Stand: 21.01.2015 09:24 Uhr

Addy Menga - VfL-Torjäger mit Erziehungsauftrag

von Florian Neuhauss, NDR.de

Das ist das Ende. Vorbei der Traum vom Profi-Fußball. Das jedenfalls dachte kurz vor seinem 30. Geburtstag Addy-Waku Menga. Aus Mangel an Alternativen unterschrieb er einen Vertrag bei Regionalligist VfB Oldenburg und machte sich daran, seinen erweiterten Realschulabschluss zu machen. "Mit dem Profi-Fußball hatte ich eigentlich abgeschlossen", erklärt Menga NDR.de. In Oldenburg traf der Deutsch-Kongolese auf einen alten Bekannten. "Mein Anruf bei Addy war eigentlich ein bisschen vermessen. Und Addy druckste erst mal auch ein bisschen rum. Aber ich brauchte beim VfB, wo ich Trainer und Sportlicher Leiter war, genau einen Stürmertypen wie ihn", erinnert sich Alexander Nouri, der einst mit ihm beim VfL Osnabrück gespielt hat. Heute kann Menga selbst kaum glauben, was in den eineinhalb Jahren seitdem passiert ist. Beim VfB überwand er rasend schnell seinen Blues und wurde mit 23 Treffern Torschützenkönig der Regionalliga Nord. Nach nur einem Jahr Viertklassigkeit wechselte Menga zurück nach Osnabrück, erzielte im ersten halben Jahr elf Tore und bereitete sieben vor. Die Nutzer von NDR.de wählten den 31-Jährigen nun zum Nordsportler des Jahres.

Addy-Waku Menga: Karriere mit Höhen und Tiefen

"Heute der Held, morgen der Buhmann"

Addy, wie alle Weggefährten den Deutsch-Kongolesen nur nennen, gefällt das Bild vom Phönix aus der Asche. "Es stimmt. Ich war am Boden, keiner wollte mich mehr. Und jetzt bin ich wieder da", sagt Menga und strahlt. Doch die schweren Zeiten seiner Karriere samt Arbeitslosigkeit haben ihn vorsichtig werden lassen. "Ich habe gelernt, wie schnell es im Fußball geht. Heute bin ich der Held, morgen der Buhmann. Deshalb genieße ich einfach den Moment."

Hunger, Krieg und Fußball im Kongo

Menga wuchs in Kinshasa auf und lernte im Kongo beim Verein Amis Luango das Fußballspielen. Allerdings unter sehr schwierigen Bedingungen: Zehn Jahre lang muss Addy mit seiner Mutter und seiner Schwester allein zurechtkommen, sein Vater war als politischer Flüchtling nach Deutschland geflohen. "Mein Vater hat uns finanziell unterstützt, aber das Leben war trotzdem sehr hart. Es kam vor, dass wir mehrere Tage lang nichts zu essen hatten", berichtet er. "Die Menschen leben im Kongo oftmals unter katastrophalen Umständen. Hunger und Krieg gehörten zum Alltag." Im Januar 2000 gibt es zumindest für Familie Menga ein Happy End - per Familienzusammenführung in Deutschland.

2007 wird Menga zum Aufstiegshelden

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Addy-Waku Menga (r.) feiert mit Alex Nouri 2007 den Zweitliga-Aufstieg.

Wie gut der Sohnemann Fußball spielen kann, merkt die Familie schnell. Über den TSV Venne wechselt Menga junior schon mit 17 Jahren zum großen VfL Osnabrück - und gibt noch im selben Jahr sein Debüt in der ersten Mannschaft. In der Saison 2002/2003 steht er fest im Profikader und ist mittendrin, als die Lila-Weißen die Rückkehr in die Zweite Liga feiern. Auch wenn das Team schon im folgenden Jahr wieder absteigt, entwickelt sich der Jungspund in seiner Zeit in Osnabrück (2001-2007) kontinuierlich weiter und hat in seinem (vorerst) letzten Jahr beim VfL mit seinen Toren enormen Anteil am erneuten Aufstieg. In Mitspieler Nouri lernt Menga damals auch einen Menschen besonders schätzen, ohne allerdings zu ahnen, welche Rolle seinem Kumpel später noch zukommen wird.

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Die Geschichte des VfL Osnabrück

Der Sprung in die Bundesliga ist dem VfL Osnabrück in seiner Geschichte bis dato verwehrt geblieben. Dennoch blickt der Club auf eine bewegte Vita zurück. Die Historie in Bildern. Bildergalerie