Stand: 18.09.2015 12:19 Uhr  | Archiv

Erste Hilfe bei Tieren

von Sonja Schirmer
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Ruhe bewahren ist besonders wichtig, wenn das Haustier sich verletzt oder plötzlich erkrankt.

Häufig wird der tierärztliche Notdienst wegen folgende Erkrankungen konsultiert: Apathie, Magendarmerkrankungen, Autounfälle, Beißerei, Wunden, Vergiftungen, Bewusstlosigkeit, Koma, Krampfanfälle, Geburtsstörungen, Insektenstiche oder Hitzschlag. Daher ist es wichtig, sich auf derartige Situationen vorzubereiten, um sicher zu handeln. Zuerst sollte Erste Hilfe geleistet werden und parallel wird dann der Tierarzt verständigt. Es ist sinnvoll die Telefonnummer des Haustierarztes oder der nächsten Tierklinik griffbereit zu haben. Rufen Sie den Tierarzt unbedingt an, bevor Sie sich auf den Weg machen. Er bekommt dann schon wichtige Informationen und kann notwendige Vorbereitungen treffen.

In Notsituationen unbedingt Ruhe bewahren. Denken Sie daran, eine Unfallstelle erst abzusichern, bevor Sie einem womöglich auf der Straße liegenden Tier helfen. Ist ein Tier gestresst oder hat es starke Schmerzen, kann es zu Verhaltensänderungen kommen. Es reagiert womöglich in Panik anders als sonst und schnappt im schlimmsten Fall zu oder beißt. Schützen Sie sich zunächst gegen Bisse, indem Sie das Maul mit einer Maulschlaufe fixieren.

Allgemeine Tipps zur Einschätzung der Notsituation mit dem Haustier:

  • Puls: wird an der Arteria femoralis am Innenschenkel ertastet, die Frequenz liegt je nach Hunderasse und Größe bei circa 80-120 die Minute.
  • Atmung: Hierfür wird das Heben und Senken des Brustkorbes beobachtet bzw. es kann auch eine Hand vor die Nase gehalten werden, Atemfrequenz circa 15 bis 30 die Minute.
  • Temperatur: wird im After mit einem Thermometer gemessen (circa 38-39 Grad Celsius).
  • Schleimhäute: sollten rosarot sein. Per Druck prüfen, nach spätestens zwei Sekunden sollte die "nomale" Farbe wieder da sein.
  • Pupillarreflex: kann mit der Taschenlampe getestet werden.

Liegt ein Herz oder Atemstillstand vor, sofort mit der Reanimation beginnen:

  • Tier in stabile Seitenlage bringen, Zunge vorziehen, eventuell Erbrochenes oder Speichel entfernen.
  • Herzdruckmassage (Zehn Druckstöße)
  • Mund- zu Nase Beatmung (eventuell mit Tuch) je nach Größe des Hundes, Beatmungen, dabei das Maul zu halten.
  • Herzmassage und Beatmung immer im Wechsel. Man führt sie fort, bis die Reanimation Erfolge zeigt oder der Hund sicher tot ist (keine Atmung, kein Herzschlag, weite Pupillen, kein Pupillar- oder Lidreflex).

Erste-Hilfe-Kurse sind ein gutes Training

Es gibt viele mögliche Notfallsituationen. Die Einschätzung ist für Laien sehr schwer. In Erste-Hilfe-Kursen kann dies alles geübt und trainiert werden. Derartige Kurse werden von Tierärzten und verschiedenen Organisationen angeboten. Darüber hinaus gibt es Literatur zu dem Thema.

 

  • Was ist eigentlich ein Schock?

    Eine Reaktion des Körpers auf eine lebensbedrohliche Situation (Allergie, Blutverlust, Herzversagen, Sepsis). Das Blut wird aus der Peripherie abgezogen, um lebenswichtigen Organen im Körperinneren zur Verfügung zu stehen. Der Schock zeigt sich durch blasse Schleimhäute, eine verlängerte kapilläre Rückfüllungszeit, Apathie und Schwäche. Der Herzschlag ist beschleunigt und die Atmung schnell und flach. Extremitäten und Hautoberfläche fühlen sich kalt an. Bei Verdacht auf einen Schock den Tierarzt aufsuchen.

  • Wie reagiere ich bei starken Blutungen?

    Handelt es sich um eine schwere Blutung sollte Sie unverzüglich handeln. Eine arterielle Blutung erkennen Sie daran, dass hellrotes Blut pulssynchron aus der Wunde kommt. Bei leichteren bis mittelschweren Blutungen wird ein Verband bzw. Druckverband angelegt. Bei schweren Blutungen kann es erforderlich sein, die Extremität abzubinden. Dies muss allerdings alle zehn Minuten gelockert werden, da ansonsten die Gefahr besteht, dass Gewebe abstirbt.

  • Wie reagiere ich bei Augenverletzungen?

    Bei Augenverletzungen den Hund am Kratzen oder Scheuern hindern, da er ansonsten das Auge weiter schädigt. Hierzu ist am allerbesten ein Halskragen geeignet. Das Auge mit angefeuchteten Tupfern feucht halten. Fremdkörper nicht herausziehen, da das Auge ansonsten auslaufen kann. Das Tier schnell zum nächsten Tierarzt bringen.

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Dieses Thema im Programm:

Mein Nachmittag | 18.09.2015 | 16:10 Uhr

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Ihre Liebe gilt den Kleintieren: Sonja Schirmer

Mein Nachmittag

Tierärztin war schon immer ihr Traumberuf. Sonja Schirmer ist einmal monatlich freitags bei Mein Nachmittag und vermittelt tierisches Wissen und hilfreiche Tipps. mehr

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