Stand: 12.12.2016 09:49 Uhr

HSV bestätigt: Bruchhagen löst Beiersdorfer ab

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Heribert Bruchhagen übernimmt beim HSV wieder Verantwortung.

Sonntäglicher Paukenschlag beim Hamburger SV: Heribert Bruchhagen übernimmt beim Fußball-Bundesligisten ab Mittwoch den Posten des Vorstandsvorsitzenden und löst Dietmar Beiersdorfer ab. Der Aufsichtsrat des Vereins habe einstimmig die Abberufung des 53-Jährigen beschlossen, teilte der HSV einen Tag nach dem 1:0-Erfolg gegen den FC Augsburg auf seiner Website mit. Informationen von NDR 90,3 zufolge soll der 68-Jährige einen Vertrag über zweieinhalb Jahre erhalten. "Mit Heribert Bruchhagen legen wir die Position des Vorsitzenden nun in sehr erfahrene Hände. Eine seiner ersten Aufgaben wird es sein, einen Sportdirektor an Bord zu holen, der in enger Zusammenarbeit mit Markus Gisdol die Mannschaft weiter voranbringt", wird Aufsichtsratschef Karl Gernandt zitiert.

Bruchhagen: Beim HSV "ist eine Zusage Pflicht"

Bruchhagen führte zuletzt 13 Jahre lang die Frankfurter Eintracht, ehe er im Sommer zurücktrat. Seither arbeitete er als TV-Experte. Beim HSV war Bruchhagen bereits von 1992 bis 1995 als Manager tätig. "Dieser Schritt war bei meinem Abschied in Frankfurt sicherlich nicht vorgesehen", sagte er: "Aber wenn der HSV anfragt, dann stellt sich für jeden, der im Bundesliga-Management tätig war, die Frage einer Zu- oder Absage gar nicht. Da ist eine Zusage Pflicht."

Kommt nun auch Heldt?

Beiersdorfer, der seit der Trennung von Peter Knäbel auch Sportchef in Personalunion war, wird den Verein verlassen. "Wir als Aufsichtsrat bedanken uns bei Dietmar Beiersdorfer stellvertretend für alle HSVer ausdrücklich für seine unermüdliche Arbeit, die in vielen Bereichen, aber eben leider nicht im Kerngeschäft Fußball-Bundesliga, erfolgreich war", so Gernandt. Wer nun neuer Sportchef beim Bundesliga-Dino wird, ist offen. Vor einigen Wochen war Horst Heldt als Kandidat für den Sportdirektor-Posten gehandelt worden. Eine Einigung war unter anderem an Kompetenzstreitigkeiten gescheitert. Sein Engagement könnte nun wieder akut werden. Davor hatte Beiersdorfer vergeblich versucht, Nico-Jan Hoogma oder Christian Hochstätter an die Elbe zu locken. Heldt ist allerdings auch beim VfL Wolfsburg im Gespräch, wo Sportchef Klaus Allofs kurz vor der Ablösung stehen soll.

HSV: Vom Spitzenclub zum Kellerkind

Stetiger sportlicher Niedergang

Beiersdorfer, der im Sommer 2014 zum Chef der neu gebildeten Fußball-AG des HSV berufen worden war, stand wegen der sportlichen Dauerkrise zuletzt massiv in der Kritik. Sein Vertrag galt noch bis Ende Juni 2018. Laut NDR 90,3 ist eine Abfindung von drei Millionen Euro fällig. Dem Franken wird der sportliche Absturz der Hamburger zu großen Teilen angelastet. Unter seiner Ägide konnte die Mannschaft trotz wechselnder Trainer und Sportdirektoren keinen Fortschritt nachweisen. Rund 90 Millionen Euro hatte Beiersdorfer seit seiner Amtsübernahme für neue Profis ausgegeben, rund 38 Millionen Euro nahm er ein. Die sportliche Bilanz blieb dürftig: In der Saison 2014/2015 konnte sich der HSV erst in der Relegation vor dem erstmaligen Abstieg retten. Im darauffolgenden Jahr wurde das Team Zehnter. Jetzt steckt es erneut im Abstiegskampf.

Kündigung stand schon seit einigen Tagen fest

Kommentar

Kommentar: Beiersdorfer-Aus kommt viel zu spät

Das Aus von Dietmar Beiersdorfer ist der richtige Schritt, kommt aber viel zu spät, meint Martin Roschitz in seinem Kommentar. Das Zögern könnte den Club teuer zu stehen kommen. mehr

Die Diskussionen um den Vorstandsvorsitzenden wurden im HSV-Aufsichtsrat seit Wochen geführt. Die Trennung von Beiersdorfer stand schon seit einigen Tagen fest: "Ich muss die Entscheidung des Aufsichtsrates akzeptieren. Ich bin darüber natürlich sehr enttäuscht. Die Entscheidung des Aufsichtsrates wurde mir am vergangenen Dienstag im persönlichen Gespräch und am Donnerstag schriftlich mitgeteilt. In Anbetracht unserer sportlichen Situation und mit dem Wissen, alle Kraft und Energie unseres Clubs auf die letzten drei Spiele des Jahres zu fokussieren, habe ich von einer Veröffentlichung abgesehen", erklärte der scheidende Vorstandsvorsitzende.

Für den 53-Jährigen endet eine dritte Ära beim Traditionsverein an der Elbe. Zunächst lief er von 1986 bis 1992 als Abwehrspieler bei den Hamburgern auf. Von 2002 bis 2009 war er dort erstmals Sportdirektor. Mit dem damaligen Vorstandschef Bernd Hoffmann führte er den sechsmaligen deutschen Meister in die Europa League.

Beiersdorfer: Eisenhart, eigen, etabliert

Dieses Thema im Programm:

Sportplatz | 11.12.2016 | 18:00 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/sport/fussball/Bundesliga-Hamburg-HSV,hsv17780.html

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