Stand: 12.08.2015 14:38 Uhr

HSV-Boss Beiersdorfer: Knäbel nicht vorverurteilen

Vorstandschef Dietmar Beiersdorfer vom Hamburger SV hat sich in der "Rucksackaffäre" erneut vor den in der Kritik stehenden Sportdirektor Peter Knäbel gestellt. "Wir haben Peter das Vertrauen ausgesprochen, und wir haben auch Vertrauen in Peter", sagte der Clubchef am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Hamburg: "Das Delikt wurde nicht von ihm begangen. Man kann niemanden vorverurteilen. Das wollen und werden wir nicht tun. Peter Knäbel arbeitet 24 Stunden an sieben Tagen der Woche für unseren Club."

Ein "Schlag ins Kontor"

Beiersdorfer, der von einem "Schlag ins Kontor" sprach, wiederholte, Knäbel habe Strafanzeige gegen unbekannt gestellt und der HSV zusätzlich ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen zur Aufklärung der Vorgänge beauftragt. "Es ist ein laufendes Verfahren. Wir können es aktuell inhaltlich nicht kommentieren", so Beiersdorfer. Das Einschalten einer zusätzlichen Instanz neben der Polizei ist allerdings auch ein Indiz dafür, dass der früh als Krisenmanager geforderte Beiersdorfer ein Versagen Knäbels nicht ausschließen kann. "Erst mal wollen wir eine unabhängige Untersuchung, dann wird das neu bewertet", erklärte er. Die "Hamburger Morgenpost" hatte zuvor berichtet, die Darstellung Knäbels zum Verlust des Rucksacks habe "Lücken" aufgewiesen und solle nun "bis ins Detail aufgelöst werden".

Am Montag war publik geworden, dass interne Dokumente von Knäbel in einem Hamburger Park gefunden worden waren. Darin sollen die Gehälter der Profis, Prämienzahlungen und Vertragsdetails aufgelistet gewesen sein. Eine Altenpflegerin hatte die Unterlagen in einem Rucksack entdeckt, der Knäbel nach dessen Angaben gestohlen worden war.

Teile des Aufsichtsrats verärgert

Vereinsintern herrscht unterdessen großer Ärger über eine Pressemitteilung der HSV-Führung, in der es bereits am Montagabend geheißen hatte: "Peter Knäbel genießt das Vertrauen der HSV Fußball AG und wird seine Funktion als Direktor Profifußball weiter ausüben." Unterzeichnet hatte die Mitteilung nicht nur Beiersdorfer, sondern auch der Aufsichtsratsvorsitzende Karl Gernandt - womit dessen Gremiumskollegen allerdings überhaupt nicht einverstanden sind. Mehrere Räte sprachen am Dienstag von einem nicht hinnehmbaren Alleingang und wiesen darauf hin, dass es sich nicht um die Meinung des Kontrollgremiums handelt. Mehr noch: Im Aufsichtsrat soll es Widerstände gegen die Weiterbeschäftigung des ehemaligen Bundesliga-Profis geben. Da Knäbel jedoch nicht dem HSV-Vorstand angehört, könnte ihn nur Beiersdorfer von seinem Posten abberufen.

Mehrere Spielerberater haben inzwischen um ein Gespräch mit Knäbel gebeten. Glücklich dürfte der HSV lediglich darüber sein, dass bislang die Informationen aus den Unterlagen nicht an die Öffentlichkeit gelangten. Mit der Harmonie ist es bei den Hamburgern allerdings schon wieder vorbei, bevor die Bundesliga-Saison überhaupt begonnen hat.

HSV: Vom Spitzenclub zum Kellerkind

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