Stand: 01.06.2015 22:42 Uhr

Rettung in letzter Sekunde: HSV siegt beim KSC

von Sebastian Ragoß, NDR.de

Der Hamburger SV hat in einem der dramatischsten Spiele seiner Vereinsgeschichte den Bundesliga-Klassenerhalt gesichert. Die Norddeutschen gewannen nach dem 1:1 im Hinspiel die zweite Partie in der Relegation mit 2:1 (1:1, 0:0) nach Verlängerung beim Karlsruher SC. Dabei war die Mannschaft von Bruno Labbadia zwischenzeitlich schon mit mehr als einem Bein in der Zweiten Liga. Erst in buchstäblich letzter Minute der regulären Spielzeit brachte Marcelo Diaz mit einem Freistoß-Treffer den HSV in die Verlängerung. Dort sorgte Nicolai Müller in der 115. Minute für die Entscheidung. "Es ist schwer, in Worte zu fassen, was mir diese Wochen bedeutet haben. Ich lebe in der Stadt, ich liebe diese Stadt, und ich liebe den Verein", sagte der erleichterte HSV-Trainer Bruno Labbadia.

Van der Vaart gibt seine Abschiedsvorstellung

2.Spieltag, 01.06.2015 19:00 Uhr

  • Karlsruher SC
  • 1:2


  • Hamburger SV

Tore: 1:0 Yabo (78.) 1:1 M. Diaz (90.+1) 1:2 N. Müller (115.)
Karlsruher SC: Orlishausen - Valentini, Gordon, Gulde, Max (86. D. Kempe) - Meffert, G. Krebs (89. Stoll) - Torres, Yamada (72. Yabo), Nazarov - Hennings
Hamburger SV: R. Adler - Diekmeier, Djourou, Rajkovic, Ostrzolek - van der Vaart, M. Diaz - Olic (77. N. Müller), Holtby (66. Stieber), Ilicevic (86. Cleber) - Lasogga
Zuschauer: 27986

Weitere Daten zum Spiel

Der KSC war nach dem Hinspiel im Vorteil. Deshalb verwunderte es nicht, dass sich die Elf von Coach Markus Kauczinski sehr weit zurückzog und dem HSV fast komplett die Initiative überließ. Hin und wieder lief der Ball ganz ansehnlich durch die Hamburger Reihen, auch weil Rafael van der Vaart - für den gesperrten Gojko Kacar im Team - in seinem letzten Spiel für die Hamburger ein paar gute Ideen hatte. Große Chancen erarbeiteten sich die Norddeutschen in der ersten Hälfte trotzdem nicht. Zweimal musste Karlsruhes Keeper Dirk Orlishausen bei Distanzschüssen von Ivica Olic (6.) und van der Vaart (26.) eingreifen, einmal bei einem Kopfball von Pierre-Michel Lasogga (39.). In ernste Bedrängnis kam der KSC nicht, von der Umsetzung des von Kauczinski angekündigten Plans ("Wir spielen auf Sieg") war allerdings herzlich wenig zu sehen. HSV-Keeper René Adler war vor der Pause fast beschäftigungslos. Erst in der 45. Minute hatte Daniel Gordon mit einem Kopfball, der knapp über die Latte ging, die erste gute Gelegenheit.

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KSC übernimmt die Initiative

Wer würde in diesem Nervenspiel als Erster einen Fehler machen? Karlsruhe begann auch den zweiten Durchgang abwartend und wäre von Lasogga in der 52. Minute fast bestraft worden. Dem Stürmer fiel der Ball nach einer Ecke vor die Füße, seine Direktabnahme ging aber am Ziel vorbei. Der KSC schüttelte seine Nervosität ein wenig ab und wurde aktiver. Gordon verpasste eine Hereingabe von Enrico Valentini nur haarscharf (63.). Dimitrij Nazarov prüfte Adler aus 25 Metern (68.), nach der folgenden Ecke klärte Diaz einen Kopfball von Manuel Gulde auf der Linie.

Chancen über Chancen für die Hamburger

Fehlendes Engagement war dem HSV nicht vorzuwerfen. Aber es sah eine Viertelstunde vor dem Ende nicht danach aus, dass den Hamburgern noch der eine entscheidende Treffer gelingen würde. Dann hatte Lasogga seine nächste große Chance: Orlishausen musste sich mächtig strecken, um den Kopfball des Stürmers zu entschärfen (77.). Im Gegenzug setzte Rouwen Hennings den eingewechselten Reinhold Yabo in Szene, der aus acht Metern die Führung für die Badener erzielte (78.). Viel geändert hatte sich für den HSV dadurch allerdings nicht: Er brauchte ein Tor. Mit dem Mute der Verzweiflung rannten die Hamburger an und hatten plötzlich Chancen in Serie. Lasoggas eigentlich harmlosen Schuss bugsierte Orlishausen fast ins eigene Tor. Dann kam der Angreifer vollkommen frei zum Kopfball - Pfosten. Nachschuss Dennis Diekmeier - vorbei (81.). Nächster Angriff, nächster Aufreger: Johan Djourou setzt sich in der Luft durch, Gulde rettete knapp vor der Linie (83.). Dann stieg Cleber am höchsten und köpfte nur Zentimeter am Pfosten vorbei (86.).

Und dann kommen Diaz und Müller...

Sollte das Glück die Hamburger doch verlassen haben? Eine Chance gab es noch. Schiedsrichter Manuel Gräfe gab einen umstrittenen Freistoß 20 Meter vor dem KSC-Tor. Nicht van der Vaart lief an, sondern Diaz - und der Ball zappelte tatsächlich im Netz. Riesenjubel bei den HSV-Fans und -Profis, die schlagartig wieder Hoffnung hatten. Weiter ging das Drama in der Verlängerung. Beide Mannschaften belauerten sich und warteten auf einen Fehler des Gegners. Nazarov gab in der 103. Minute den gefährlichsten Schuss vor dem letzten Seitenwechsel dieser nervenzehrenden Partie ab. Der HSV hatte jedoch ein leichtes Übergewicht. Clebers Pass landete bei Müller, der aus drei Metern nur noch einschieben musste. Die Entscheidung in der 115. Minute, aber noch nicht der letzte Höhepunkt. In der Nachspielzeit der Verlängerung parierte Adler noch einen Elfmeter von Hennings. "Ich bin heute um drei Jahre gealtert. Das war ein Sieg der Gemeinschaft. Unglaublich, was die Mannschaft in den letzten Wochen geleistet hat", sagte Adler.

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