Stand: 16.02.2016 13:43 Uhr

Wird Kiyotake wieder zum Retter von Hannover 96?

von Florian Neuhauss, NDR.de

Die Szene wirkt entrückt. Es ist noch keine neun Monate her, da verwandelte Hiroshi Kiyotake die Hannoveraner Fußball-Arena in ein Jubelmeer. Nach Flanke von Miiko Albornoz köpfte der Japaner im Abstiegsendspiel gegen den SC Freiburg das 1:0. Da waren noch keine drei Minuten gespielt - und Freiburg war eigentlich bereits geschlagen. Am Ende siegten die "Roten" mit 2:1 und hielten die Klasse, der Anschlusstreffer fiel erst in der Nachspielzeit.

Mittlerweile steckt 96 als Bundesliga-Letzter wieder ganz tief im Abstiegssumpf. Die jüngste 0:1-Niederlage in Dortmund war die siebte Pleite in Serie. Dass der Rückstand zum Relegationsrang 13 Spieltage vor dem Saisonende "nur" sechs Zähler beträgt, hat Hannover lediglich der ebenfalls schwächelnden Konkurrenz zu verdanken. Und nun ruhen die Hoffnungen wieder auf Spielmacher Kiyotake, der gerade von seinem zweiten Mittelfußbruch genesen ist. "Er ist gesund. Wir haben mit ihm Aufbauarbeit geleistet, aber er ist natürlich noch nicht voll drin", sagte Trainer Thomas Schaaf. "Wir werden ihn jetzt immer weiter Richtung volle Leistungsfähigkeit bringen." Einen Comeback-Versuch im Mannschaftstraining brach der 26-Jährige Ende der vergangenen Woche nach dem Aufwärmen ab. Kiyotake braucht auf jeden Fall noch Zeit, die 96 aber eigentlich nicht mehr hat.

Sieben Pleiten in Folge: 96 am Boden

Zweimal auf Länderspielreisen verletzt

Seit jenem 23. Mai 2015 ist nämlich viel passiert. Das Unheil nahm seinen Lauf, als sich Kiyotake im Juni beim Training bei der japanischen Nationalmannschaft einen Mittelfußbruch zuzog. Der offensive Mittelfeldmann verpasste deshalb den Saisonauftakt - 96 blieb sieglos. Ab dem vierten Spieltag sammelte Kiyotake in neun Partien sieben Scorerpunkte, darunter der Treffer zum 1:1 in Wolfsburg, die Vorlage zum 1:0-Siegtreffer gegen Bremen und ein weiteres Tor beim 2:1-Erfolg in Hamburg. Doch dann folgte der erneute Schock: Haarriss im Mittelfuß. Wieder passierte es beim Nationalteam und wieder folgte eine monatelange Pause.

Fortgesetzte verfehlte Einkaufspolitik?

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Trainer Michael Frontzeck nahm bei 96 im Dezember freiwillig seinen Hut.

Nach dem Ende der Hinrunde trat Trainer Michael Frontzeck, der 96 ein halbes Jahr zuvor noch zum Klassenerhalt geführt hatte, entnervt zurück. Der Kader, für den Frontzeck gemeinsam mit dem bereits beurlaubten Manager Dirk Dufner verantwortlich zeichnete, musste als schlecht zusammengestellt bezeichnet werden. Die Kritik konzentrierte sich nach Frontzecks Auffassung dennoch zu sehr auf seine Person. Er machte den Weg frei - für Schaaf. Der neue Sportchef Martin Bader und Präsident Martin Kind zeigten sich hochzufrieden, dass sie den ehemaligen Ur-Bremer an die Leine lotsen konnten. Gemeinsam mit dem Trainerfuchs ging Bader den Kaderumbau an. Je sechs Zu- und Abgänge zeugen vom Handlungsbedarf, der im Club erkannt worden war. Doch weder die bundesligaerfahrenen Hugo Almeida und Adam Szalai noch der Japaner Hotaru Yamaguchi, der Norweger Iver Fossum oder Alexander Milosevic konnten sich bisher großartig auszeichnen. Den von 1860 München abgeworbenen Marius Wolf bremste eine Verletzung.

"Kein Trainerwechsel, auch wenn wir absteigen"

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War's das schon? Oder schafft Trainer Thomas Schaaf mit 96 noch die Wende?

Sollte die Schaaf-Verpflichtung eine Aufbruchstimmung erzeugt haben, sie ist bei vier Niederlagen in vier Spielen unter seiner Regie längst verpufft. Und Kind sieht sich bereits wieder mit Fragen nach einem neuen Coach konfrontiert. "Einen weiteren Trainer-Wechsel schließe ich komplett aus. Wir gehen bis zum Ende mit Schaaf, auch wenn wir absteigen", sagte der Clubboss der "Bild". Zur Erinnerung: Ähnlich äußerte sich der 71-Jährige vor knapp einem Jahr, als es um die Zukunft von Tayfun Korkut ging. Wenig später war der Coach bei 96 Geschichte. Kurz vor dem 120. Geburtstag des Vereins am 12. April schlägt der Präsident nun leisere Töne an: "Wir glauben an den Klassenerhalt, solange er rechnerisch möglich ist. Aber wir kennen unsere Situation und müssen realistisch sein." Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel stiegen bisher alle Mannschaften ab, die nach dem 21. Spieltag 14 oder weniger Punkte geholt hatten. Wer den Abstieg noch verhindern kann? Vielleicht einzig Hiroshi Kiyotake - wenn er denn schnell genug fit wird.

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