Stand: 08.03.2016 13:10 Uhr

HSV-Finanzprobleme größer als gedacht

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Hat dem HSV mal wieder aus der Patsche geholfen: Milliardär Klaus-Michael Kühne.

Der Fußball-Bundesligist Hamburger SV hat größere finanzielle Probleme als zuletzt bekannt geworden war. Nach Informationen von NDR 90,3 musste sich der Club im Herbst vergangenen Jahres gegen ein Liquiditätsproblem stemmen. Aus der Patsche half dem Bundesliga-Gründungsmitglied einmal mehr Logistik-Unternehmer Klaus-Michael Kühne. Erst fünf Millionen Euro aus einem Darlehen des milliardenschweren HSV-Gönners in Höhe von insgesamt 9,25 Millionen Euro sorgten dafür, dass der Verein im November allen kurzfristigen Verpflichtungen nachkommen konnte. Die Liquidität des HSV war bis dahin so gut wie aufgebraucht. Im Januar wurde der Kühne-Kredit in Anteile an der HSV Fußball AG umgewandelt. Kühne hält nun 11 Prozent. "Richtig ist: Der HSV hat im November 2015 - wie bereits im Konzernlagebericht zum 30.6.2015 dargestellt - Vereinbarungen zur Absicherung der Liquidität getroffen", teilte der Club am Dienstag mit.

Im Dezember vermeldete die HSV Fußball AG für die Saison 2014/2015 ein Rekordminus von 16,9 Millionen Euro. Die Liquidität und die Lizenz seien nicht gefährdet, hieß es damals aus Vereinskreisen.

Imtech-Insolvenz kostet den HSV wohl 1,7 Millionen Euro

Die Gründe für die Probleme im November sind vielfältig. Nach Informationen des Magazins "Sponsors" hatte sich der Club im vergangenen Jahr mit dem Gebäudeausrüster Imtech - damals Inhaber der Stadionnamensrechte - auf eine Sonderabschlagszahlung in Höhe von 1,7 Millionen Euro geeinigt, um den eigentlich noch bis zum Ende der Saison 2016/2017 laufenden Vertrag vorzeitig aufzulösen. Das Problem: Imtech meldete im August 2015 Insolvenz an, sodass der Verein die Summe wohl komplett abschreiben muss. Für den HSV wären die 1,7 Millionen Euro sogar Mehreinnahmen, da Investor Kühne zum Ausstieg der Imtech im vergangenen Sommer die Stadion-Namensrechte für vier Jahre erwarb und dem HSV dafür per annum vier Millionen Euro überweisen soll.

Millionen-Nachzahlung für nicht versteuerte Ehrenkarten

Darüber hinaus musste der Bundesliga-Dino eine unerwartete Steuernachzahlung in Millionenhöhe leisten. Dabei ging es um die zahlreichen kostenlosen Ehrenkarten, die der Club für jedes Heimspiel oder auch als Dauerkarten ausgibt. Diese werden steuerrechtlich als "geldwerter Vorteil" angesehen, müssen also versteuert werden, vom Empfänger oder dem Verein. Eine Betriebsprüfung förderte zutage, dass der HSV dies in den vergangenen fünf Jahren nicht getan hatte. Deshalb wurde der Bundesligist zur Kasse gebeten. Vor der laufenden Saison hatte ein Schreiben des Clubs an alle Ehrenkarteninhaber mit der Aufforderung, ihre neuen Tickets bitte selbst zu versteuern, hohe Wellen geschlagen. Der HSV-Vorstand wollte den Vorgang damals nicht kommentieren.

In diesen Tagen müssen alle Bundesligisten ihre Lizenzierungs-Unterlagen für die kommende Saison bei der Deutschen Fußball Liga einreichen. Die DFL dürfte die Zahlen beim HSV ganz besonders genau prüfen.

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