Stand: 14.08.2017 11:34 Uhr

HSV: "Sehnsucht nach was Besseres"

von Johannes Freytag, NDR.de

Die Blicke sprachen Bände: Fast neidisch schauten die HSV-Fußballer auf die Osnabrücker Stadion-Tribünen, wo die Pokalhelden des VfL frenetisch gefeiert wurden. 3:1 hatte der Drittligist gegen den Bundesligisten gewonnen und dabei sogar 70 Minuten in Unterzahl gespielt. Entsprechend aufgeladen war die Stimmung im Hamburger Block: Gnadenlos pfiffen die mitgereisten Fans ihre Mannschaft aus: "Das ist ein Scheiß-Gefühl", gab HSV-Stürmer André Hahn unumwunden zu. Der Neuzugang aus Mönchengladbach ist damit aber schon im ersten Pflichtspiel in der Gefühlswelt der Hanseaten angekommen - in einer Stimmung, die in der vergangenen Saison beinahe Dauerzustand war und die viele Anhänger des Bundesliga-Dinos an die NDR Comedy-Serie "Jennifer - Sehnsucht nach was Besseres" erinnern dürfte.

Gisdol: "Müssen Reaktion zeigen"

HSV-Trainer Markus Gisdol, der eigentlich von einer "sorgenfreien Saison" träumte, wirkte nach dem Tiefschlag vom Sonntag entsetzt: "Ich will keine Ausreden finden,  es wäre Humbug, da was zu erzählen." Ob das erschreckend schwache Auftreten in Osnabrück Auswirkungen auf den Bundesliga-Auftakt am Sonnabend gegen Augsburg hat? "Es wäre uns lieber, wenn wir unbeschwert starten könnten", so der HSV-Coach, der ein wenig ratlos wirkte. Positive Ansätze jedenfalls fand er nicht: "Da bist du umso mehr in der Pflicht und musst eine richtig gute Reaktion zeigen", flüchtete sich Gisdol in eine Fußballer-Floskel.

Todt sieht "intaktes Team"

Hahn sprach von "fehlendem Selbstvertrauen" - eine bemerkenswerte Aussage. Wann, wenn nicht jetzt, sollte Selbstvertrauen vorhanden sein? Stattdessen befinden sich die Hamburger schon wieder im Krisen-Modus. "Wir sind ein bisschen leidgeprüft, was diese Sachen angeht", sagte Gisdol. Sportchef Jens Todt ("unsere Mannschaft ist total intakt") muss sich Kritik an seiner Personalpolitik gefallen lassen. So standen bei der Pokalpleite eine ganze Reihe von Spielern auf dem Platz, die weg sollen oder weg wollen: Walace, Douglas Santos, Aaron Hunt und Lewis Holtby wurde während der Sommerpause mehr als deutlich gemacht, dass man eigentlich nicht auf sie baue. Angesichts fehlender Angebote blieb das Quartett aber an Bord. Nicolai Müller flirtete offen mit dem VfL Wolfsburg, der HSV erteilte jedoch keine Freigabe. HSV-Coach Gisdol warf im NDR Interview seiner Mannschaft vor allem im Defensivverhalten "halben Einsatz" vor: "Leider müssen wir sehr früh in der Saison schon klare Worte finden."

Osnabrück: "Leidenschaft mit in die Liga nehmen"

Wie es anders geht, bewies der VfL Osnabrück: Dort wäre der Begriff "fehlendes Selbstvertrauen" nach dem dürftigen Saisonstart (noch kein Sieg in vier Ligaspielen) angebracht gewesen. Doch auch den Rückschlag mit dem Platzverweis für Marcel Appiah steckte der Drittligist weg. VfL-Coach Joe Enochs: "So wie die Mannschaft gekämpft hat, verteidigt hat und dabei nicht unbedingt überragend nach vorne gespielt hat - das war einfach Pokalfight. Jeder hat sich reingeschmissen und war für den anderen da. Ich freue mich unheimlich, weil wir zuletzt viel Kritik einstecken mussten." Beim Tabellenvorletzten gilt nun: "Wir müssen die Leidenschaft mit in die Liga nehmen." Das würde der HSV auch gerne...

Dieses Thema im Programm:

Sportclub | 13.08.2017 | 22:45 Uhr

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