Stand: 24.04.2015 12:19 Uhr  | Archiv

Auch Katzen altern - Wie helfen wir?

von Lydia Tittes
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Will die Katze nur mal ausruhen oder ist sie über längere Zeit lustlos? Im letzteren Fall lieber zum Tierarzt.

Schon ab dem siebten Lebensjahr kommen Katzen ins "Seniorenalter". Sie benötigen nun besondere Aufmerksamkeit, da auch Katzen geriatrische Erkrankungen bekommen. Ein jährlicher Blutcheck inklusive Allgemeinuntersuchung ist auch schon bei gesunden Tieren empfehlenswert, da Krankheiten so frühzeitig erkannt werden. Somit kann im Idealfall rechtzeitig behandelt und ein Voranschreiten der Erkrankung hinausgezögert werden.

Wie muss ich meine ältere Katze füttern?

Generell ist für ältere Katzen ein "Seniorenfutter" zu empfehlen. Der Markt ist hier entsprechend groß, es gibt Futter für ältere Katzen mit Über- als auch Untergewicht. Wichtig ist, auf einen verringerten Phosphatgehalt zu achten, damit die Nieren entlastet werden. Futter für ältere Tiere sind oft besonders vitamin- und mineralstoffreich und enthalten hochwertiges, leicht verdauliches Protein. Wenn die Katze bereits zu Untergewicht neigt, sind gute Akzeptanz des Futters und ein hoher Energiegehalt entscheidende Faktoren. Liegen bereits manifeste Erkrankungen vor, sollte je nach Erkrankungsbild ein entsprechendes Spezialfutter angeboten werden.

Was sind Alarmzeichen und wann muss ich zum Tierarzt?

Folgende Symptome sind typisch für Katzen mit Alterserkrankungen und können einfach vom Tierhalter erkannt werden:

  • Starker Gewichtsverlust
  • Vermehrter Durst, oft gekoppelt mit vermehrtem Urinabsatz
  • Appetitlosigkeit
  • Erbrechen
  • Umfangsvermehrung
  • Apathie und Leistungseinbuße
  • Psychische Veränderungen wie Unruhezustände, Demenz
  • Bewegungsunlust
  • Struppiges Fell
  • Nachlassendes Hör- und Sehvermögen

Welche Erkrankungen kommen bei älteren Katzen häufig vor?

Häufige Erkrankungen älterer Katzen sind Arthrose, Herzprobleme, Zahnerkrankungen, Demenz, Inkontinenz, Tumore, Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus und Hyperthyreose. Da die drei letztgenannten besonders häufig und speziell bei älteren Katzen vorkommen, werden sie im Folgenden näher erläutert. Darüber hinaus zeigen sich die Erscheinungen des Alters im Nachlassen der Sehfähigkeit und des Gehörs.

Niereninsuffizienz:
Die Niereninsuffizienz ist eine relativ häufige Erkrankung von Katzensenioren. Die Niere verliert ihre Fähigkeit, die harnpflichtigen Stoffe aus dem Blut zu entgiften. Allerdings besitzen die beiden Nieren eine große Fähigkeit zur Kompensation. Erst wenn die Schädigung schon mehr als 75 Prozent des Nierengewebes erfasst hat, steigen die harnpflichtigen Stoffe im Blut an. Es kommt zu einer innerlichen Vergiftung, deren Folgen zum Beispiel Apathie, Inappetenz, Erbrechen, Dehydratation, Schleimhautentzündung und urämischer Geruch sind. Das erste Anzeichen ist oft ein vermehrter Durst und Urinabsatz. Zerstörtes Nierengewebe ist nicht zu reparieren. Das Voranschreiten der Erkrankung kann aber durch Spezialfutter und Medikamente herausgezögert werden. Liegt bereits Nierenversagen vor, müssen die Katzen eine mehrtätige Infusionstherapie erhalten. Hierdurch werden die harnpflichtigen Giftstoffe aus dem Blut gespült, wodurch in einigen Fällen eine Verbesserung des Allgemeinbefindens erreicht werden kann.

Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion):
Bei der Hyperthyreose ist der Schilddrüsenhormonspiegel im Blut durch einen meist gutartigen Tumor erhöht (30 Prozent einseitig, 70 Prozent beidseitig, 2 Prozent Karzinom). Hierdurch läuft der gesamte Stoffwechsel auf Hochtouren. Die Tiere verlieren stark an Gewicht, obwohl sie einen gesteigerten Appetit haben. Weitere Symptome sind erhöhte Herzfrequenz, Unruhezustände, gesteigerter Durst, Magen-Darmstörungen und ein struppiges Fell. Die Therapie erfolgt meist über eine Tablettengabe bzw. eine Salbe, die im Ohr aufgetragen wird. Eine weitere Möglichkeit ist die "Radiojodtherapie". Hierbei wird radioaktives Jod in die Schilddrüsenzellen aufgenommen, wodurch diese zerstört werden. Somit ist eine dauerhafte Heilung möglich.

Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit):
Von Diabetes mellitus sind oft übergewichtige Tiere betroffen. In den meisten Fällen handelt es sich bei Katzen um einen Typ-2-Diabetes, bei der die Bauchspeicheldrüse zwar Insulin freisetzt, aber dieses am Rezeptor nicht wirksam ist, bzw. eine Veränderung des Sekretionsmusters vorliegt. Insulin vermittelt die Aufnahme von Glucose in die Körperzellen. Ist zu wenig Insulin vorhanden bzw. ist dies nicht wirksam, steigt der Blutglucosespiegel stark an. Da die Glucose in der Zelle nicht genutzt werden kann, verlieren die Tiere an Gewicht, obwohl sie gut fressen (in einigen Fällen können sie auch appetitlos sein). Die Glucose wird mit dem Harn ausgeschieden und zieht Wasser nach sich ("Zuckerharnruhr"). Die Tiere zeigen vermehrten Durst und Urinabsatz. Bleibt Diabetes unbehandelt, können neurologische Störungen (Neuropathie) oder eine diabetische Ketoacidose die Folgen sein (starke Apathie bis Koma, Dehydratation, Erbrechen, Anorexie). Die Therapie erfolgt durch eine Gewichtsreduktion, gegebenenfalls Spezialfutter und das Spritzen von Insulin. Sehr wichtig ist eine konstante Futteraufnahme und ein zucker- und stärkearmes Futtermittel.

Wenn das Leid zu groß ist, besser einschläfern.

Bei aller Tierliebe und den vielen Therapieoptionen, die verfügbar sind, darf niemals vergessen werden, dass ein Tier ein art- und tiergerechtes Leben führen sollte. Gerade Katzen zeigen Leiden und Schmerzen oft sehr spät. Anzeichen von Schmerz kann schon ein Zurückziehen und eine verringerte Aktivität sein. Jeder verantwortungsbewusste Tierhalter sollte sein Tier gut beobachten, um einschätzen zu können, ob es noch ein lebenswertes Leben führt. Ist dies nicht mehr der Fall, ist ein Erlösen bei chronisch kranken Tieren die bessere Variante als ein Leiden ohne Perspektive und Aussicht auf Heilung.

Weitere Informationen

Ihre Liebe gilt den Kleintieren: Sonja Schirmer

Mein Nachmittag

Tierärztin war schon immer ihr Traumberuf. Sonja Schirmer ist einmal monatlich freitags bei Mein Nachmittag und vermittelt tierisches Wissen und hilfreiche Tipps. mehr

Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 24.04.2015 | 16:10 Uhr

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Dieser Artikel wurde ausgedruckt unter der Adresse: https://www.ndr.de/ratgeber/Wenn-Tiere-aelter-werden,katzenpflege100.html

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