Stand: 04.10.2015 09:31 Uhr

Hansa überzeugt gegen Dresden - und unterliegt

von Bettina Lenner, NDR.de

Die Mannschaft des FC Hansa hat die jüngsten Chaostage in Rostock offenbar ziemlich gut weggesteckt. Die Mecklenburger zeigten am Sonnabend im Traditionsduell gegen Dynamo Dresden eine über weite Strecken überzeugende Leistung, unterlagen dem Tabellenführer am Ende allerdings mit 1:3 (0:1).

Karsten Baumann musste nicht nur das Kunststück fertigbringen, den Fokus seines Teams trotz der akuten Unruhe im Verein auf den Fußball zu richten. Der Hansa-Coach war zudem zu großen Umbauarbeiten gezwungen. Der neuerliche Ausfall von Aleksandar Stevanovic nach einem Kreuzbandriss, ein gesperrtes Trio (Marco Kofler, Marcel Gottschling und Michael Gardawski) und die Verletzung von Abwehrchef Matthias Henn - auch in sportlicher Hinsicht reißen bei Hansa die Hiobsbotschaften nicht ab. Marcus Hoffmann ersetzte Henn in der Innenverteidigung, Kapitän Tobias Jänicke rückte im Mittelfeld nach rechts für Gardawski, vorne stürmten Soufian Benyamina und Julius Perstaller im 4-4-2-System der Rostocker.

Mutiger Beginn der Rostocker

Vor 17.600 fast gänzlich friedlichen Zuschauern im Ostseestadion - nach den Ausschreitungen bei der Partie gegen Magdeburg blieb die Südtribüne geschlossen - zeigten die Hausherren von Beginn an einen mutigen Auftritt, verteidigten hoch und kamen zu frühen Ballgewinnen. Bitter für den FC Hansa, dass er nach einem Standard in Rückstand geriet. Marco Hartmann nutzte nach rund einer Viertelstunde einen Freistoß von Marvin Stefaniak per Kopf zur frühen Führung. Bei Dresden folgte dem Jubel eine Schrecksekunde, als Top-Torjäger Justin Eilers nach einem Pressschlag liegen blieb und schließlich mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Platz geführt wurde. Nach längerer Behandlungspause kehrte der 27-Jährige schließlich auf den Rasen zurück, wirkte aber zumindest anfänglich angeschlagen.

Zwei Tore in der Schlussphase

12.Spieltag, 03.10.2015 14:00 Uhr

  • Hansa Rostock
  • 1:3


  • D. Dresden

Tore: 0:1 Mar. Hartmann (14.) 0:2 Dorda (75., Eigentor) 1:2 Ikeng (89.) 1:3 Testroet (90.)
Hansa Rostock: Schuhen - Ahlschwede, M. Hoffmann, Erdmann, Dorda - Jänicke, Ikeng, Baumgarten (70. Ülker), Andrist - S. Benyamina, Perstaller (58. Lukowicz)
D. Dresden: Blaswich - Fa. Müller, Hefele, Modica, Teixeira - Aosman, Mar. Hartmann (46. Ja. Müller), Lambertz (83. Andrich) - Eilers (68. Tekerci), Testroet, Stefaniak
Zuschauer: 17600

Weitere Daten zum Spiel

Die Gastgeber zeigten sich vom Rückstand nur kurz geschockt. In der 19. Minute strich ein Schuss von Hoffmann knapp am rechten Pfosten vorbei, der Ex-Dresdner Dennis Erdmann köpfte Dynamo-Keeper Janis Blaswich das Spielgerät nach einem langen Ball aus sieben Metern direkt in die Arme (26.). Rostock hatte insgesamt mehr vom Spiel, konnte aber nicht die ganz große Gefahr entwickeln. Auf der anderen Seite zog kurz vor der Pause Stefaniak von der Strafraumgrenze ab, Marcel Schuhen war jedoch auf dem Posten.

Nach dem Seitenwechsel konnte Rostock nicht mehr an die Leistung der ersten 45 Minuten anknüpfen, entwickelte kaum mehr Druck. Dynamo dagegen wurde offensiver, ohne dabei großes Risiko zu gehen. In der 65. Minute zog Pascal Testroet nach einem Alleingang aus halblinker Position ab, Schuhen parierte. Dennoch waren die Gäste dem 2:0 näher als die Hausherren dem Ausgleich. Eine Viertelstunde vor Schluss war es dann Christian Dorda, der Dresden mit einem Eigentor den zweiten Treffer des Tages bescherte. Vorausgegangen war ein katastrophaler Fehlpass von Maximilian Ahlschwede in der Vorwärtsbewegung, als Resultat daraus lief Testroet frei auf Schuhen zu und legte quer auf Sinan Tekerci, was Dorda mit einer Grätsche in den Pass verhindern wollte. Das Ergebnis war ein unglückliches Eigentor, das indes noch nicht der Schlusspunkt war: In der 90. Minute gelang José-Alex Ikeng per Kopf der Anschlusstreffer, Testroet markierte in der spannenden Nachspielzeit noch das 3:1.

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"Wir versuchen, uns auf den Fußball zu konzentrieren"

"Ich finde es schade, dass wir verloren haben. In der ersten Halbzeit haben wir ein gutes Spiel gemacht und sie immer wieder unter Druck gesetzt. In der zweiten Hälfte hatten wir keinen Zugriff mehr, die Jungs waren vielleicht auch ein bisschen kaputt", bilanzierte Baumann. Dass die schwierige Situation im Club sein Team beeinflusst, das nach sechs Unentschieden in Serie erstmals wieder als Verlierer vom Platz ging, wollte der Trainer nicht ausschließen: "Wir haben versucht, das von der Mannschaft fernzuhalten. So ganz klappt das natürlich nicht. Wir versuchen, uns auf den Fußball zu konzentrieren. Was die anderen machen, weiß ich nicht."

Gewalttätige Auseinandersetzungen rund um das Spiel

Vor dem Spiel war es nach Angaben der Polizei erneut zu massiven Auseinandersetzungen gekommen. So wurden Gästefans auf der Anreise auf dem Parkplatz Bansower Forst an der A 19 von 80 zum Teil vermummten Tätern überfallen. Die Angreifer bewarfen einen Reise- und mehrere Kleinbusse mit Flaschen und Steinen, traten Spiegel ab und warfen Scheiben ein. Fünf Personen erlitten leichte Verletzungen. Zwei mutmaßliche Täter konnten bereits ermittelt werden.

An den Haltepunkten des Zuges aus Dresden konnten offensichtlich verabredete Schlägereien zwischen den Fanlagern verhindert werden. Im Ostseestadion wurden während des Spiels im Gästeblock ein geschlossener Cateringstand aufgebrochen und eine Toilettenanlage beschädigt. An dem gemeinsamen Einsatz der Polizeiinspektion und der Bundespolizeiinspektion Rostock waren insgesamt 1.260 Polizeibeamte verschiedener Bundesländer sowie der Bundespolizei beteiligt - mit dabei auch vier Wasserwerfer, zwei Polizeihubschrauber sowie zwei Sonderwagen und 34 Diensthundeführer.

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