Stand: 14.01.2016 09:30 Uhr

Neu-Trainer Gerber: "Will mir einen Namen machen"

von Florian Neuhauss, NDR.de

Gelernt hat Fabian Gerber bei keinen Geringeren als Jürgen Klopp, Thomas Tuchel und Christian Streich. Jetzt startet der Ex-Profi, der unter anderem beim FC St. Pauli und Hannover 96 spielte, seine eigene Trainerkarriere. Nach 225 Ligaspielen im deutschen Profifußball beginnt die zweite Laufbahn des 36-Jährigen allerdings in der Regionalliga Nord: Seit Sonntag ist er Cheftrainer des BSV Schwarz-Weiß Rehden, sein Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2017. "Das ist eine Riesen-Chance für mich", sagte der A-Lizenzinhaber NDR.de und fügte hinzu: "Ich bin jung und ehrgeizig und davon überzeugt, dass ich hier einiges bewegen kann." Die Niedersachsen überwintern mit neun Punkten Vorsprung auf die Abstiegsplätze als Tabellenzehnter, die Verfolger haben aber bis zu vier Spiele weniger auf dem Konto. Deshalb stellte BSV-Präsident Friedrich Schilling trotz des Glanzes, den der Profi in die Provinz bringt, auch gleich klar: "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht absteigen. Mit allem anderen beschäftigen wir uns nicht."

Fabian Gerbers rasanter Ritt durch die Profiligen

Schon als Spieler an die Trainerkarriere gedacht

Gerber beendete im Sommer 2013 beim FC Ingolstadt seine Karriere. Der gebürtige Münchner, der seine ersten Schritte Richtung Profifußball in Celle unter seinem Vater Franz Gerber machte, spielte außer für die "Roten" und die Kiezkicker auch beim SC Freiburg und dem 1. FSV Mainz 05 sowie in der ersten griechischen Liga für OFI Kreta. Dass er nun seinen ersten Posten als Chefcoach angetreten hat, war von langer Hand geplant. "Ich habe als Aktiver zig Trainer erlebt und mir schon damals Notizen gemacht, was ich positiv und was ich negativ fand. Ich konnte mir schon immer vorstellen, mal selbst als Trainer zu arbeiten", berichtete der Novize, der nach der Karriere die Scheine in Angriff nahm und viele Hospitanzen absolvierte: Bei Klopps Dortmundern, Tuchels Mainzern und Streichs Freiburgern, aber auch in Hoffenheim, bei Rapid Wien und den Grasshoppers in Zürich unter Michael Skibbe.

Gerber Senior und Junior machen gemeinsame Sache

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Vater und Sohn: Franz (r.) und Fabian Gerber arbeiteten schon häufiger zusammen.

Seine vorerst letzte Hospitanz stand Ende des vergangenen Jahres an - in Rehden, unter seinem Vater. Franz Gerber, der wie sein Sohn unter anderem in Celle, Hannover und bei St. Pauli wirkte, leistete Rehden-Boss Schilling einen "Freundschaftsdienst". Trainer Alexander Kiene war kurzfristig zum Liga-Rivalen TSV Havelse gewechselt - und auch Sportvorstand Markus Kompp hatte die Schwarz-Weißen verlassen. Kompp ist seit Mitte November Vorstandschef bei Hansa Rostock. Bis zur Winterpause war Gerber Senior Chefcoach. So gebe es genug Zeit, "bis ein guter und geeigneter Trainer gefunden ist". Dass dieser ausgerechnet sein Sohn, der vier Wochen als Hospitant mithalf, sein würde, war damals noch nicht abzusehen. "Dass es passen könnte, hat sich erst bei Gesprächen in der Winterpause gezeigt", erzählte Fabian Gerber, der mit seiner Familie in Mainz lebt, bis auf Weiteres aber ins Hotel nach Rehden gezogen ist.

"Die Leute haben gemerkt, wie ich ticke"

Vom ersten Tag an habe er sich mit Volldampf ans Werk gemacht, berichtete der 36-Jährige: "Die Leute haben gemerkt, wie ich so ticke und arbeite." Auch weil Kandidaten aus der Umgebung nicht zur Verfügung standen, bekam der Ex-Profi aus Mainz den Zuschlag. Schilling weiß, "dass er das kann", hätte aber gern eine langfristige Lösung präsentiert. "Es kann ja gar nicht das Ziel eines ehrgeizigen Trainers sein, auf Dauer den BSV Rehden zu trainieren", sagte der Vorstandsvorsitzende NDR.de, "wir sind der kleinste Regionalligist." Aber nachdem ihm Gerber bei den Verhandlungen auch noch finanziell sehr entgegengekommen sei, sorgte er mit einem Eineinhalb-Jahresvertrag zumindest für ein wenig Kontinuität.

Der Profi und die Feierabendfußballer

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Fabian Gerber (r.) war ein Vollblutprofi - seine Spieler haben noch einen anderen Job.

Obwohl Gerber das Umfeld also schon bestens kannte, war er aufgeregt, als er am Montag das erste Mal vor seine Mannschaft getreten ist: "Nervosität und Emotionen gehören für mich einfach dazu - das war auch schon als Spieler so. Eine gewisse Anspannung gibt es immer, egal wie lange man dabei ist", sagte der ehemalige Offensivspieler, dessen Profikarriere 16 Jahre andauerte. Die Aufgabe in Rehden ist vom ersten Moment an ein Fulltime-Job: Gespräche mit Spielern, Trainingseinheiten planen, Testspiele verabreden und nebenbei einen Überblick verschaffen. Damit er überhaupt alles schafft, hat ihm der Verein noch einen zweiten Assistenztrainer zur Seite gestellt. Anders sieht es bei seinen Spielern aus, für die Fußball nach dem normalen Beruf eine Abendbeschäftigung ist.

Rückkehr in den Profifußball ist das Ziel

Auch wenn Gerber jetzt Regionalliga-Trainer ist und um die Grenzen beim Dorfverein, der im August 2013 den FC Bayern München in der ersten Runde des DFB-Pokals in Osnabrück empfing, weiß, geht er die Arbeit mit Ehrgeiz an. "Ich werde all meine Kraft und Zeit in diese Aufgabe stecken", verdeutlichte der A-Lizenzinhaber, der den Plan, auch noch den Fußballlehrer-Schein zu machen, vorerst zur Seite gelegt, aber "weiter im Blick" hat. "In der Regionalliga wird Leistungsfußball gespielt. Ich will das Beste aus der Mannschaft rausholen und eine gute Restsaison spielen." Gelingt danach der angepeilte Schritt nach vorn, könnte der BSV Rehden schnell zu klein für ihn werden. Gerbers Ziel ist die Rückkehr in den Profi-Fußball: "Ich will so hoch hinaus, wie es geht, mir mit guter und harter Arbeit einen Namen als Coach machen." Dass die Regionalliga Nord als Sprungbrett taugt, haben schon viele Trainer bewiesen. Bestes Beispiel ist André Breitenreiter. Der Hannoveraner startete seine Trainerkarriere 2011 in Havelse. Drei Jahre später führte der 42-Jährige den SC Paderborn in die Bundesliga und ist heute Trainer des FC Schalke 04.