Stand: 11.03.2016 17:00 Uhr

Fin Bartels - ein Schattengewächs blüht auf

Ganz Bremen liegt derzeit Claudio Pizarro zu Füßen. Der Peruaner erzielte in der Fußball-Bundesliga gegen Hannover 96 (4:1) seinen 100. Treffer im Werder-Trikot und kann am Sonnabend (15.30 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) im Auswärtsspiel bei Bayern München zu Werders Rekordtorjäger Marco Bode (101) aufschließen oder ihn gar überholen. Im Schatten des 37-Jährigen und fast unbemerkt im allgemeinen Pizarro-Fieber blüht aber auch ein anderer Werder-Profi auf: Fin Bartels, der zum zweiten Mal in Folge den Führungstreffer für die Grün-Weißen erzielte, hat schon jetzt mehr Tore (fünf) auf seinem Konto als in der kompletten vergangenen Spielzeit (vier). Der gebürtige Kieler verpasste erst zwei Pflichtspiele in dieser Saison.

Bartels: Ein Nordlicht macht im Norden Karriere

In zwei Jahren von der Regionalliga in die Bundesliga

Die Karriere des Offensivmannes verlief nicht immer geradlinig nach oben, dafür war das Nordlicht stets im Norden zu Hause. 2002/2003 wechselte er in seiner Heimatstadt Kiel zur KSV Holstein, für die er am 25. November 2005 in der Regionallliga Nord debütierte. Der Mittelfeldmann avancierte schnell zum Stammspieler, konnte aber den Abstieg der Schleswig-Holsteiner ein Jahr später in die Oberliga nicht verhindern. Bartels' Leistungen waren aber nicht verborgen geblieben: Hansa Rostocks Trainer Frank Pagelsdorf lotste den 20-Jährigen zum damaligen Bundesligisten. Zunächst sammelte Bartels in der U23 der Mecklenburger Spielpraxis: Doch schon im Oktober 2007 folgte das Debüt in der Bundesliga (Einwechslung in Wolfsburg).

Vier Abstiege in fünf Jahren

In der Rückrunde verpasste Bartels lediglich zwei Partien, stand ansonsten stets in der Startelf. Mit Hansa stieg Bartels zweimal ab - den Gang in die Dritte Liga machte er jedoch nicht mit. 2010/2011 folgte der Wechsel zum Bundesliga-Aufsteiger FC St. Pauli. Auch beim Kiezclub setzte sich der mittlerweile 24-Jährige durch, auch mit dem Kiezclub erlebte er jedoch einen Abstieg - den vierten in fünf Jahren. Nach zwei Zweitliga-Jahren schloss sich Bartels Werder Bremen an - seiner vierten Station im Norden, seiner dritten in der Beletage des deutschen Profifußballs. Auch an der Weser zählt Bartels längst zum Stammpersonal.

Bartels wie Pizarro überlebenswichtig

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Fin Bartels (l.) und Claudio Pizarro erzielten 16 der 35 Werder-Tore.

Und irgendwie gleicht Werders Rückrunde ein wenig dem Karriereverlauf von Fin Bartels. Mehrfach schien dessen Traum von der Bundesliga schnell vorbei zu sein, stets kehrte er zurück. So läuft es zurzeit auch bei Werder: Vor wenigen Wochen noch sah es ganz düster aus für die Grün-Weißen und auch für Bartels, der in der Hinrunde als Chancentod galt und seinen Stammplatz verloren hatte. Im Heimspiel gegen Berlin lag Werder 1:3 zurück und kam dank zweier Pizarro-Tore und eines Bartels-Treffers doch zum Remis. "Alle dachten, wir seien tot", erklärte Bartels nach der Partie. Eine Einschätzung, die auch vier sieglose Ligaspiele später galt: Darmstadt 98 führte im Weserstadion in der 90. Minute mit 2:1 - dann rettete Pizarro per Kopfballtor einen Punkt und Trainer Viktor Skripnik den Job. Es folgten zwei 4:1-Erfolge in Serie, Bartels brachte sein Team dabei jeweils auf die Siegerstraße. Pizarro und Bartels - das Duo ist momentan Werders Lebensversicherung in der Bundesliga.

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