AKTUELLES AUS DER REGION
  • Norddeutschland Regionen Norddeutschland Hamburg Mecklenburg Vorpommern Schleswig-Holstein Niedersachsen
    Möglichkeit zur Auswahl der Region
 

Ende der Vorstellung für Elefanten und Co?

von Marc-Oliver Rehrmann, NDR.de

Zwei Elefanten mit einer Artistin © dpa - Fotoreport Fotograf: Frank Mächler Detailansicht des Bildes Für Elefanten sei ein Wanderzirkus nicht der richtige Ort, meinen Tierschützer. Ein bundesweites Verbot bestimmter Wildtier-Arten in Zirkussen ist am Freitag einen Schritt vorangekommen. Der Bundesrat stimmte für eine Gesetzesinitiative Hamburgs. Demnach soll das Verbot für Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner und Flusspferde gelten - für Löwen und Tiger hingegen nicht. Für Tiere, die zurzeit im Zirkus leben, soll "unter Berücksichtigung der Lebensdauer" eine Übergangsfrist gelten.

"Zu wenig Bewegung für die Tiere"

"Wir sind uns mit den Ländern einig, dass eine artgerechte Haltung im Zirkus nicht möglich ist", hatte Hamburgs zuständige Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) im Vorfeld der Bundesrats-Sitzung gesagt. Sie sieht in den häufigen Transporten der Tiere von einer Stadt in die nächste ein Problem. "Man kann den Tieren nicht den Auslauf bieten, den sie brauchen." Es komme häufig zu schweren Erkrankungen, Verhaltensstörungen und nicht selten zu Todesfällen. Das Land Schleswig-Holstein unterstützt den Vorstoß aus Hamburg.

Nichts für Einzelgänger

Zur Begründung für die Forderung nach einem Wildtier-Verbot heißt es in dem Antrag Hamburgs: Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner und Flusspferde verfügten neben einem ausgeprägten Bewegungsdrang über ein hoch entwickeltes Sozialverhalten. Gerade Großbären, die eigentlich Einzelgänger seien, müssten auf engstem Raum miteinander auskommen. Tierverhaltensforscher weisen daraufhin, dass Löwen hingegen ein relativ geringes Bewegungsbedürfnis haben. Ein Beispiel: Sie würden in freier Natur ohne Weiteres zwanzig Stunden am Stück schlafen.

Zieht der Bundestag mit?

Welche Erfolgsaussichten ein entsprechendes Gesetz im Bundestag hat, ist unklar. Union und FDP sind skeptisch, ob das Aus für die Dressur von Wildtieren im Zirkus machbar ist. So argumentiert die Union, ein Verbot könnte gegen die Verfassung verstoßen, weil es die Freiheit der Berufsausübung der Dompteure sowie das Eigentumsrecht unverhältnismäßig einschränken würde. Bereits 2003 hatte der Bundesrat einen Anlauf für ein Wildtierverbot unternommen, doch damals fand sich dafür im Bundestag keine Mehrheit.

Das Bundeslandwirtschaftsministerium schließt jetzt ein Verbot nicht aus. Die Haltung von Tieren in Zirkussen stelle eine besondere Herausforderung dar, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag in Berlin. Das Ministerium werde "aktiv an Lösungen" mitarbeiten. So sollen Informationen über Genehmigungen für einzelne Zirkusse in einem Zirkus-Register gebündelt werden. In letzter Instanz sei auch ein Verbot bestimmter Wildtiere denkbar.

Verbote in vielen Staaten

Laut der Tierschutz-Organisation Pro Wildlife ist in 13 europäischen Ländern die Haltung von Wildtieren ganz oder teilweise verboten. "Manege und Zirkuswagen sind kein Lebensraum für Tiere wie Elefanten, Tiger und Affen", sagte Pro-Wildlife-Sprecherin Daniela Freyer. Mit dem im Grundgesetz verankerten Staatsziel Tierschutz sei das unvereinbar.

Die betroffenen Zirkus-Betriebe lehnen ein Verbot ab. Sie argumentieren, dass sich die Tierhaltung in den vergangenen Jahren verbessert habe. Nach Ansicht von Christel Sembach-Krone, Chefin des Circus Krone, würde ein Wildtier-Verbot auf Dauer das Ende des klassischen Zirkus bedeuten. "Ein Zirkus ohne Tiere ist kein Zirkus, sondern ein reisendes Theater oder Varieté", meint die 74-Jährige.

Simoneit-Barum: Im Einzelfall prüfen

Auch Rebecca Simoneit-Barum aus der berühmten Familie, die den Circus Barum führte, ist gegen ein gesetzliches Verbot von Wildtieren. "Es ist Fakt, dass es den Wildtieren in den meisten Zirkus-Betrieben gut geht", sagte Simoneit-Barum am Freitag im Gespräch mit NDR.de. Ein generelles Verbot gehe zu weit; es müsse im Einzelfall geprüft werden, ob ein Zirkus in der Lage ist, Wildtiere zu halten. "Es werden ja auch nicht alle Haustiere verboten, nur weil jemand seinen Schäferhund regelmäßig in den Hintern tritt."

NDR Logo
Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: http://www.ndr.de/regional/zirkus163.html
Weitere Informationen
Martin Lacey jr. tritt im Circus Krone bei der Premiere des Programms "Celebration" mit seinem Nashornbullen "Tsavo" auf. © dapd Fotograf: Sebastian Widmann
 

Schleswig-Holstein gegen Wildtiere im Zirkus

Wildtiere haben nach Auffassung der Landesregierung nichts im Zirkus zu suchen. (08.11.2011) mehr


Senat will Elefanten im Zirkus verbieten

Eine artgerechte Haltung von Wildtieren sei nicht möglich. (13.09.2011) mehr

Weitere Informationen
Auge eines afrikanischen Elefanten. © picture alliance Fotograf: DARYL BALFOUR
 

Zoogeschichten

12.09.2011 | 22:00 Uhr
NDR Fernsehen: 45 Min

Mit artgerechter Haltung von Eisbär, Elefant und Co. haben auch Zoos so ihre Probleme. mehr