiger Quantensprung. Dann müssten wir den Fußball völlig neu bewerten", sagte er. Im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt am Sonnabend (15.30 Uhr im Livecenter bei NDR.de) steht ihm Andreasen damit zur Verfügung.

Kind: "Es ist keine Bringschuld gewesen"

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DFB-Schiedsrichtermanager Hellmut Krug hatte Dankert und dessen Assistenten kritisiert. "Was sich der Schiedsrichter fragen und vorwerfen lassen muss, ist die Tatsache, dass er angesichts dieser zahlreichen heftigen Proteste nicht die Option ergriffen hat, den Spieler Andreasen zu fragen, ob er den Ball mit der Hand gespielt hat." Der Hannoveraner hätte dann vermutlich sein Handspiel zugegeben, wie er es auch nach der Partie getan hatte. "Das war ein klares Handspiel. Ich hatte nur gespürt, dass mich etwas am Arm trifft, aber es ging alles sehr schnell", sagte der 32-Jährige. Vorwürfen gegenüber Andreasen, er hätte sich beim Schiedsrichter selbst anzeigen müssen, war Martin Kind entgegengetreten. "Es ist keine Bringschuld gewesen. Hätte er gefragt, dann gehe ich davon aus, dass Leon Andreasen das auch beantwortet hätte", sagte der 96-Präsident NDR 2.

Fairplay-Vorbild Miroslav Klose

Der ehemalige Nationalstürmer Miroslav Klose sah sich in seiner Karriere schon zweimal in der Bringschuld. Im September 2012 hatte Klose für Lazio Rom das 1:0 im Spiel gegen den SSC Neapel erzielt - allerdings mit der Hand, was fast jeder gesehen hatte, aber nicht Schiedsrichter Luca Banti, der den Treffer gab. Es kam zu wilden Protesten der Neapolitaner, denen Klose ein einfaches Ende setzte. Er ging zu Banti und gab sein Handspiel zu. Am Ende verlor Lazio mit 0:3. Bereits sieben Jahre zuvor hatte Klose noch im Trikot von Werder Bremen "Fair geht vor" praktiziert. Er ließ den Referee im Spiel gegen Bielefeld beim Stand von 0:0 einen Foulelfmeter zurücknehmen, nachdem er zugegeben hatte, von Arminia-Torwart Mathias Hain regelkonform vom Ball getrennt worden zu sein. Damals gewann Bremen noch mit 3:0.

Neuville wurde gesperrt

Ähnliche Fälle hatten bereits nachträgliche Sperren nach sich gezogen. Im Jahr 2004 hatte Oliver Neuville beim 2:0-Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen Kaiserslautern ebenfalls ein Tor mit der Hand erzielt und wurde wegen "krass sportwidrigen Verhaltens" für zwei Spiele gesperrt.

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