Stand: 07.03.2016 00:07 Uhr

Schaaf will bei 96 "noch viel bewegen" - aber wie?

von Bettina Lenner, NDR.de
Klarer Auftrag für Thomas Schaaf. Doch die Mission wird wohl scheitern.

Der erste Bundesliga-Abstieg von Hannover 96 seit 14 Jahren ist kaum mehr abzuwenden. Die "Mission Klassenerhalt" ist für Thomas Schaaf wohl eine "Mission Impossible" geworden. Der Coach, der noch nie abgestiegen ist, glaubt dennoch an das Fußball-Wunder und seine Zukunft bei den Niedersachsen: "Hannover 96 ist prinzipiell eine Station, die sehr positiv ist und wo man noch viel bewegen kann."

Ob Schaaf bei seinem Amtsantritt in der Winterpause wohl ahnte, welches Himmelfahrtskommando er übernimmt? Dem erfahrenen, nüchternen Trainer dürfte zumindest klar gewesen sein, dass strukturelle Probleme den Club vor allem in den beiden vergangenen Jahren in eine schlimme Misere und den Tabellenkeller geführt haben. Er traf auf eine Mannschaft, die in der schlechtesten Hinrunde der Vereinsgeschichte den Beweis ihrer Bundesliga-Tauglichkeit schuldig geblieben war. Das Team agierte ohne Selbstvertrauen, ohne Plan. Keine klare Linie. Keiner, der voranging. Für diese Rolle, da war sich die Clubspitze um Präsident Martin Kind ebenso sicher wie wohl der 54-Jährige selbst, schien Schaaf wie gemacht.

"Ich habe immer noch genug Power"

Versprochen hat der Fußball-Lehrer seinerzeit wohlweislich nichts. "Wir brauchen Durchhaltevermögen, bis wir das endlich gepackt haben", prognostizierte der Coach bei seiner Vorstellung. Eine Einschätzung, die er seither fast gebetsmühlenartig wiederholt. "Ich habe vom ersten Tag an gesagt, das wird ein langes Rennen. Wir müssen einen langen Atem haben", sagte Schaaf nach dem desaströsen 1:4 am Sonnabend bei seinem Ex-Club Werder Bremen. Und: "Ich habe immer noch genug Power." Ob das allerdings auch für seine Mannschaft gilt? Die 96-Profis lassen bis auf wenige Ausnahmen wie Hiroshi Kiyotake oder Nationalkeeper Ron-Robert Zieler nicht nur individuelle Klasse vermissen, es fehlt auch an den fußballerischen Grundtugenden. Leblos, ideenlos, mutlos - in Bremen lieferte das überforderte Schlusslicht eine in allen Belangen erbärmliche Vorstellung ab. "Das ist zu wenig. Man muss sich mehr wehren", konstatierte der Trainer am Sonntagabend im NDR Sportclub: "Wir erleben seit Wochen ein wechselndes Gesicht, wir springen hin und her. Das macht uns auch ein bisschen verrückt."

96-Trainer Thomas Schaaf im Sportclub © NDR

Schaaf: "Es ist noch möglich"

Sportclub -

Ist Hannover 96 noch zu retten? Trainer Thomas Schaaf im Sportclub zur Lage an der Leine, zu den Aussichten im Kampf um den Klassenerhalt und seiner Zukunft.

4,19 bei 21 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Auch unter Schaaf keine Fortschritte

Nach sieben Niederlagen in acht Spielen unter Schaaf ist aber klar: 96 macht auch unter ihm keine Fortschritte. Nicht immer traf der Coach taktisch und personell die richtigen Entscheidungen. Zu offensiv, zu defensiv - eine klare Handschrift ist oftmals nicht zu erkennen. Wie bei Werder, wo das zum Siegen verdammte Schlusslicht zunächst ohne echten Stürmer antrat. "Die Gesamtsituation ist ja auch so, dass nirgendwo Sicherheit gegeben ist. Man muss immer wieder schauen, wo erlebe ich gerade etwas Positives. Wo kann ich sagen, der hat vielleicht gerade eine gute Phase, dass er das Spiel umsetzen kann", erklärte Schaaf im Sportclub. Die Summe positiver Eindrücke dürfte indes überschaubar sein. Die Qualitätsmängel im Kader sind weiterhin eklatant. Von den sechs Winter-Zugängen hat keiner die "Roten" sportlich weitergebracht. Hinzu kommen zusehends Angst und Frust, möglicherweise sogar Resignation. Mit dem Ergebnis: Nichts spricht mehr für eine sportliche Wende.

Vertrag gilt nicht für Liga zwei

Sieben Punkte beträgt der Rückstand auf den Relegationsrang. 17 Zähler aus 25 Spielen, aus dieser Position heraus konnte noch kein Club in der 53 Jahre währenden Ligahistorie den Abstieg verhindern. Es wäre der erste des Trainers, dessen Renommee gehörig bröckeln würde. Junge Kollegen drängen nach, nach der Entlassung von Armin Veh bei der Frankfurter Eintracht am Sonntag ist Schaaf ältester Coach der Bundesliga. "Ich mache mir weniger Gedanken um meinen Ruf. Ich bin vielmehr fixiert auf die Aufgabe", unterstrich der 54-Jährige im Sportclub: "Natürlich sieht das im Moment sehr schlecht für uns aus. Aber ich habe die Situation bei Hannover 96 angenommen, wie ich sie vorgefunden habe und versucht, das zu bewegen. Und dabei bin ich immer noch. Es ist noch möglich." Mit welchen Mitteln, bleibt allerdings rätselhaft.

Was also, wenn die Rettung misslingt? Schaaf hat in Hannover bis 2017 unterschrieben, Kind will an ihm festhalten, so oder so. Der Kontrakt gilt allerdings nicht für die Zweite Liga. Am Sonntagabend ließ der Coach erneut offen, was er im Abstiegsfall machen wird: "Wenn es passieren sollte, gibt es erst einmal für beide Seiten die Option zu sagen, 'lass uns mal drüber reden'. Ich gehe aber davon aus, dass ich anderthalb Jahre noch Vertrag habe bei Hannover 96." Mit anderen Worten: dass die "Mission Impossible" doch noch gelingt.

Schaaf: In Bremen eine Ikone, bei 96 gescheitert

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/sport/fussball/Bundesliga-96-Schaaf,schaaf326.html

Werders trügerische Hoffnung - Hannovers Hoffnungslosigkeit

Werder Bremen feiert sich nach dem 4:1 gegen 96 selbst und die gewonnene Luft im Abstiegskampf. Zu früh? Hannovers Fall erscheint hoffnungslos. Die Nordduell-Nachlese. mehr

18 Bilder

4:1 gegen Hannover - Werder weiter furios

Nach dem bärenstarken 4:1 in Leverkusen gewinnt Werder auch gegen Hannover 4:1 und bestätigt die gute Form. Der Abstand zur Abstiegszone wird größer. Die Bilder der Partie. Bildergalerie

Ergebnisse und Tabelle Fußball-Bundesliga

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick. mehr

96: Planung für die Zweite Liga beginnt

Bei Bundesliga-Schlusslicht Hannover 96 sind die Hoffnungen auf den Klassenerhalt auf ein Minimum gesunken. Die Niedersachsen planen nun auch für die Zweite Liga, bestätigte Clubboss Kind. (Vom 22.02.2016) mehr