Stand: 26.03.2016 11:42 Uhr

Felix, der Unglückliche: Klaus vor drittem Abstieg

Am vergangenen Donnerstag hat Felix Klaus ein kleines Erfolgserlebnis gehabt. Im Testspiel gegen den FC St. Pauli (4:1) erzielte der Linksaußen mit einem präzisen Flachschuss das 1:1 und holte den Strafstoß, der zum 2:1 führte, heraus. Für den 23-Jährigen war es ein seltener Moment des Glücks in seiner bisherigen Zeit bei den "Roten". Der gebürtige Osnabrücker, der im Sommer vom SC Freiburg an die Leine wechselte, hat bis heute nicht Fuß gefasst bei den Niedersachsen. Das ist für 96 sehr ärgerlich, überwies der Club doch stolze drei Millionen Euro für ihn an die Breisgauer. Klaus würde am Saisonende vielleicht lediglich als "Transfer-Irrtum" in Hannovers Historie eingehen, wäre da nicht noch zusätzlich sein ganz persönliches Drama. Denn der Sohn des früheren HSV-Profis Fred Klaus wird - sollte nicht noch ein gewaltiges Fußball-Wunder geschehen - das dritte Mal binnen vier Jahren aus der Bundesliga absteigen.

"Was läuft da falsch?"

"Abstieg ist das schlimmste Gefühl, das man als Fußballer haben kann. Natürlich denke ich, was läuft da falsch? Es tut weh, da unten zu stehen", gab der 23-Jährige der "Bild" einen Einblick in sein Seelenleben. Er frage sich, was er verbrochen habe, ergänzte der Flügelstürmer. Wahrscheinlich war der flinke und technisch begabte Angreifer einfach jeweils zur falschen Zeit am falschen Ort. So 2013 in Fürth, als er mit der letztlich nicht konkurrenzfähigen SpVgg deutlich den Klassenerhalt verfehlte. Zwei Jahre später ereilte ihn dasselbe Schicksal mit Freiburg. Ausgerechnet durch eine 1:2-Niederlage am letzten Spieltag in Hannover rutschten die Breisgauer auf den vorletzten Platz ab. Selbst der damalige 96-Coach Michael Frontzeck sprach hernach davon, dass es ein "Witz" sei, dass es den starken SC erwischt hat. Klaus konnte darüber zwar nicht lachen. Doch immerhin blieb er erstklassig. Gemeinsam mit Oliver Sorg wechselte der 23-Jährige an die Leine. "Felix Klaus hat sich trotz diverser anderer Bundesliga-Angebote für Hannover 96 entschieden - das freut uns sehr. Wir haben ihm in unseren Gesprächen die Perspektive aufgezeigt, fester Bestandteil einer jungen Mannschaft zu werden", freute sich der damalige 96-Sportchef Dirk Dufner über das "Ja"-Wort des Stürmers.

Die größten Transfersünden von Hannover 96

Teil eines nicht konkurrenzfähigen Teams

Hannover schien für Klaus der nächste Schritt auf der Karriereleiter zu sein. Immerhin hatte sich der Club in Person von Vereinspatron Martin Kind auf die Fahnen geschrieben, 96 als Marke in Europa zu etablieren. Doch als der 23-Jährige an der Leine seine Zelte aufschlug, herrschte bei den Niedersachsen bereits das blanke Chaos. Manager Dufner durfte trotz seines bereits feststehenden Abschieds noch den Kader zusammenstellen. Rückblickend kam er dieser Aufgabe nicht zufriedenstellend nach. Coach Frontzeck wurde trotz einiger Skepsis im Vereinsumfeld damit beauftragt, Baumeister der neuen Mannschaft zu sein. Der Fußballlehrer schlug dabei Kinds Angebot aus, zusätzlich in den Kader zu investieren. Man solle lieber Wintertransfers "seriös vorbereiten", erklärte der Trainer. Bald darauf war Dufner weg, kein Nachfolger in Sicht und Frontzeck Coach eines Teams, das wenig bis gar nicht konkurrenzfähig war.

Nur ein Tor in 14 Einsätzen

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Ein Bild mit Symbolcharakter: 96-Angreifer Felix Klaus am Boden.

Weil die Leistungen und Ergebnisse nicht stimmten, kam schnell Unruhe im Umfeld auf. Insbesondere der Druck auf die Neuzugänge wuchs. Und die Kritik an ihnen. Doch für Klaus und Co. war es auch schwer, sich in eine Mannschaft zu integrieren, der eine klare Hierarchie fehlte. Beim vormaligen Freiburger kam Verletzungspech hinzu. Den 23-Jährigen setzten zunächst eine Knieprellung und später eine Innenbandzerrung zeitweise außer Gefecht. Doch auch wenn der Linksaußen auf dem Feld stand, konnte er den "Roten" nur bedingt helfen. Lediglich ein Treffer schlägt für den Drei-Millionen-Einkauf in 14 Einsätzen zu Buche. Unter Frontzeck-Nachfolger Thomas Schaaf ist Klaus nur noch "Joker" oder gar Tribünenhocker. Für die Auswärtspartie in Frankfurt (0:1) wurde er von Schaaf gar nicht berücksichtigt. Wie es mit 96 und Klaus (Vertrag bis 2019) nach einem sehr wahrscheinlichen Abstieg weitergehen wird, steht derzeit in den Sternen. Nur eines ist sicher: Entmutigen lassen wird sich der 23-Jährige auch durch einen dritten Abstieg nicht: "Ich will nicht stöhnen. Wir Fußballer haben einen der schönsten Berufe der Welt."

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