Stand: 18.01.2016 16:04 Uhr

HSV: Vorerst kein Vertrag für Jatta

Flüchtling Bakery Jatta aus Gambia wird zunächst keinen Vertrag beim Hamburger SV erhalten, obwohl der Fußball-Bundesligisten prinzipiell an einer Verpflichtung interessiert ist. Eine Spielberechtigung sei so schnell für den 17-Jährigen nicht zu bekommen, erklärte der HSV-Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer am Montag. Sportchef Peter Knäbel hatte bereits vor einer Woche im Interview mit 90,3 betont, dass es schwierig werde, Jatta unter Vertrag zu nehmen. "Die Möglichkeit, Spieler unter 18 Jahren zu verpflichten, ist nach dem FIFA-Reglement sehr, sehr eingeschränkt. Vor allem, wenn es nicht aus der EU ist und nicht im Grenzgebiet ist. Da gibt es eine ganze Liste von Kriterien, die man erfüllen muss. Wir müssen versuchen, jetzt so viele Dinge wie möglich abzuklären, um zu wissen, was wir dann machen, wenn der Spieler 18 wird", so Knäbel.

Jatta war aus seiner Heimat Gambia geflüchtet und hatte sich Anfang Januar mit starken Leistungen im Training empfohlen und bereits einen umfangreichen Medizincheck absolviert. Bemerkenswert: Der Offensivspezialist soll bislang noch nie in einer organisierten Mannschaft gespielt haben. In Gambia habe er lediglich auf der Straße und in der Schule gekickt. Trotzdem überzeugte er bei seinen Auftritten im Training HSV-Coach Bruno Labbadia: "Er hat viele Sachen sehr gut gemacht."

Probetraining auch bei Werder Bremen

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Über Einzelheiten seiner Flucht spricht Jatta bislang nicht. Wann genau er Gambia verließ und wie er nach Europa kam, ist deshalb noch nicht bekannt. Das kleine Land an der Westküste Afrikas wird von Präsident Yahya Jammeh mit harter Hand regiert, Grundrechte sind stark eingeschränkt. Jattas Flucht endete im Sommer des vergangenen Jahres in Bothel in der Nähe von Bremen. Dort kam er in der Akademie Lothar Kannenberg unter. Die Einrichtung für Bildung und Jugendhilfe bietet "jungen Menschen ein Zuhause auf Zeit". Kannenberg und sein Team versuchen, ausgegrenzte Jugendliche, darunter viele Flüchtlinge, durch Sport in die Gesellschaft zu integrieren. Sie helfen bei Behördengängen und vermitteln Deutschkurse. Kannenberg erkannte Jattas Talent. Der Fußballer absolvierte bereits vor seinem Probetraining in Hamburg einige Einheiten bei Werder Bremen. Doch die Grün-Weißen wollten Jatta nur einen Vorvertrag anbieten. "Bakery wollte aber mehr, mit einem Festvertrag wäre seine Aufenthaltsgenehmigung gesichert", sagte Kannenberg in einem Interview mit "11 Freunde".

"Gleich das Gefühl, ein Teil der Mannschaft zu sein"

Spielerberater Firat Aktas nutzte seine guten Kontakte zu HSV-Boss Dietmar Beiersdorfer und verschaffte Jatta so die Chance, sich bei den Hamburgern zu empfehlen - wohl mit Erfolg. Im Trainingslager von Belek ist Jatta nicht dabei, da er Deutschland aufgrund seines Aufenthaltsstatus nicht verlassen darf. Derzeit hält er sich in der Akademie Kannenberg fit. In Hamburg könnte er nun eine neue Heimat finden. "Ich hatte gleich das Gefühl, ein Teil der Mannschaft zu sein", hatte er nach seinem ersten Probetraining gesagt.

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