Stand: 20.11.2015 23:27 Uhr

3:1 - HSV und "Superman" Lasogga besiegen BVB

von Christian Görtzen, NDR.de

Dortmund hat "Batman", doch der HSV hat "Superman"! Pierre-Michel Lasogga brachte den Hamburger SV am Freitagabend mit einem verwandelten Foulelfmeter zum 1:0 auf die Siegerstraße und zeigte nach seinem Treffer ein T-Shirt, auf dem er als "Superman" zu sehen ist. Es war eine Reaktion auf den BVB-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang, der seine Tore schon mal zelebriert, indem er sich eine Batman-Maske aufsetzt. Die Norddeutschen siegten vor 57.000 Zuschauern im Volksparkstadion mit 3:1 (2:0) gegen den BVB, der zuvor sieben Pflichtspiele nacheinander gewonnen hatte. Es war das erste Bundesligaspiel nach dem Terrorakt von Paris und dem abgesagten Länderspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden in Hannover. Für den HSV läuft es gegen den Lieblingsgegner einfach. Nun haben die Norddeutschen von den vergangenen sieben Spielen fünf gewonnen. Mit jetzt 18 Punkten rückte das Labbadia-Team in der Tabelle in die Nähe der Europapokal-Plätze. "Das war ein schwerer, harter Kampf. Wir mussten heute alles in die Waagschale werfen, um Dortmund Paroli zu bieten", sagte HSV-Torschütze Lewis Holtby NDR 2.

Hamburger SV überrascht gegen Tabellenzweiten

Verstärkte Kontrollen, späterer Anstoß

Mit großem personellen Aufwand hatte der HSV die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt.  Die Flaggen vor der Arena waren wegen der Terrorattacken in Paris, zu denen es eine Woche zuvor gekommen war, auf Halbmast gehisst. Die Besucher wurden sorgfältig abgetastet. Sprengstoffhunde hatten wie bei jedem Heimspiel zweimal, am Donnerstag und Freitag, nach Sprengstoff und Pyrotechnik gesucht - auch unter den Trainerbänken am Spielfeldrand. Der HSV hatte die Anzahl der Ordnungskräfte von 450 auf etwa 600 erhöht. Angesichts dessen, dass in der benachbarten Arena zu gleicher Zeit ein Konzert der Band Unheilig stattfand, bildeten sich auf allen Zufahrtstraßen Staus. Die erhöhten Sicherheitskontrollen vor dem Volksparkstadion taten ihr Übriges dazu, dass viele Zuschauer zum Zeitpunkt des eigentlichen Spielbeginns um 20.30 Uhr noch draußen vor den Eingängen standen. Aus diesem Grund wurde der Anstoß um eine gute Viertelstunde auf 20.47 Uhr verschoben.

Jung und Kacar im defensiven Mittelfeld

Da Labbadia im zentralen Mittelfeld nicht auf Aaron Hunt (Aufbau) und Albin Ekdal (Sehnenriss) setzen konnte und auch Marcelo Diaz erst am Donnerstag von der Länderspielreise mit der chilenischen Nationalmannschaft zurück nach Hamburg gekommen war, setzte der HSV-Coach auf Gideon Jung und Gojko Kacar im defensiven Mittelfeld. Im Vergleich zum vergangenen Spiel beim SV Darmstadt 98 (1:1) musste Sven Schipplock seinen Platz im Angriff räumen. Labbadia setzte lediglich auf einen Angreifer, das war Lasogga. Ivo Ilicevic kam auf der linken Außenbahn zum Einsatz.

Lasogga eiskalt vom Punkt

13.Spieltag, 20.11.2015 20:30 Uhr

  • Hamburger SV
  • 3:1


  • Bor. Dortmund

Tore: 1:0 Lasogga (19., Foulelfmeter) 2:0 Holtby (41.) 3:0 Hummels (55., Eigentor) 3:1 Aubameyang (86.)
Hamburger SV: Adler - Sakai, Djourou, Spahic (29. Cleber), Ostrzolek - Kacar (71. Gregoritsch), G. Jung - N. Müller, Holtby (82. Diaz), Ilicevic - Lasogga
Bor. Dortmund: Bürki - Ginter (46. Piszczek), Sokratis, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Weigl, Kagawa (46. Castro) - Mchitarjan, Aubameyang, Reus (69. Januzaj) -
Zuschauer: 57000

Weitere Daten zum Spiel

Vor der Partie wurden geschwiegen und applaudiert. Beim Gedenken an die Opfer von Paris wurde es still in der Arena. Die Ehrerbietung für den am 10. November verstorbenen Ex-Kanzler und Hamburger Helmut Schmidt (SPD) wurde mit Beifall von den Spielern und den Zuschauern umgesetzt. Nach der ersten Viertelstunde, in denen beide Teams zwar großen Einsatz zeigten, aber nicht zu Toren kamen, wurde es turbulent. Holtby setzte mit einem herrlichen Steilpass Ilicevic in Szene. Der Kroate strebte mit dem Ball am Fuß allein auf BVB-Torhüter Roman Bürki zu. Er ließ sich im Strafraum ein wenig zu weit nach rechts abdrängen, doch Bürki tat ihm den Gefallen, nicht abwartend das Tor zu versperren. Der Schweizer brachte den HSV-Offensivspieler zu Fall. Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) entschied zu Recht auf Foulelfmeter, den Lasogga mit einem harten Schuss sicher verwandelte. Der Angreifer lupfte sein Trikot und zeigte den Fans sein Superman-Zeichen auf dem Unterhemd.

Holtby erhöht auf 2:0

Zwar mussten die Gastgeber in der 28. Minute den Ausfall von Innenverteidiger Emir Spahic verkraften, der ohne Kontakt mit einem Gegenspieler mit dem rechten Fuß umgeknickt war - für ihn kam der Brasilianer Cleber Reis. Doch dem Elan der Hanseaten tat dies keinen Abbruch. In der 41. Minute war es Nicolai Müller, der mit einem weiteren hervorragenden Pass in die Tiefe die BVB-Deckung aus den Angeln hob. Der Adressat Holtby strebte allein auf Bürki zu, und der Mittelfeldspieler behielt die Nerven. Er schoss flach zum 2:0 ein. Die Führung zur Pause war auch in der Höhe verdient, da die Gäste in den ersten 45 Minuten zu keiner echten Torchance gekommen waren.

Hummels köpft ins eigene Tor

Der BVB war gefordert, aber so richtig kam der Tabellenzweite nicht in Schwung. Nach 55 Minuten war die Partie de facto schon entschieden, und ein Weltmeister im schwarz-gelben Trikot hatte dafür gesorgt. Im Anschluss an einen Eckball von Holtby präsentierte sich Mats Hummels derart indisponiert, dass er im Stile eines Angreifers beherzt ins eigene Netz einköpfte. Kurios: Der auf der Torlinie stehende HSV-Profi Müller musste sich noch zurückfallen lassen, damit er das Eigentor nicht noch verhindert. Der BVB gab sich noch nicht geschlagen, versuchte noch einmal, dem Spiel eine Wende zu geben, scheiterte aber wiederholt am starken HSV-Keeper René Adler. In der 62. Minute war es Aubameyang, in der 76. Minute Ilkay Gündogan, die Hamburgs Nummer eins nicht überwinden konnten. Erst Aubameyang traf in der 86. Minute mit einem Linksschuss zum 1:3 aus Dortmunder Sicht. Fast wäre Aubameyang in der ersten Minute der Nachspielzeit noch ein weiteres Tor gelungen, doch wieder war Adler zur Stelle.

02:21 min
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