Stand: 30.07.2015 09:08 Uhr

HSV: Dieser Weg wird kein leichter sein

von Hanno Bode, NDR.de
Will den HSV perspektivisch zurück ins obere Erstliga-Drittel führen: Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer.

Nach zwei Last-Minute-Rettungen in Folge hofft der Hamburger SV auf eine ruhige Bundesliga-Saison ohne Abstiegssorgen. Sportdirektor Peter Knäbel sowie Trainer Bruno Labbadia haben weitreichende Korrekturen am Kader vorgenommen. Ob es dem Duo gelang, die Konkurrenzfähigkeit des Erstliga-Gründungsmitglieds zu erhöhen, muss sich jedoch erst zeigen.

Wenn der Hamburger SV in den vergangenen Jahren bei anderen Vereinen zwecks der Abwerbung von Berufsfußballern vorstellig wurde, rieben sich die Manager der betroffenen Konkurrenten die Hände. Das Bundesliga-Gründungsmitglied erfüllte bei seinen verzweifelten Versuchen, mehr Tiefe und Struktur in den Kader zu bekommen, irgendwann zumeist jede noch so überhöhte Ablöseforderung. Obgleich die finanzielle Lage immer dramatischer wurde, handelte der mehr in seiner erfolgreicheren Vergangenheit denn der tristen Gegenwart lebende Club getreu dem Motto: "Über Geld spricht man nicht, man hat es."

Beiersdorfer: "Das System gesunden"

Das Resultat jahrelanger Misswirtschaft sind Verbindlichkeiten in dreistelliger Millionenhöhe. Der Schuldenberg sowie zwei Fast-Abstiege in Folge ließen den Verantwortlichen gar keine andere Wahl, als in diesem Sommer einen längst überfälligen personellen Umbruch vorzunehmen. "Wir wollen das System gesunden", erklärte der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer mit Blick auf Abermillionen für Transfer-Flops. Demut scheint nun dort eingekehrt zu sein, wo früher Größenwahn herrschte. Der erhoffte Weg zurück zu Glanz und Gloria wird für den sechsmaligen deutschen Meister kein leichter sein.

Prominente Abgänge

Beiersdorfer hätte sich auch für einen anderen Weg entscheiden können. Den "Kühne-Weg". Diesmal aber widerstand der Vorstandschef dem Angebot des Investors, Kapital für neues Personal zur Verfügung zu stellen. Bislang jedenfalls. Stattdessen wurden die hochdotierten Verträge von Rafael van der Vaart, Heiko Westermann, Slobodan Rajkovic sowie Marcell Jansen nicht verlängert und in dem Schweizer Missverständnis Valon Behrami ein weiterer teurer Akteur abgegeben. Für die Auflösungen der Kontrakte von Maximilian Beister und Lasse Sobiech zahlte der HSV sogar noch Abfindungen. Der eigentlich nicht beabsichtigte Verkauf des begabten Innenverteidigers Jonathan Tah (zu Bayer Leverkusen) spülte zudem kolportierte acht Millionen Euro in die leere Clubkasse.

Gehaltsetat um zehn Millionen reduziert

Der Gehaltsetat konnte durch die Abgänge von bisher 52 Millionen Euro um circa zehn Millionen reduziert werden. Damit verfügt der zweimal in Folge beinahe abgestiegene Bundesligist noch immer über das Budget eines Europa-League-Anwärters. Nichtsdestotrotz wird bei den Hanseaten in diesem Sommer des Umbruchs nicht von Auftritten auf internationaler Bühne schwadroniert. "Wir haben die sch... Zeit jetzt hinter uns. Wir wollen nichts mehr mit dem Abstieg zu tun haben", erklärte Offensivmann Ivo Ilicevic beinahe ein wenig kleinlaut. Es scheint auf allen Ebenen Demut beim HSV eingekehrt zu sein.

Labbadia muss sich "in Geduld üben"

In Anbetracht der wenig spektakulären Neuverpflichtungen tun die Hamburger gut daran, ihre Saisonziele nicht allzu offensiv zu formulieren. Aufgrund des selbst auferlegten Sparzwangs konnte Sportdirektor Peter Knäbel seinem Trainer Bruno Labbadia nicht alle Wünsche erfüllen. Der Coach schien zunächst etwas verärgert, zeigte dann jedoch Verständnis. "Der Markt ist ganz, ganz schwierig. Es gibt einfach relativ wenig Spieler. Und die Spieler, die auf den Markt kommen, sind sehr, sehr teuer. Ich selber muss mich da auch in Geduld üben, indem wir uns im Klaren sein müssen, dass eine, zwei, vielleicht auch drei Transferperioden gar nicht ausreichen, um das einfach wettzumachen", erklärte der 49-Jährige dem NDR Hörfunk. Zu diesem Zeitpunkt war Knäbel noch in der x-ten Verhandlungsrunde mit dem VfL Bochum. Der Zweitligist versuchte, die geforderte Ablösesumme in Höhe von drei Millionen Euro für Michael Gregoritsch durchzubekommen.

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