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Nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen drohen die Gewerkschaften mit weiteren Streiks bei E.ON.
Nach dem Abbruch der Tarifgespräche beim Energieriesen E.ON hat die Tarifkommission der Gewerkschaften IG BCE und ver.di die Verhandlungen offiziell für gescheitert erklärt. Das teilte die IG-BCE-Zentrale in Hannover mit. Damit spitzt sich der Tarifkonflikt bei dem Düsseldorfer Konzern weiter zu, eine Urabstimmung über einen erstmals unbefristeten Streik in der Branche wird wahrscheinlicher.
Nach Angaben von IG-BCE-Verhandlungsführer Holger Nieden haben die Arbeitgeber angeboten, die Lohnerhöhungen für die rund 30.000 Beschäftigten von bisher 1,1 auf lediglich 1,7 Prozent zu steigern. "Damit ist klar: Sie wollen eine reale Minusrunde. Das ist mit uns nicht zu machen", sagte Nieden. "Die Arbeitgeber wären gut beraten, unverzüglich auf eine Linie der Vernunft einzuschwenken. Ein Arbeitskampf ist nicht länger ausgeschlossen." Ver.di-Sprecher Volker Stüber kündigte an: "Wir werden umgehend mit der Vorbereitung der Urabstimmung beginnen."
Die IG BCE und die Gewerkschaft ver.di fordern 6,5 Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit des Vertrages von zwölf Monaten. Außerdem sollten alle Azubis nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung für mindestens zwölf Monate übernommen werden.
E.ON bedauerte den Abbruch der Tarifverhandlungen. Ein Unternehmenssprecher verwies auf die angespannte wirtschaftliche Lage des Unternehmens. Vor diesem Hintergrund stelle das abgelehnte Angebot bereits ein Entgegenkommen dar. Die unveränderte Forderung der Gewerkschafter gehe "deutlich über das Maß hinaus, das wir vertreten können, und es entbehrt jeder realistischen Grundlage".
Der Konzern hatte 2011 erstmals in seiner Geschichte Milliardenverluste hinnehmen müssen.
E.ON-Beschäftigte hatten am Montag in mehreren Betrieben in Norddeutschland die Arbeit niedergelegt. In Niedersachsen traten nach Gewerkschaftsangaben mehr als 1.250 Beschäftigte in den Ausstand: 800 in Wunstorf, 300 am Kraftwerk Wilhelmshaven und 150 am Kernkraftwerk Grohnde. Die Kundgebung am Hauptsitz von E.ON Hanse in Quickborn besuchten laut ver.di etwa 900 Teilnehmer; in Kiel wird das Gemeinschaftskraftwerk am Ostufer der Förde bestreikt. 200 Mitarbeiter des Kernkraftwerks Brokdorf legten nach Informationen von NDR 1 Welle Nord am Nachmittag ihre Arbeit nieder. In Hamburg nahmen etwa 300 Mitarbeiter an der Aktion teil. Weitere Standorte des Konzerns befinden sich auch in Schwerin, Rostock und Bützow.