Stand: 07.03.2016 12:30 Uhr

Hamburger SV: Alles Müller, ...oder was?

Nicolai Müller galt beim HSV bereits als Fehleinkauf. Die Hamburger erwogen, ihn abzugeben. Der Offensivmann blieb und ist in seiner zweiten Saison beim Bundesliga-"Dino" nicht wiederzuerkennen.

Zur falschen Zeit am falschen Ort. Nicolai Müller schien sich verwechselt zu haben. Im ruhigen Mainz ein Leistungsträger, im stets aufgeregten Hamburg nur ein farbloser Mitläufer. Bis zu jenem Abend des 1. Juni 2015 hatte der Außenangreifer als HSV-Transferflop gegolten. Dann wendete sich das sportliche Schicksal des 28-Jährigen zum Guten. Im Relegationsrückspiel beim Karlsruher SC stand der 4,5 Millionen-Euro-Einkauf in der Verlängerung zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Eine Schuss-Flanke von Cléber Reis drückte Müller in der 115. Minute zum 2:1 über die Linie und sorgte so für die Rettung des Bundesliga-Gründungsmitglieds. Wie sehr ihm seine Hamburger Premierenserie aufs Gemüt geschlagen hatte, gestand der frühere Fürther im Anschluss freimütig ein: "Vielleicht war das jetzt der Startschuss für meine Karriere beim HSV. Ich hatte die Saison einen ziemlich großen Rucksack auf. Mit dem Tor ist alles abgefallen."

Auf der Einkaufsliste von Hannover 96

Ohne diese "Bude", die erst seine zweite im Jersey der Hanseaten war, würde der gebürtige Franke heute vielleicht nicht mehr an der Elbe residieren. Der zweimalige Nationalspieler galt bei den Hanseaten als Streichkandidat. Es hieß, die Norddeutschen seien bereit, Müller sogar unter dessen Einkaufspreis abzugeben. Da wurde der andere HSV, der aus Hannover, hellhörig. 96-Clubchef Martin Kind bestätigte öffentlich, dass der 28-Jährige auf einer "langen Liste" der Niedersachsen stehen würde. Müller jedoch fremdelte mit dem Gedanken, Hamburg zu verlassen. In Anbetracht der Entwicklung der "Roten" war es wohl eine kluge Entscheidung. Der Flügelflitzer wäre sonst heute zur falschen Zeit am falschen Ort. Bei einem Absteiger in spe.

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"Schon geil, zwei Tore gemacht zu haben"

Stattdessen spielt Müller nun in seiner zweiten Saison beim HSV befreit auf. Ohne den Rucksack auf dem Rücken, den er seinerzeit in Karlsruhe gelassen hat, ist der Ex-Mainzer kaum wiederzuerkennen. Er ist in dieser Runde viel häufiger zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Sieben Saisontore und drei Vorlagen schlagen für den 28-Jährigen nach dem 25. Spieltag zu Buche. Sein Doppelpack am Sonntagabend gegen die Hertha aus Berlin (2:0) ließ den zuletzt bereits wieder röchelnden Bundesliga-"Dino" aufatmen. "Schon geil, zwei Tore gemacht zu haben. Es läuft gut", resümierte der Matchwinner glücklich.

Zeitungen überschlagen sich mit Lob

Am Tag nach der Begegnung ist sein Konterfei auf allen Titelblättern der Hamburger Gazetten zu sehen. "Müller wird zum Bomber", wagt die "Hamburger Morgenpost" sogar einen Vergleich des HSV-Profis mit dem legendären Bayern-"Knipser" Gerd Müller. "Es müllert beim HSV", schreibt das "Abendblatt". Und die "Bild" jubelt mit Blick auf die schwache Bilanz der Nordlichter gegen Berlin: "Müller knallt Horror-Hertha weg." Solche Lobeshymnen hatte es für den Mann mit der Rückennummer 27 bis dato in Hamburg nicht gegeben. Rund eineinhalb Jahre nach seinem Umzug aus Mainz an die Elbe ist der 28-Jährige ein Gesicht des leichten HSV-Aufschwungs. Der zwischenzeitlich bereits als Fehleinkauf abgeschriebene Franke ist nun ein Leistungs- und Hoffnungsträger. "Er hat einen Lauf. Er soll gerne genauso weitermachen", forderte Regisseur Aaron Hunt. Müller wird es gewiss versuchen. Aber der zurückhaltende und bescheidene Offensivmann muss jetzt auch mit einer gestiegenen Erwartungshaltung leben. Die Fallhöhe für HSV-Angestellte ist in Hamburg extrem hoch. So mancher anderswo toll aufspielender Profi ist an diesem Druck schon zerbrochen. Auch Müller wäre es ja beinahe. Bis er an jenem 1. Juni zur richtigen Zeit am richtigen Ort war.

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