Sendedatum: 26.05.2014 20:15 Uhr  | Archiv

Insektizide: Gefahr im Garten

von Alexa Höber
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Insektizide versprechen wirksame Hilfe gegen Schädlinge im Garten.

Um Blattläuse zu bekämpfen gibt so einiges auf dem Markt. Mittel wie "Schädlingsfrei Careo" und "Schädlingsfrei Calypso" versprechen wirksame Hilfe. Auf einigen Verpackungen steht das Werbeversprechen: "Schützt von innen". Das bedeutet: Die Mittel wirken systemisch. Die besprühten Pflanzen nehmen sie über Wurzeln und Blattoberflächen in die Pflanzenzellen auf. Auf der Verpackung wird auch mit einer kurzen Wartezeit zwischen Anwendung und Ernte geworben.

"Schädlingsfrei Calypso": Salat nicht verkehrsfähig

In einem Versuch hat Markt einen Kopfsalat mit "Schädlingsfrei Calypso" behandelt. Wie viel vom Wirkstoff Thiacloprid würde jemand aufnehmen, wenn er den Salat nach der vorgeschriebenen Wartezeit isst? Thiacloprid steht im Verdacht, Krebs auszulösen. So schreibt es der Hersteller auf dem Sicherheitsdatenblatt zum Produkt. Beim Versuch werden die Angaben auf der Verpackung streng eingehalten. Nach der vorgeschriebenen Wartezeit wird der Salat von einem Labor untersucht. Er enthält sechs Milligramm Thicloprid pro Kilogramm. Erlaubt sind nur zwei Milligramm pro Kilogramm. Damit ist der Salat nicht verkehrsfähig, darf so nicht verkauft und nicht gegessen werden.

Hersteller Bayer weist Vorwürfe zurück

Auf Anfrage von Markt schreibt der Hersteller Bayer: "Wir schließen aus dem von Ihnen angegebenen sehr hohen Wert von sechs Milligramm pro Kilogramm, dass entweder die empfohlene Aufwandmenge überschritten worden ist oder die Analyse unmittelbar nach der Anwendung erfolgte, nicht aber nach der gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeit von sieben Tagen. In diesem Zeitraum - der Salat wächst unterdessen weiter - findet eine Verdünnung der noch vorhandenen Rückstände statt. Thiacloprid wird darüber hinaus weiter abgebaut." Der Toxikologe Dr. Hermann Kruse vom Institut für Toxikologie und Pharmakologie der Universität Kiel hingegen hält unser Versuchsergebnis für plausibel. Die Überschreitung des Höchstwertes habe ihn nicht überrascht.

Stoffe wirken wie Nervengift

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Toxikologe Hermann Kruse warnt vor Wirkungen wie bei Nervengiften.

Die Stoffe im untersuchten Insektizid wirken wie Nervengifte. Es sind Wirkstoffe aus der Gruppe der sogenannten Neonikotinoide. Toxikologe Kruse hält die Verbindungen für derart toxisch, dass man sie nicht für die Bevölkerung zugänglich machen sollte. Nimmt der Körper durch Einatmen oder über die Nahrung Neonikotinoide auf, gelangen sie ins Gehirn. Sie setzen sich an Rezeptoren der Nerven fest und führen zu einem Dauerreiz. Die Folgen können Schweißausbruch, Schäden an den Herzmuskeln, ein gesteigerter Blutdruck und verengte Blutbahnen sein, sagt Toxikologe Kruse.

Zulässige Höchstwerte zu hoch?

Henk Tennekes war viele Jahre als Berater für große Chemiekonzerne tätig und warnte öffentlich vor der Anwendung von Neonikotinoiden in der Landwirtschaft. Er ist davon überzeugt, dass die zugelassenen Höchstmengen für Rückstände in Lebensmitteln zu hoch angesetzt sind. Bereits Mengen unterhalb der Höchstwerte könnten schädigende Wirkungen erzeugen. Wenn Rückstände im Salat die zulässigen Höchstwerte ausschöpften, werde außerdem schnell die für den menschlichen Organismus zulässige tägliche Höchstdosis überschritten.

Dieses Thema im Programm:

Markt | 26.05.2014 | 20:15 Uhr