Stand: 22.02.2016 12:18 Uhr

96: Planung für die Zweite Liga beginnt

In spielerischer Hinsicht ist Hannover 96 schon auf Zweitliga-Niveau angekommen. Nun beginnen beim Tabellenschlusslicht auch die Planungen für die Zweite Bundesliga, wie Vereinspräsident Martin Kind am Sonntagabend bestätigte.

Was kann Hannover 96 noch vor dem ersten Bundesliga-Abstieg seit 14 Jahren bewahren? Die Tabelle, Statistiken, vor allem aber die Vorstellung zum Abgewöhnen beim 0:1 im Abstiegsgipfel gegen Augsburg lassen eigentlich nur einen Schluss zu: wohl nichts. Eine Einschätzung, zu der nach der sportlichen Bankrotterklärung am Sonntag auch Kind gekommen ist: "Wir müssen das realistisch sehen. Wir haben noch zwölf Spiele und damit natürlich auch Chancen, aber mit dieser Leistung wird es äußerst schwer. Wir werden uns sicherlich - und das müssen wir auch schon alleine aufgrund der Lizenzierung - mit der Planung der Zweiten Liga beschäftigen", sagte der sichtlich angeschlagene Clubboss dem NDR Sportclub.

Management-Fehler in den vergangenen Jahren

Sechs Zähler Rückstand auf den Relegationsrang und acht auf den ersten Nichtabstiegsplatz haben die Niedersachsen nach der achten Pleite in Serie. Unzählige Fehlpässe und technische Unzulänglichkeiten prägten das Spiel der Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf, auch das Comeback von Hoffnungsträger Hiroshi Kiyotake konnte die Tristesse nicht beenden. "Ich bin deutlich enttäuscht vom dem Auftritt der Mannschaft", sagte Kind, der schon vor Wochen im Fall eines Abstiegs von einem "persönlichen Super-Gau" gesprochen hatte. Der wird nun immer konkreter: "Wir haben gegen Darmstadt, Mainz und jetzt Augsburg zuhause nicht gewonnen, das ist eindeutig", meinte der 71-Jährige, der Management-Fehler besonders in den beiden vergangenen Jahren eingestand: "Die Zusammenstellung der Mannschaft habe ich selber nicht zu vertreten, aber ich habe alle Entscheidungen mitgetroffen und damit auch die Verantwortung übernommen." Abgänge von Leistungsträgern wie Lars Stindl (Borussia Mönchengladbach) oder Joselu (Stoke City) seien "nicht adäquat ersetzt" worden. Über die Neu-Verpflichtungen könne man "diskutieren".

Kernpersonalien des 96-Problems, das nun möglicherweise im Abstieg gipfelt, sind Sportchef Dirk Dufner und Trainer Michael Frontzeck. Dufner durfte den Kader im Sommer mit vergleichsweise viel Geld noch zusammenstellen, obwohl sein Abschied im August 2015 schon feststand. Frontzeck verzichtete auf Verstärkungen, obwohl Kind sie ihm angeboten hatte. In der Winterpause holte schließlich Dufners Nachfolger Martin Bader hektisch sechs Neue, sechs Profis gingen, die Transfers möglicherweise entscheidender Verstärkungen wie Kevin Großkreutz und Stefan Kießling zerschlugen sich jedoch.

"So ein Abstieg tut weh"

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Ganz die Hoffnung aufgeben möchte Kind noch nicht: "So lange wir rechnerisch noch Chancen haben, werden wir mindestens die Herausforderung annehmen und unsere Chancen suchen. Aber mit Vernunft und Realismus." Über die Unterstützung eines Psychologen will 96 nachdenken, weiter hart arbeiten und dann in den nächsten Spielen anders auftreten. Und wenn das nicht reicht? "So ein Abstieg tut weh. Wir wissen, dass wir eine teure Mannschaft haben. Aber wenn wir absteigen sollten, dann geht's in der Zweiten Liga weiter. Wir haben die HDI Arena, wir bauen das Nachwuchsleistungszentrum und wir werden eine neue Mannschaft zusammenstellen", betonte Kind. Aktuell hat Manager Martin Bader alle Gespräche über Vertragsverlängerungen unterbrochen, im Fall der Fälle droht Hannover aber der Ausverkauf. Begehrtester Spieler dürfte Torwart Ron-Robert Zieler sein, der auch am Sonntag gegen Augsburg als einziger 96-Profi einmal mehr seine Bundesligatauglichkeit bewies.

Was macht Thomas Schaaf?

An Schaaf, der seit seiner Verpflichtung im Winter alle fünf Spiele verloren hat, wird der Club bis zum möglicherweise bitteren Ende festhalten. Darauf hat sich Kind schon festgelegt. Doch ob der Coach den Gang ins Unterhaus antreten würde, ist ungewiss. Der Vertrag des 54-Jährigen bis 2017 gilt nur für die Erste Liga, eine entsprechende Unterredung habe es noch nicht gegeben, sagte Kind, der gerne mit Schaaf weitermachen will: "Er wird versuchen, mit dieser Mannschaft das Ziel Klassenerhalt noch zu erreichen. Ich denke aber, er ist auch realistisch dabei. Wir werden sicher einen geeigneten Zeitpunkt finden, dieses Gespräch zu führen, auch im Hinblick auf eine mögliche Weiterverpflichtung in der Zweiten Liga." Schaaf selbst will derzeit zumindest noch nicht öffentlich über dieses Thema reden, schließt aber aktuell einen Rücktritt aus: "Aufgeben kann ich nicht. Das ist nicht vorgesehen in meinem Programm."

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