Stand: 14.02.2016 17:25 Uhr

HSV beendet Sieglos-Serie: 3:2 gegen Gladbach

von Hanno Bode, NDR.de

Der Hamburger SV hat sich dank einer Energieleistung Luft im Bundesliga-Abstiegskampf verschafft. Die zuvor sechs Mal sieglosen Hanseaten bezwangen Borussia Mönchengladbach am Sonntagabend mit 3:2 (2:1) und vergrößerten ihren Vorsprung auf den Relegationsrang auf sechs Zähler. In den kommenden Wochen könnte das Erstliga-Gründungsmitglied in den Duellen mit den direkten Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt aus Frankfurt und Ingolstadt bereits die Weichen für eine weitere Saison in Deutschlands Beletage stellen. "Das war ein sehr intensives, hartes Spiel. Gut, dass die Mannschaft sich heute selbst belohnt hat. Darauf können wir aufbauen", resümierte Mittelfeldmann Lewis Holtby im Gespräch mit NDR 2.

"Rothosen" schaffen den Befreiungsschlag

Holtbys Angst vor der eigenen Courage

Die Negativerlebnisse der vergangenen Wochen hatten beim kickenden HSV-Personal Spuren hinterlassen. Es ist nicht gut bestellt um das Nervenkostüm einiger Spieler. Sichtbar wird die Verunsicherung beispielsweise an Cléber Reis. In der fünften Minute gewinnt der Brasilianer einen Zweikampf gegen Raffael, schaut nach oben, nicht aber nach rechts oder links. Dann entscheidet sich der Innenverteidiger für einen sehr langen Ball. Dieser landet im Nirgendwo. Ein Mannschaftskamerad ist jedenfalls nicht in der Nähe der Kugel zu erspähen. Bald darauf rutscht Cléber Reis' Nebenmann Emir Spahic bei der Ballannahme weg (8.). Glück für den Bosnier, dass Gladbach das Geschenk nicht auspackt. Und dann wäre da noch Holtby. Er nimmt Granit Xhaka 20 Meter vor dem "Fohlen"-Kasten das Spielgerät ab, läuft alleine auf Keeper Yann Sommer zu und zieht dann einen Querpass einem Abschluss vor. Der Ball findet keinen Mitspieler (18.). Angst essen Seele auf.

Johnson schockt den HSV

Zum Zeitpunkt von Holtbys Großchance liegen die Norddeutschen bereits in Rückstand. Sie hatten durch Gladbach-Leihgabe Josip Drmic (scheiterte an Sommer) eine gute Chance zur Führung ausgelassen und exakt 17 Sekunden später den Gegentreffer kassiert. Thorgan Hazard bediente mit einer Rechtsflanke Fabian Johnson, der aus wenigen Metern mühelos vollendete (14.). Es folgen der Holtbysche Fauxpas und eine seltsame Wendung des Geschehens. Plötzlich ist die Borussia der HSV der ersten Minuten. Nervös, unsortiert, spendabel. Gegen in puncto Einsatzwillen tadellose Hamburger, die im fünften Spiel in Folge mit 0:1 zurückliegen, wird dieser Leistungseinbruch bestraft.

Jung und Rudnevs drehen das Spiel

21.Spieltag, 14.02.2016 15:30 Uhr

  • Hamburger SV
  • 3:2


  • B. M'gladbach

Tore: 0:1 Johnson (14.) 1:1 Hinteregger (38., Eigentor) 2:1 Rudnevs (41.) 3:1 Ilicevic (80.) 3:2 Raffael (88.)
Hamburger SV: Adler - Sakai, Cleber, Spahic, Ostrzolek - Holtby, G. Jung - N. Müller (66. Ilicevic), Hunt (90. Kacar), Drmic - Rudnevs (79. Diekmeier)
B. M'gladbach: Sommer - Nordtveit, Christensen, Hinteregger (89. Hrgota), Wendt - Hazard (82. Hofmann), Dahoud (57. Traore), Xhaka, Johnson - Stindl, Raffael -
Zuschauer: 56706

Weitere Daten zum Spiel

Beim Ausgleich helfen die Gäste kräftig mit. Sie können einen Eckstoß, den der umtriebige Cléber Reis zunächst an die Latte geköpft hat, nicht klären. Auf Umwegen kommt die Kugel zu Gideon Jung, dessen Schuss vermutlich im Aus gelandet wäre, hätte Martin Hinteregger ihn nicht mit dem Knie abgefälscht - 1:1 (38.). 180 Sekunden später schlägt Torsteher René Adler den Ball ab. Er landet direkt bei Artjoms Rudnevs. Der für Pierre-Michel Lasogga in die Anfangsformation gerutschte Lette läuft noch ein paar Meter, zieht ab und überwindet Sommer mit einem Schuss ins lange Eck. Geschichten, die nur der Fußball schreibt. Rudnevs war nicht mehr gewollt beim HSV. Die Hinrunden-Partien seines Arbeitgebers verfolgte der Angreifer von der Tribüne aus oder vor dem TV-Gerät. Weil er sich weigerte, den Club vor dem Ablauf seines Vertrags im Sommer zu verlassen und im Training gute Leistungen zeigte, gibt ihm Labbadia seit einigen Wochen wieder Einsatzzeit. Gegen Gladbach steht "Rudi", wie der Blondschopf gerufen wird, zum ersten Mal seit dem 23. Spieltag der vergangenen Serie in der Startelf. "Rudi Ratlos" ist zu "Rudi dem Retter" mutiert. Der Hamburger SV ist manchmal wie Hollywood. Eine Traumfabrik.

Zittern bis zum Schlusspfiff

Die Halbzeitführung ist verdient. Die Elf von Coach Bruno Labbadia hat mehr investiert als die Borussia. Sie ist hungriger auf den Sieg. Der HSV spielt auch nach dem Seitenwechsel klug. Er läuft weiterhin den Gegner früh an, schaltet nach Ballgewinnen rasch um und ist nun auch in der Rückwärtsbewegung aufmerksamer. Hamburg zeigt einen anspruchsvollen Auftritt, aber veredelt ihn zunächst nicht. Einige kleinere und mittelgroße Chancen bleiben ungenutzt. So gibt es in Hamburgs Traumfabrik, dem Volksparkstadion, wieder einmal einen Fußball-Krimi. Hazard betätigt sich beinahe als Stimmungskiller. Der Belgier hat in der 74. Minute eine gute Gelegenheit. Sein Schuss aus der Drehung verfehlt aber das Ziel. Bald darauf hat der Hauptdarsteller Feierabend. "Rudi" wird gegen Dennis Diekmeier ausgetauscht und von den Fans gefeiert, als habe er einen Oscar gewonnen (79.). Als der Vielleicht-Bald-Bremer Ivo Ilicevic wenig später per Kopf zum 3:1 trifft, sind sie alle glücklich im Volkspark. Zumindest kurzfristig. Denn Raffael bringt die Borussia kurz vor Ultimo zurück ins Spiel (88.). Und Branimir Hrgota hat sogar die Chance zum 3:3, vergibt sie aber recht kläglich. So bleibt es beim Hamburger Sieg. Einem Sieg der Moral.

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