Stand: 08.11.2015 10:13 Uhr

Bier und Malteser - Das ist ein "Ahlenfelder"

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Stets nah dran an den Spielern: Wolf-Dieter Ahlenfelder (r., mit Bremens Bruno Pezzey).

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass wer rund ums Bremer Weserstadion einen "Ahlenfelder" ordert, immer noch ein Bier und einen Malteser erhält. Zurück geht das Getränke-Kultgedeck auf Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder (Oberhausen), der mit Fingerspitzengefühl und fast kumpelhaft Bundesligaspiele zu leiten pflegte und auch zu seinem leichten Bierbauch stand: "Ich kenne andere Schiedsrichter, die sind auch keine Waisenkinder. Wer geht schon gerne in eine Kneipe und trinkt nur ein Bier?" Solche Sprüche machten Ahlenfelder, der im August 2014 im Alter von 70 Jahren nach langer schwerer Zuckerkrankheit starb, zur Kultfigur. Dabei wäre seine Karriere beinahe schon beendet gewesen, ehe sie richtig begonnen hatte.

Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder © picture alliance / Michael Probst

Ahlenfelder: "Das Regelwerk anders umgesetzt"

Sportclub -

Am 8. November 1975 pfiff Wolf-Dieter Ahlenfelder bei der Bundesligapartie Werder Bremen - Hannover 96 schon nach 32 Minuten zur Halbzeit.

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Bier und Malteser vor dem Spiel

Sein gerade einmal dritter Einsatz in der Bundesliga wurde dem Schiedsrichter fast zum Verhängnis: Am 8. November 1975 leitete Ahlenfelder die Partie Werder Bremen gegen Hannover 96. Vor dem Spiel ging es mit Schiedsrichterbetreuer Richard Ackerschrott zum Essen. Es gab Gans. Das "fette Ding" wurde mit ein wenig Alkohol bekämpft: "Ein Bier und ein Malteser zum Mittagessen, das wird doch wohl erlaubt sein", konterte Ahlenfelder die spätere Kritik, "wir sind Männer und trinken keine Fanta." Offenbar wirkte sich der Alkohol aber nicht nur auf die Verdauung, sondern auch auf das Urteilsvermögen des Referees aus. Nach 32 Minuten pfiff Ahlenfelder zur Halbzeit.

Höttges sorgt für Umdenken

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Schiedsrichter Wolf-Dieter Ahlenfelder.

Dann soll sich folgender Dialog zwischen Bremens Abwehrrecken Horst-Dieter Höttges und dem Mann in Schwarz zugetragen haben:
Höttges: "Schiri, sind Sie sicher, dass schon Halbzeit ist?"
Ahlenfelder: "Warum denn nicht, Herr Höttges?"
Höttges: "Mein Trikot, wissen Sie, ist in der Halbzeit immer klitschnass. Und, schauen Sie mal, das ist ja noch fast staubtrocken."
Ahlenfelder begutachtete das Trikot des Bremers, blickte zu seinem Linienrichter, der hektisch auf die Uhr deutete und ließ weiterspielen. Elf Minuten später pfiff er dann erneut zum Pausentee - immer noch 90 Sekunden zu früh...

106 Einsätze in 13 Jahren

Audio

Ahlenfelder und der Pfiff nach 32 Minuten

31.10.2012 16:20 Uhr
NDR 2

Ein Spiel dauert 90 Minuten? Nicht am 8. November 1975, nicht bei Wolf-Dieter Ahlenfelder. Martin Seidemann über die Schiedsrichter-Legende. Audio (02:41 min)

Der Deutsche Fußball-Bund ließ Gnade walten. Ahlenfelder sei erkältet gewesen und habe Hustensaft bekommen, der Alkohol enthalten habe, war unter anderem entlastend angeführt worden. Der Referee kam bis 1988 noch auf 106 Einsätze in der Bundesliga. Dennoch sorgte seine Neigung zum "Pilsken" (O-Ton Ahlenfelder) letztlich für das Karriereende: Schiedsrichter-Obmann Johannes Malka sprach es offen aus: "Wenn Herr Ahlenfelder seinen Spruch 'Noch'n Korn und 'nen Ahlenfelder' immer noch zum Besten gibt, dann wissen Sie, auf welchem Gebiet er besonders stark war. Wenn jeder nach Fingerspitzengefühl pfeift, dann brauchen wir keine Schiedsrichter mehr. Dann kann jeder so pfeifen wie Herr Ahlenfelder."