Stand: 12.01.2016 13:12 Uhr

Hannover 96: Mängel hinten, Mängel vorne

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Soll 96 zum Klassenerhalt schießen: Adam Szalai.

Es waren lediglich zwei Testspiele. Doch Thomas Schaaf gestikulierte und brüllte, als wenn es für Hannover 96 um Punkte im Bundesliga-Abstiegskampf gehen würde. "Rückt nach, rückt nach, rückt nach" oder "helfen, helfen", hallte es am Montag immer wieder über den Platz im türkischen Belek. Der neue Trainer der Niedersachsen gab während der Freundschaftspartien seines Teams gegen den Drittligisten Wehen Wiesbaden (2:1) und den Ligarivalen Hertha BSC (0:1) beinahe ununterbrochen lautstark Anweisungen. Schaafs gewaltiger Stimmeinsatz war ein Beweis dafür, dass der Nachfolger des zurückgetretenen Michael Frontzeck noch eine Menge Arbeit vor sich hat. "Es ist bei Weitem noch nicht so, dass ich mich draußen hinsetzen und ruhig zuschauen kann. Wir müssen schon noch helfen, Informationen geben. Da ist noch keine Ruhe angesagt", erklärte der 54-Jährige im Anschluss an die Begegnungen dem NDR Hörfunk.

"Haben uns das Leben selbst schwer gemacht"

Schaaf muss den Tabellen-17. schnell auf Kurs bringen. Der Ex-Profi wird wohl wie zu seinen Bremer und Frankfurter Zeiten versuchen, sein Team offensiv agieren zu lassen. Aber hat der Kader die Qualität, Schaafs Spielphilosophie umzusetzen? Der langjährige Werder-Coach fand nach den ersten beiden Spielen unter seine Regie viele Kritikpunkte. "Wir gestehen dem Gegner immer noch zu viel zu. Wir haben Situationen, in denen wir den Gegner in unserer eigenen Hälfte gewähren lassen, da müssen wir entschlossener sein", forderte Hannovers Übungsleiter. Auch in der Vorwärtsbewegung machte er noch Defizite aus: "Wenn wir selbst in Ballbesitz sind, machen wir zu wenig draus. Wir haben uns zu sehr auf Einzelaktionen eingelassen, uns das Leben selbst schwer gemacht."

Szalai bleibt im Test blass

Schaaf hatte gegen Wehen Wiesbaden eine B-Elf aufs Feld geschickt, in der auch die Winterneuzugänge Hotaru Yamaguchi und Iver Fossum standen. Nachhaltig auf sich aufmerksam machen konnten weder der Japaner noch der gerade einmal 19 Jahre alte Norweger. Im anschließenden Duell mit der Hertha stand dann die derzeit vermeintlich beste Anfangsformation auf dem Rasen. Zu überzeugen wusste sie allerdings ebenfalls nicht. So fand die aus Hoffenheim an die Leine gelotste Sturmhoffnung Adam Szalai noch keine Bindung zu seinen neuen Mitspielern. Zudem musste Allrounder Leon Andreasen mit einer Bänder-Distorsion kurz nach dem Seitenwechsel verletzt ausscheiden.

Gibt Schaaf Marin eine Chance?

Wie lange der Däne ausfällt, ist fraglich. Ebenso, ob und wann weitere Neuzugänge verpflichtet werden. "Wir lassen uns nicht treiben. Wir müssen einen langen Atem haben, dürfen nicht hektisch werden", erklärte 96-Geschäftsführer Martin Bader der "Bild". Er bestätige zugleich, mit Schaaf über "Wandervogel" Marko Marin (sechs Clubs seit 2012, aktuell bei Trabzonspor) gesprochen zu haben: "Ja, stimmt. Thomas hat viel über ihn erzählt." Den tief gefallenen früheren Nationalspieler kennt Hannovers Trainer noch aus Bremen.

Schaaf: In Bremen eine Ikone, bei 96 gescheitert

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