Stand: 23.01.2016 17:21 Uhr

Ex-Bremer Wagner verdirbt Schaaf-Debüt bei 96

von Florian Neuhauss, NDR.de

Tiefpunkt statt Befreiungsschlag: Im ersten Bundesliga-Spiel unter Neu-Trainer Thomas Schaaf hat Hannover 96 gegen Aufsteiger Darmstadt 98 1:2 (1:1) verloren und ist auf den letzten Tabellenplatz abgerutscht. Die Hoffnungen im Kampf um den Klassenerhalt haben damit schon am ersten Spieltag nach der Winterpause einen gehörigen Dämpfer erlitten. Doch recht überzeugt sind die Hannoveraner vom neuen Weg ihrer "Roten" offenbar ohnehin nicht: Das Stadion war bei Weitem nicht ausverkauft. Schaaf will trotz der Pleite "viel Positives mitnehmen". Für eine positive Nachricht sorgte immerhin André Hoffmann. Der 22-Jährige zeigte im defensiven Mittelfeld nach langer Verletzungspause ein starkes Comeback. Was umso wichtiger ist, da Salif Sané am kommenden Wochenende in Leverkusen aufgrund seiner fünften Gelben Karte fehlt. An der Niederlage gegen das drittstärkste Auswärtsteam der Liga, bei dem sechs ehemalige Nord-Profis in der Startelf standen, konnte jedoch auch er nichts ändern.

Schaaf-Debüt misslingt trotz früher Führung

Verdiente Führung - Szalai im Glück

18.Spieltag, 23.01.2016 15:30 Uhr

  • Hannover 96
  • 1:2


  • Darmstadt 98

Tore: 1:0 Hugo Almeida (10.) 1:1 S. Wagner (31.) 1:2 S. Wagner (48.)
Hannover 96: Zieler - Sakai, Marcelo, C. Schulz (90. Sobiech), Sorg - Hoffmann - Sané, Prib - Schmiedebach (72. Saint-Maximin) - Hugo Almeida, Szalai
Darmstadt 98: Mathenia - Garics, Sulu, S. Rajkovic, Caldirola - Gondorf, Niemeyer - Heller, Rosenthal (90.+2 Junior Diaz), Rausch (76. Kempe) - S. Wagner (88. Stroh-Engel) -
Zuschauer: 38000

Weitere Daten zum Spiel

Wie aus Bremer Tagen bekannt schickte Schaaf sein Team im 4-4-2 mit Mittelfeldraute ins Spiel und setzte im Sturm auf die beiden Neuzugänge Hugo Almeida und Adam Szalai. Beide hatten zuletzt keine Spielpraxis, meldeten sich aber schnell zu Wort: Gerade mal 35 Sekunden waren gespielt, da kam Almeida, den Schaaf aus seiner Zeit bei Werder bestens kennt, zum ersten Abschluss. In der fünften Minute setzte Szalai zum Solo an, beide Schüsse gingen aber am Tor vorbei. Schaaf hatte vor der Partie gesagt, dass es ihm in Hannover noch zu ruhig sei - spätestens nach zehn Minuten war diese Aussage vorerst überholt, die WM-Arena bebte: Eine Flanke von Hiroki Sakai fälschte Szalai zu Almeida ab. Der Portugiese zögerte nicht, sondern wuchtete den Ball mit seinem starken linken Fuß in die Maschen - 1:0. Auch wenn den Darmstädtern bis dahin offensiv gar nichts gelungen war, stand die Führung auf wackeligen Beinen. Bei einer Ecke der Gäste brachte Szalai im Sechzehner den so torgefährlichen Innenverteidiger Aytac Sulu zu Fall und hatte großes Glück, dass die Pfeife von Schiedsrichter Deniz Aytekin stumm blieb (18.). Doch 96 blieb spielbestimmend. Um ein Haar hätte auch Szalai sein erstes Tor für die "Roten" erzielt, als er nach sehenswerter Flanke von Almeida zum Kopfball kam. Doch SVD-Keeper Christian Mathenia zeichnete sich ein erstes Mal aus (24.).

Ehemalige Schaaf-Schützlinge besonders motiviert

In der Folge fanden auch die Hessen den Vorwärtsgang. Gegen Sulu rettete 96-Keeper Ron-Robert Zieler noch (30.), musste aber schon eine Minute später hinter sich greifen. Marcel Heller brach über rechts durch und flankte in die Mitte. Dort kam der ehemalige Hannoveraner Jan Rosenthal zum Kopfball und setzte Sandro Wagner in Szene, der locker zum Ausgleich einschob. Ausgerechnet Wagner! Der 1,90-Meter-Mann war von 2010 bis 2012 Schützling von Schaaf in Bremen. Und nachdem Manuel Schmiedebach noch eine Chance für 96 vergeben hatte (39.), verhinderte nur das Aluminium den nächsten Treffer eines ehemaligen Schaaf-Schützlings. Peter Niemeyer (von 2007-2010 in Bremen) schoss nach einem zu kurzen Klärungsversuch von Zieler sofort - der Ball sprang jedoch vom Innenpfosten zurück ins Feld (45.).

Wagner schnürt den Doppelpack

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Ausgerechnet Sandro Wagner traf gegen seinen Ex-Coach doppelt.

Waren die Niedersachsen noch hellwach ins Spiel gestartet, waren sie zu Beginn des zweiten Abschnitts noch im Tiefschlaf. Kaum war die Partie angepfiffen, da prüfte der ehemalige 96er Konstantin Rausch auf Pass von Rosenthal schon Zieler. Doch damit nicht genug. Eine Minute später verlor Hannover im Spielaufbau den Ball und die "Lilien" schalteten blitzschnell um. Rosenthal scheiterte mit seinem Flugkopfball nach Rausch-Flanke am Innenpfosten - Wagner stand aber genau richtig und staubte zum 2:1 ab. Durch den 2:1-Führungstreffer des VfB Stuttgart in Köln waren die Hausherren in der Live-Tabelle auf den letzten Platz abgerutscht und so spielten sie auch. Rosenthal hätte in der 53. Minute auf 3:1 erhöhen müssen, doch Zieler verhinderte mit einer starken Parade den erneuten Einschlag (53.).

Enttäuschende Leistung in der Schlussphase

Wie bei "Schaaf-Fußball" üblich standen neben den defensiven Aussetzern aber weiterhin auch gute Offensivaktionen. Szalais Kopfball landete jedoch nur auf dem Tornetz (54.). Und dann hatten die Darmstädter ihre in der Hinrunde bei den Gegnern gefürchtete defensive Kompaktheit wiedergefunden. Zehn Minute dauerte es bis zur nächsten Chance der Gastgeber - und Mathenia hatte keine Probleme mit dem Distanzschuss von Salif Sané. In der 69. Minute konterten die Hannoveraner im eigenen Stadion über Sané und Edgar Prib. Die Hereingabe des Linksfußes mit rechts konnten Schmiedebach und Almeida in der Mitte aber nicht verwerten. Das war es aus 96-Sicht schon, die Niedersachsen boten eine enttäuschende Schlussphase. Darmstadts Heller hätte das Ergebnis sogar noch deutlicher gestalten können, scheiterte aber frei vor Zieler (85.). "Die Aufbruchstimmung ist natürlich damit ein bisschen weg. Die Spiele werden weniger, die Mannschaften vor uns punkten, es wird bis zum Ende eine heiße Kiste werden", sagte 96-Kapitän Christian Schulz.

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