Sendedatum: 12.09.2011 20:15 Uhr  | Archiv

Giftiges Uran in Gartendüngern

von Uwe Leiterer
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Mit dem Dünger verteilt man unter Umständen auch Uran im Garten.

Wer den Rasen oder die Beete mit zusätzlichen Nährstoffen versorgen will, begibt sich unter Umständen in Gesundheitsgefahr: Nach Informationen von Markt enthalten viele handelsübliche Dünger erhebliche Mengen Uran.

Fünf verschiedene Produkte aus dem Baumarkt brachte Markt zur Analyse an die Jacobs-University nach Bremen. Dort sind die Wissenschaftler auf die Untersuchung von Düngemitteln spezialisiert. Ergebnis: Neben dem Schwermetall Cadmium fanden sie in drei Proben hohe Werte an Uran.

Gift für die Nieren

Andrea Koschinsky von der Jacobs-Universität stellt klar, dass bei Uran im Dünger nicht die Strahlung problematisch sei: "In diesem Fall ist es so, dass die giftige Wirkung für die Nieren oder auch mögliche krebsauslösende Wirkungen ein Problem sein können." Die problematischen Dünger enthalten Phosphate, in denen sich das Uran befinde, erklärt Koschinsky. "Die meisten Phosphate wurden vor langer Zeit im Meer gebildet. Und das Meerwasser enthält relativ viel Uran."

Es gibt keine Kennzeichnungspflicht

Ob der Gartenfreund seinen Boden mit Uran düngt, steht auf keiner Verpackung. Düngemittel-Experte Prof. Ewald Schnug von der Technischen Universität Braunschweig erklärt warum: "Nach dem in Deutschland gültigen Düngemittelrecht müssen diese Inhaltsstoffe nicht gekennzeichnet sein, es gibt auch keine Grenzwerte dazu. Das heißt, dass dem Hersteller keinerlei Auflagen oder Vorschriften gemacht werden betreffend Uran." Es sei für ihn nicht zu verstehen, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium hier nicht eingreife.

"Das stellt für kommende Generationen ein großes Risiko dar", warnt Schnug. Ist Uran aus Düngern erst einmal im Boden, reichert es sich an. An manchen Orten ist das Trinkwasser bereits so stark belastet, dass der Genuss unverantwortlich ist. Ab November gilt ein Grenzwert für Trinkwasser von zehn Mikrogramm Uran pro Liter. Dann müssen einige Brunnen schließen, aber das löse keinesfalls das Problem, so Schnug.

Ahnungslosigkeit als Methode?

Auf Anfrage von Markt antwortete das Ministerium von Ilse Aigner (CSU) schriftlich: "Das Bundesamt für Risikobewertung und das Bundesamt für Strahlenschutz stellen fest, dass für die Verbraucher derzeit kein nennenswertes gesundheitliches Risiko durch Uran in Lebens- und Futtermitteln erkennbar ist."

Die Grünen haben eine Kleine Anfrage an die Regierung zum Thema Urangehalt im Grund- und Trinkwasser gestellt, doch die Antworten sind nicht als Beruhigung für besorgte Verbraucher geeignet. Es entsteht der Eindruck, dass die Bundesregierung gar nicht weiß, was Uran aus Düngern in Boden, Pflanzen und mit Menschen anrichten kann. Es scheint, als wolle man auch gar nichts über das Problem wissen. Denn Deutschland hat mit der Bundesforschungsanstalt in Braunschweig zwar eine kompetente zuständige Einrichtung, doch dort ist die Forschung über Uran offenbar unerwünscht - so die Recherche von Markt.

Reaktionen der Hersteller

Markt hat die Düngemittel-Hersteller mit den Ergebnissen konfrontiert und enttäuschende Resonanz erhalten: Die Hersteller Grüne Welle und Dehner antworten nicht auf unsere konkreten Fragen, sie verweisen lediglich darauf, dass alles rechtens sei. Hersteller Compo schrieb: "In Zusammenarbeit mit dem Industrieverband Agrar sind wir derzeit dabei, die Uranbelastung in unseren Rohstoffquellen zu untersuchen. Es liegen allerdings noch keine abschließenden Ergebnisse vor." Immerhin: Die Firma Manna, die mit den zweitniedrigsten Werten, ist sich des Problems bewusst: "Die geringen Cadmium- und Uran-Gehalte sind auf die Auswahl unserer Rohstoffe zurückzuführen." Und weiter: "Wir beziehen Phosphate von uranarmen Quellen.Hersteller Bahag schreibt uns: "Unabhängig davon, dass die von Ihnen festgestellten Analysenwerte im Gardol Blaukorn nach der EG-Düngemittelverordnung keiner Grenzwertregelung unterliegt und somit keinen Anlass zur Beanstandung bedeutet, haben wir die Werte noch einmal von einem unabhängigem Institut untersuchen lassen. Die von der Lufa in Kiel festgestellten Werte weichen von Ihren Werten erheblich ab."

Dieses Thema im Programm:

Markt | 12.09.2011 | 20:15 Uhr

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