Stand: 19.01.2015 16:50 Uhr  | Archiv

Wie gut ist günstiger Honig?

von Saskia Engels

Beim Honigessen ist Deutschland Weltmeister: Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt pro Jahr bei einem Kilogramm. Viele Hersteller günstiger Honige werben mit Begriffen wie "Landhonig" und "Imkerhonig". Doch bei der Qualität gibt es deutliche Unterschiede. In einer Stichprobe vergleicht Markt Honige im 500-Gramm-Glas aus dem Supermarkt und vom Discounter sowie echten deutschen Imker-Honig:

  • Langnese Landhonig für 4,49 Euro
  • Biophar Honig für 4,49 Euro
  • Honig von Aldi, Edeka und Lidl für jeweils 2,29 Euro
  • Dreyer Imkerhonig Wabengold für 3,49 Euro
  • Echter deutscher Imkerhonig für 4,99 Euro

So schnitten die Honige ab

80 Prozent des Honigs wird importiert

Rund 70 Prozent der Verbraucher in Deutschland bevorzugen Honig aus der Heimat, heißt es in einer Umfrage des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Tatsächlich sind aber nur 20 Prozent des verkauften Honigs aus Deutschland. Der Rest wird importiert, vor allem aus Mexiko, Argentinien und Rumänien.

Hersteller verschleiern Herkunft des Honigs

Die Etikette vieler Honige lassen vermuten, es handele sich um Ware aus Deutschland. Nur bei genauem Blick aufs Kleingedruckte findet man oft den Hinweis "Mischung von Honig aus EG-Ländern und Nicht-EG-Ländern". Das bedeutet: Der Honig kann von überall herkommen.

Imkerhonig kann weiße Stellen bilden

Naturbelassenen Honig füllt der Imker aus den geschleuderten Waben direkt ins Glas ab. Dabei kann der Honig kristallisieren, also weiße sogenannte Ausblühungen bilden, und eine feste Konsistenz bekommen. Industriell produzierter Honig wird in der Regel aus verschiedenen Honigen gemischt. Sie werden erwärmt und gerührt, um eine einheitliche, streichfähige Konsistenz zu erreichen. Doch dadurch gehen Frische und Naturbelassenheit verloren.

Qualitätsmerkmal: Echter deutscher Honig

Der Deutsche Imkerbund hat für seine Honige hohe Maßstäbe angesetzt, die weit über die Anforderungen der EU-Verordnung für Honig hinausgehen. Beim Gütesiegel "Echter deutscher Honig" muss der Honig ausschließlich in Deutschland produziert werden und naturbelassen sein. Das heißt, dem Honig darf nichts entzogen oder hinzugefügt werden. Zum Beispiel dürfen honigeigene Bestandteile wie Pollen nicht herausgefiltert werden. Er darf nicht wärmebehandelt sein.

Frischetest im Labor

Die Frische und Naturbelassenheit von Honig lässt sich im Labor überprüfen. Dazu werden zwei Stoffe untersucht:

  • Invertase: Das Enzym gelangt aus dem Bienenmagen in den Honig und ist sehr wärmeempfindlich.
  • Hydroxymethylfurfural (HMF): Die Verbindung entsteht, wenn Honig erwärmt oder falsch gelagert wird.

Je höher die Aktivität des Enzyms Invertase und je niedriger der HMF-Gehalt, umso frischer und naturbelassener ist der Honig. Vier der untersuchten Honige entsprechen nicht den strengen Anforderungen des Deutschen Imkerbundes. Bei den Produkten von Aldi, Biophar, Dreyer und Edeka wurde ein deutlicher Wärme- oder Lagerschaden nachgewiesen. Sie erfüllen damit aber immer noch die EU-Verordnung für Honig.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 19.01.2015 | 20:15 Uhr