Stand: 15.08.2017 18:12 Uhr

Handeln, bevor noch Schlimmeres passiert!

Wer hat angefangen? Die oder wir? Auf diese Frage hat man schon gar keine Lust, wenn man die Fanausschreitungen beim Pokalspiel Hansa Rostock gegen Hertha BSC mitansehen musste. "Am Rande des Spiels" kann man nicht einmal mehr sagen, denn die Aktionen auf den Rängen dominierten ja das Geschehen im Stadion - eher war das Spiel dann das Randereignis. Die Vereinschefs zeigten sich wütend: Geistig minderbemittelte Vollidioten seien das, so Rostocks Präsident Robert Marien. Und auch Herthas Manager Michael Preetz distanzierte sich von den Gewalttätern in den eigenen Fan-Reihen. Was können Vereine und Behörden tun, um die Gewalt in den Stadion in den Griff zu bekommen?

Ein Kommentar von Clemens Paulsen, NDR Sportredaktion Schwerin

Bild vergrößern
Clemens Paulsen meint, dass die Vereine endlich ernst machen müssen im Kampf gegen Randale.

Mecklenburg-Vorpommern gibt eine Menge Geld für Image-Kampagnen aus - und das seit deutlich mehr als zehn Jahren. Am Montagabend reichten gute zehn Minuten aus, um dieses Image bundesweit deutlich zu ramponieren. Mehr als 22.000 friedliche Fans im Ostsee-Stadion und knapp vier Millionen Fernsehzuschauer wurden Zeugen, was nicht mehr als 50 Chaoten in kurzer Zeit so alles anrichten können.

Hansa-Chaoten, die sich auch noch Fans nennen, beginnen mit Chaoten von Hertha BSC auf der Südtribüne einen Kleinkrieg, zünden ein Banner und Stadionsitze an, bewerfen sich gegenseitig mit Böllern. So schaffen sie einen komplett rechtsfreien Raum. Das Spiel wird zweimal unterbrochen.

"Handelsübliche" Reaktionen von Politik und Verein

Weitere Informationen
mit Video

Pokal-Krawalle: Was wusste Hansa?

Fußball-Drittligist Hansa Rostock drohen nach den Ausschreitungen beim Pokalspiel gegen Hertha BSC Strafen durch den DFB. Die Polizei wirft den Clubverantwortlichen Mitwisserschaft vor. mehr

Am Tag danach die bekannten und "handelsüblichen" Reaktionen. Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) fordert einen Aufstand der Anständigen auf den Besuchertribünen. Er fordert ebenso von der Hansa-Vereinsführung, alles dafür zu tun, um solch hemmungslose Handlungen zu verhindern.

Hansa-Vorstand Robert Marien verweist auf 1.300 Polizisten und 300 Ordner, die diese Eskalation nicht haben verhindern können. Man habe es hier, so Marien, mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun, das ein Drittligist im Alleingang auf keinen Fall lösen könne.

Dramatisches Versagen bei der Einlasskontrolle

Hansa Rostock ist im Ostseestadion Hausherr und hat somit in den eigenen vier Wänden für Ordnung zu sorgen. Dramatisch ist das Versagen bei den Einlasskontrollen - und das nicht erst seit Montagabend. Wie haben es die späteren Gewalttäter, und nichts anderes sind diese Anhänger, eigentlich geschafft, das vor drei Jahren in Berlin gestohlene Hertha-Banner auf die Südtribüne zu schmuggeln? Polizei und Journalisten - und mutmaßlich auch der Verein - wussten schon Stunden vor dem Anpfiff, dass eine solche Aktion geplant ist. Erst das Entrollen dieses Banners in der zweiten Halbzeit hat die Situation dann endgültig eskalieren lassen.

Dialog mit Beratungsresistenten ist nutzlos

Hansa Rostock versucht es seit Jahren, wie übrigens Hertha-Manager Preetz in Berlin auch, mit dem Dialog. Dem Dialog mit Teilen einer Fanszene, die allem Anschein nach beratungsresistent und gewalttätig ist.

Das ist übrigens keinesfalls ein singuläres Problem von Hansa Rostock. Jüngst sorgten Chaoten von Hannover 96 für einen Spielabbruch in einem Testspiel in England beim Erstligisten FC Burnley. Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund, Hans-Joachim Watzke, warnte vor Kurzem vor der Tendenz, dass die Ultra-Szene bundesweit immer stärker zusammenrückt.

Vielleicht muss es erst weitere schwere Verwüstungen, Verletzte oder Schlimmeres geben?

Solange Vereine - natürlich in Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden - kaum in der Lage oder Willens sind, selbst so lapidare Strafen wie Stadionverbote zu erteilen, so lange werden Randale wie am Montag in Rostock vielleicht schon bald zum Alltag im deutschen Profifußball gehören.

Hansa Rostock Krawalle

Ratlosigkeit nach Stadion-Randale

Nordmagazin -

Nach den Krawallen beim Drittliga-Spiel in Rostock herrscht bei vielen Ratlosigkeit. Trotz umfassender Sicherheitsvorkehrungen konnten die Ausschreitungen nicht verhindert werden.

3,12 bei 24 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Weitere Informationen

0:2 - Hansa verliert denkwürdiges Pokalspiel

Hansa Rostock ist in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Hertha BSC ausgeschieden. Die Partie stand wegen Fanausschreitungen vor dem Abbruch. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentare | 15.08.2017 | 17:08 Uhr