Stand: 31.03.2016 14:46 Uhr

Schaaf geht bei Abstieg und glaubt an "Minimalchance"

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Trainer Thomas Schaaf geht nicht mit Hannover 96 in die Zweite Liga.

Was soll der Mann sagen? "Natürlich ja", antwortete Thomas Schaaf am Donnerstag auf die Frage, ob er noch an die Rettung von Hannover 96 glaube. Als Trainer ist der 54-Jährige schon von Berufs wegen Optimist. Seit Mittwoch ist allerdings klar, dass das Schicksal des Coaches unmittelbar an das des Tabellenletzten geknüpft ist. Steigt der Club in die Zweite Liga ab, trennen sich am Saisonende die Wege. "Die Entscheidung hat überhaupt nichts verändert. Die minimale Chance, in der Liga zu bleiben, ist in all unseren Köpfen", unterstrich Schaaf am Donnerstag: "Wir haben das Ziel, in der Ersten Liga zu bleiben."

Mannschaft bekommt Schaafs Zorn zu spüren

Also auch er. Doch bei zehn Punkten Rückstand auf das rettende Ufer und nur noch sieben verbleibenden Saisonspielen sind die Chancen auf Hannovers Klassenverbleib und eine Weiterbeschäftigung von Schaaf wohl nur noch theoretischer Natur. Und so sprach der Noch-Trainer bei einem ungewöhnlich emotionalen Auftritt von einer "großen Enttäuschung" und verteidigte sich angesichts des bevorstehenden Gangs in die Zweitklassigkeit: "Da müssen sich andere auch Gedanken machen." Besonders die Mannschaft bekam seinen Zorn zu spüren. Der Betreuerstab tue Woche für Woche alles erdenklich Mögliche, um das Team optimal vorzubereiten. "Was wir dann erleben, ist eine große Enttäuschung", sagte Schaaf: "Man muss doch mal fragen: Wer steht denn da in der Verantwortung? Es geht doch darum, sich zu beweisen und zu behaupten." Allerdings: Der ehemalige Meistertrainer hat es auch nie geschafft, eine Mannschaft auf den Platz zu bringen, die diese Bezeichnung verdient.

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Schaaf: "Dies ist die richtige Lösung"

Schaaf, dessen bis 2017 laufender Vertrag bei den Niedersachsen nur für die Bundesliga gilt, hatte den Traditionsclub Ende Dezember übernommen. Zuletzt hatte er lange zu seinen Zukunftsplänen geschwiegen. Letztlich wollte er aber einem erneuten personellen Neuanfang bei den Niedersachsen nicht im Wege stehen. "Wir sind gemeinsam mit Thomas Schaaf in die Analyse gegangen und sind zum Entschluss gekommen, dass wir bei einem nicht erfolgten Klassenerhalt den Vertrag nicht verlängern werden. Beide Parteien sind der Überzeugung, dass ein personeller Neuanfang auf der Trainerposition die beste Lösung ist", erklärte 96-Geschäftsführer Martin Bader am Mittwoch. Und auch der langjährige Bremer Coach bekräftigte: "Wir haben immer offen und professionell alle Möglichkeiten diskutiert und ich bin ebenfalls der Meinung, dass dies die richtige Lösung ist." Es sei besser, den Weg des Neuanfangs mit einem Trainer zu gehen, "der nicht vorbelastet ist".

Eine vorzeitige Trennung schloss Schaaf am Donnerstag aus: "Ich habe Vertrag. Ich bleibe bis zum Saisonende und bereite mich auf alle Partien vor", sagte der Coach. Und: "Ich bin der dritte Trainer in zwei Jahren. Da muss man sich auch mal drüber Gedanken machen." Will heißen: Es ist schwer für einen Übungsleiter, mit diesem schlecht zusammengestellten Team etwas zu bewegen.

Spekulationen um Nachfolge haben begonnen

Sein Problem dürfte das demnächst nicht mehr sein. Im Umfeld von 96 haben die Spekulationen um die Nachfolge des gescheiterten Hoffnungsträgers, dessen Bilanz nach zehn Spielen mit nur einem Sieg und neun Niederlagen verheerend ausfällt, längst begonnen. Ein Kandidat könnte U19-Coach Daniel Stendel sein. Mit sieben Profi-Jahren bei den "Roten", einer Saison bei den Amateuren und einigen erfolgreichen Jahren als Coach im 96-Nachwuchs verkörpert er den Typus aufstrebender Jung-Coach mit Stallgeruch. In der vergangenen Saison führte der 41 Jahre alte ehemalige Offensivspieler seine Jungs zur Vizemeisterschaft in der Nordstaffel. Nun steht die U19 im DFB-Pokal-Finale gegen Hertha BSC. Zudem werden die Namen Holger Stanislawski, Mirko Slomka, Markus Kauczinski, der den Karlsruher SC im Sommer verlassen wird, und Markus Gisdol gehandelt. Laut Bader gibt es allerdings "keine Zeitfenster" für mögliche Gespräche oder Verhandlungen.

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