Stand: 19.05.2017 09:45 Uhr

Ex-Profi Ballwanz: "Eine Frage des Nervenkostüms"

Zittert mit seinem VfL Wolfsburg: Ex-Profi und Fanbeauftragter Holger Ballwanz.

Als Fußball-Profi hat Holger Ballwanz viele emotionale Momente mit dem VfL Wolfsburg erlebt: 199 Mal ist "Balli" für die "Wölfe" aufgelaufen, 1997 wurde der Defensivallrounder zu einem der Wolfsburger Aufstiegshelden. Zuvor trug der heute 49-Jährige auch ein paar Jahre das Trikot des Hamburger SV. Doch sein Herz ist "komplett grün-weiß" und schlägt "mehr als 100 Prozent für den VfL". Der Fanbeauftragte des VfL Wolfsburg sieht dem "Abstiegsfinale" am Sonnabend (15.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) im Hamburger Volkspark mit einer Mischung aus Vorfreude und Anspannung entgegen. Als einer von rund 6.000 Wolfsburgern wird er die Partie live im Stadion verfolgen: "Wir werden versuchen, den 50.000 Hamburgern Paroli zu bieten", sagt Ballwanz im Interview mit NDR.de.

Herr Ballwanz, was überwiegt vor diesem "Finale" in Hamburg: die Hoffnung und Vorfreude auf ein erfolgreiches Saisonfinale oder die Angst vor der Relegation?

Ballwanz: Das ist natürlich ein Spiel, das sich keiner gewünscht hat, weder hier in Wolfsburg noch in Hamburg. Aber solche Spiele haben auch ihren besonderen Reiz. Von daher freue ich mich auf das Spiel, bin aber auch angespannt.

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VfL-Trainer Andries Jonker hat gesagt: "Das sind die Tage im Leben, die man nicht vergisst. Das sind die schönsten Tage, wenn man sie erfolgreich bestreitet." Wie sehen Sie das - aus Sicht eines Ex-Profis und aus Fansicht?

Ballwanz: Als Spieler war ich zum Glück nie in der Situation, dass es tatsächlich auf den letzten Spieltag angekommen ist bezüglich eines eventuellen Abstiegs - deshalb kann ich mich in die Spieler nicht so gut hineinversetzen. Bei den Fans ist das Zittern natürlich sehr groß, aber auch die Überzeugung, dass unsere Mannschaft am Sonnabend den Klassenerhalt perfekt macht.

Wie ist denn das Interesse der VfL-Fans an dem Spiel?

Ballwanz: Riesig! Wir hatten in weiser Voraussicht das ganze Kontingent in Hamburg abgerufen, und es werden uns tatsächlich an die 6.000 Fans nach Hamburg begleiten. Das zeigt, wie groß die Unterstützung hier ist.

Wie bewerten Sie denn insgesamt den Support der "Wölfe"-Fans in dieser Situation und in den vergangenen Wochen?

Ballwanz: Ich habe den Eindruck, dass hier in den letzten Wochen extrem etwas zusammengewachsen ist. Vom Ultra bis zum Normalo ziehen alle an einem Strang. Und ich bin mir sicher, dass jeder einzelne VfL-Fan, der in Hamburg im Stadion ist, alles geben wird. Wir werden versuchen, den 50.000 Hamburgern Paroli zu bieten.

Steckbrief Holger Ballwanz

Karriere-Stationen:
1987 - 1992: HSV (41 Spiele / 3 Tore)
1992 - 2000: VfL Wolfsburg (199 Spiele / 13 Tore)
2000 - 2001: Hannover 96 (3 Spiele)
Erfolge:
1995 DFB-Pokal-Finale mit Wolfsburg
1997 Bundesliga-Aufstieg mit Wolfsburg
Aktuell:
Fanbeauftragter beim VfL Wolfsburg

Wie ist eigentlich das Verhältnis der beiden Fanlager?

Ballwanz: Das ist vor so einem Spiel sicherlich nicht freundschaftlich (lacht), aber man respektiert sich. Ich hoffe, dass es keine Auseinandersetzungen gibt. Es ist immer noch Sport. Zum Glück kann keine der beiden Mannschaften am Sonnabend direkt absteigen.

Inwiefern hilft diese Konstellation bei der ohnehin schon großen Brisanz des Spiels?

Ballwanz: Das ist ein Punkt, der bei diesem Spiel noch ganz wichtig sein kann. Grundsätzlich bin ich guter Dinge, dass sich der Club, der in die Relegation muss, am Ende auch noch retten wird. Wenn im Vorfeld klar gewesen wäre, dass eine Mannschaft direkt absteigt, wäre die Stimmung schon extrem gedrückt.

In der Relegation würde wahrscheinlich Eintracht Braunschweig der Gegner sein...

Ballwanz: Natürlich wissen wir, dass wir uns über dieses Szenario Gedanken machen müssen, aber der Fokus liegt eindeutig auf Hamburg - auch bei den Fans.

HSV-Idol und VfL-Meistermacher Felix Magath hat sich im fernen China zu Wort gemeldet: Er sieht den HSV im Vorteil. Wolfsburg habe lange nicht damit gerechnet, noch gegen den Abstieg spielen zu müssen. Kann der VfL Abstiegskampf?

Ballwanz: Der VfL hat in extremen Spielen oft sein gutes Gesicht gezeigt. Ich bin mir sicher, dass sich die Mannschaft in dieser Situation zusammenreißen und noch mehr zusammenwachsen kann. Das wird auch eine Frage des Nervenkostüms.

Sie haben in Ihrer Profi-Laufbahn nicht nur für den VfL Wolfsburg gespielt, sondern auch für den Hamburger SV - gut 25 Jahre ist das jetzt her. Was für ein Verhältnis haben Sie heute zum HSV?

Ballwanz: Die Kontakte sind in den Jahren immer weniger geworden, das ist klar. Im Moment ist die Beziehung zu dem Club komplett abgerissen. Natürlich verfolge ich manchmal den HSV noch. Ich bin ja in der Region geboren, komme ursprünglich aus Mölln, da ist es klar, dass man da ab und zu hinschaut. Aber ich bin schon lange in Wolfsburg, mein Herz ist komplett grün-weiß und schlägt mehr als 100 Prozent für den VfL.

Ich höre da raus: Wolfsburg rettet sich am letzten Spieltag und der HSV darf dann gerne die Relegation packen.

Ballwanz: Ja, das kann man so sagen (lacht).

Abschließend, was ist denn Ihr Tipp für das Spiel?

Ballwanz: Mit einem Ergebnistipp halte ich mich zurück. Ich sage ganz einfach: Wir werden ein Ergebnis erzielen, das uns vor der Relegation bewahrt und uns in der Liga hält. Wir alle möchten am Jubiläumswochenende (20 Jahre VfL Wolfsburg in der Bundesliga; Anm. d. Red.) hier eine schöne Feier haben.

Das Interview führte Ingmar Deneke, NDR.de

Dieses Thema im Programm:

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