Stand: 19.03.2016 17:22 Uhr

HSV nach Spektakel wieder unten drin

von Thomas Luerweg, NDR.de

Der Hamburger SV hat es am Sonnabend verpasst, sich endgültig aus dem Abstiegskampf zu verabschieden: In einer spektakulären und durch Entscheidungen von Schiedsrichter Knut Kircher geprägten Bundesliga-Partie unterlagen die Norddeutschen der TSG Hoffenheim mit 1:3 (1:2). Allein der Österreicher Michael Gregoritsch hätte den HSV in mehreren Situationen zum Sieg schießen können. Kircher lag mehrfach falsch, ohne jedoch eine der Mannschaften entscheidend zu benachteiligen. Die Gäste aus dem Kraichgau agierten zielstrebiger und vor allem vor dem Tor effizienter, die keineswegs enttäuschenden Hamburger müssen in der Tabelle wieder nach unten schauen. Mittelfeldmann Aaron Hunt haderte im Interview bei NDR 2 mit der Chancenverwertung: "Wir haben es wieder leider vorne verloren", sagte er. Die Gäste sprangen erstmals seit Oktober auf den Relegationsrang.

Frust im Volkspark: TSG lässt HSV wieder bangen

HSV mit starkem Beginn

Labbadia musste neben dem Saisonaus für Offensivhoffnung Josip Drmic auch den Ausfall von Kapitän Johan Djourou verkraften, der an Pfeifferschem Drüsenfieber leidet. Für ihn rückte Emir Spahic nach abgesessener Gelbsperre in die Innenverteidigung. Zudem ersetzte Gregoritsch nach sieben Spielen Pause im rechten Mittelfeld Nicolai Müller, der bei der unglücklichen 0:1-Niederlage in Leverkusen seine fünfte Gelbe Karte gesehen hatte. Es waren gerade 46 Sekunden gespielt, da hätte der Österreicher den HSV fast in Führung gebracht: Sein Schuss aus 14 Metern flog knapp am 1899-Kasten vorbei. In der turbulenten Anfangsphase konnte Ivo Ilicevic in zentraler Position einen langen Ball nicht unter Kontrolle bringen, sonst wäre daraus eine große Chance entstanden (3.). Auf der Gegenseite entschärfte René Adler mit zwei tollen Reaktionen einen Heber von der Strafraumgrenze von Andrej Kramaric, den er an die Latte lenkte, und Mark Uths Nachschuss aus kürzester Distanz (4.).

Schiedsrichter Kircher im Mittelpunkt

27.Spieltag, 19.03.2016 15:30 Uhr

  • Hamburger SV
  • 1:3


  • Hoffenheim

Tore: 0:1 Kramaric (20., Foulelfmeter) 0:2 Volland (23.) 1:2 Hunt (30., Handelfmeter) 1:3 Eduardo Vargas (67.)
Hamburger SV: Adler - Sakai, Cleber, Spahic, Ostrzolek - Holtby (76. Bahoui), Ekdal - Gregoritsch (62. Schipplock), Hunt, Ilicevic - Rudnevs (69. Lasogga)
Hoffenheim: Baumann - Kaderabek, Bicakcic, Süle, Toljan - Amiri (69. Ochs), Strobl (86. Schär), Rudy - Uth, Kramaric (62. Eduardo Vargas), Volland -
Zuschauer: 48263

Weitere Daten zum Spiel

Danach kontrollierten die Hanseaten das Geschehen und schnürten die Gäste in der eigenen Hälfte ein. Aber die Hoffenheimer befreiten sich mit einem sehenswerten Kramaric-Pass in die Tiefe auf Kevin Volland. Der Stürmer umkurvte Adler, doch der holte ihn von den Beinen - Elfmeter und Gelb entschied Schiedsrichter Kircher (19.). Eine Fehlentscheidung, Adler hätte Rot sehen müssen, denn Volland war einschussbereit - Glück für die Hamburger! Den Strafstoß vollstreckte Kramaric knallhart in die rechte Ecke (20.). Auch am 2:0 für die Kraichgauer hatte der Unparteiische entscheidenden Anteil: Er wertete einen Ball von HSV-Linksverteidiger Matthias Ostrzolek auf Adler zu Recht als Rückpass (23.). Die Hamburger protestierten, 1899 traf: Volland verwandelte den indirekten Freistoß, der Erinnerungen an die Meisterschaftsentscheidung 2001 wachrief. Damals hatte Patrick Andersson fast von derselben Position den FC Bayern zur Meisterschaft geschossen.

Hunt bringt den HSV heran

In der höchst unterhaltsamen Partie setzen die Hausherren den nächsten Akzent, begünstigt durch eine umstrittene Elfmeterentscheidung: Ilicevic flankte von links in den Strafraum, TSG-Verteidiger Pavel Kaderabek erwischte die Kugel im Wegdrehen mit dem Oberarm. Kircher zeigte auf den Punkt (29.). Ein Elfmeter, den man geben kann, aber nicht muss. Aaron Hunt blieb in der aufgeheizten Atmosphäre cool und ließ Oliver Baumann im Hoffenheimer Tor bei seinem Schuss in die Mitte keine Chance (30.). Mit 1:2 ging es in die Pause, beide Teams agierten auf Augenhöhe.

Baumann lässt Hamburger verzweifeln

Nach dem Wechsel machte sich das Labbadia-Team daran, das auch im Ergebnis deutlich zu machen: Die Hausherren erhöhten den Druck und hatten ihre stärkste Phase. Nach einem Traumzuspiel von Gotoku Sakai über rechts scheiterte Gregoritsch aus kurzer Distanz am überragend reagierenden Baumann (51.). Zwei Minuten später parierte er einen knallharten Schuss von Lewis Holtby von der Strafraumgrenze. Um ein Haar hätte Artjoms Rudnevs den Abpraller noch erreicht. Die nächste Riesenchance zum Ausgleich vergab wieder Gregoritsch, als er aus sechs Metern den Ball nicht richtig traf und erneut den glänzenden Baumann nicht überwand (60.). Effektiver zeigten sich die Gäste, als Eduardo Vargas einen Konter über die rechte Seite mit einem tollen Schuss aus 15 Metern abschloss (67.). Das war praktisch die Entscheidung, auch wenn Cleber und der eingewechselte Pierre-Michel Lasogga noch zu einer Doppelchance kamen (74.).

Unter dem Strich konnte der HSV seine höheren Spielanteile nicht in Zählbares ummünzen. Ostrzolek sah zudem seine fünfte Gelbe Karte und wird nach der Länderspielpause bei Hannover 96 fehlen.

Ergebnisse und Tabelle Fußball-Bundesliga

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick. mehr

Knorpelschaden: Saisonaus für HSV-Stürmer Drmic

Hiobsbotschaft für den Hamburger SV: Leih-Stürmer Josip Drmic hat sich einen Knorpelschaden zugezogen, muss operiert werden und fällt für den Rest der Saison aus. mehr