Stand: 15.11.2015 13:18 Uhr

Ist Bio-Milch gesünder?

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Bio-Milch oder konventionell produzierte Milch - der Unterschied liegt hauptsächlich im Preis und in der Haltung der Tiere.

Wer Bio-Milch im Supermarkt kauft, zahlt wesentlich mehr für den Liter als für konventionelle Milch. Viele glauben, dass nicht nur die Kühe tiergerechter gehalten werden, sondern dass Bio-Milch auch gesünder ist als normale Milch. Aber stimmt das wirklich? Tatsächlich unterscheiden sich die Inhaltsstoffe kaum - ob die Milch nun vom Bio-Bauernhof stammt oder aus der Massentierhaltung.

Ist Bio-Milch frei von Pestiziden?

Bio-Milchkühe fressen hauptsächlich Gras und Heu, gelegentlich noch etwas Bio-Kraftfutter. Konventionelle Milchkühe werden außerdem noch mit Maissilage - einem gehäkselten Futter aus der ganzen Maispflanze - gefüttert. Dazu gibt es Kraftfutter aus Soja oder Raps - alles Pflanzen, die in der konventionellen Landwirtschaft oft mit Pestiziden gespritzt werden. Tatsächlich lassen sich in einigen Milch-Proben Rückstände von Pestiziden nachweisen. Allerdings befinden die sich immer unter dem gesetzlichen Grenzwert und sind daher unbedenklich.

Das Überraschende ist: Auch in der Bio-Milch finden sich Pestizid-Rückstände. Schuld daran ist die konventionelle Landwirtschaft früherer Generationen. Sie verspritzte Pflanzenschutzmittel auf ihren Äckern, das bis heute in den Böden eingelagert ist. Wächst Gras auf dem Acker und die Bio-Milchkuh frisst dieses Gras, nimmt sie automatisch auch Alt-Pestizide auf. Einen Unterschied zwischen Bio- und herkömmlicher Milch gibt es also nicht.

Laborantin entnimmt eine Probe aus einem Glas Milch.

Was steckt in der Bio-Milch?

plietsch. -

Keine Rückstände von Pestiziden und mehr Vitamine - Bio-Milch hat ein deutlich besseres Image als konventionelle Milch. Ist sie tatsächlich gesünder? Plietsch forscht nach.

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Antibiotika in der Milch

Antibiotika ist in der Viehhaltung ein breit eingesetztes Medikament - und das sowohl in der Bio-Milch- als auch in der herkömmlichen Milchproduktion. Der einzige Unterschied liegt darin, dass ein Bio-Bauer doppelt so lange warten muss, bis er die Milch dieser Kuh wieder verkaufen darf, als sein konventioneller Kollege.

Eine konventionelle Milchkuh darf bereits nach wenigen Tagen wieder gemolken werden. Reste von Antibiotika lassen sich aber schon dann nicht mehr in der Milch nachweisen. Bevor die Milch an die Molkereien verkauft wird, testen die Bauern ihre Milch selbst auf Rückstände. Sollten sich in der Milch Spuren von Antibiotika finden lassen, kaufen die Molkereien die Milch nämlich nicht mehr ab. Die Kontrollen erfolgen nicht nur zur Gewährleistung der Lebensmittelsicherheit. Antibiotika zerstört auch die Bakterien, die für die Herstellung von Milch und Joghurt wichtig sind. Milch, die Antibiotika-Reste aufweist, kann also nur bedingt weiterverarbeitet werden.

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Bio-Milch hat mehr Omega-3-Fettsäuren

Auch bei der Menge an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen liegen konventionelle und Bio-Milch gleich auf. Einen Vorteil hat die Bio-Milch aber doch: Laut einer Studie der Uni Kassel stecken in der Bio-Milch erheblich mehr gesunde Omega-3-Fettsäuren als in normaler Milch. Der Grund: Omega-3-Fettsäuren stecken vor allem in Gras. Und davon bekommen Bio-Milchkühe meist mehr zu fressen. Stehen die konventionellen Kühe aber ebenso oft auf der Weide, hebt sich auch dieser Unterschied wieder auf. Die Sommermilch hat daher oft einen ähnlich hohen Omega-3-Fettsäure-Gehalt wie Bio-Milch.

Fazit

Konventionelle Milch kann mit der Qualität von Bio-Milch locker mithalten. In normaler Milch lassen sich weder mehr Verunreinigungen oder Rückstände nachweisen noch beinhaltet sie weniger Vitamine und Spurenelemente als Bio-Milch. Die Entscheidung, Bio-Milch zu kaufen, hat also keinen gesundheitlich relevanten Vorteil. Aber: Wer zu Bio-Milch greift, fördert eine tiergerechte Haltung und das ist den Mehrpreis dann doch wert.

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