Stand: 13.09.2017 17:28 Uhr

Wahlkampf-Porträt: Wagenknecht und Bartsch

von Dagmar Pepping, NDR Hauptstadt-Korrespondentin
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Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch gehen als ungleiches Paar für die Linken in die Bundestagswahl.

Dietmar Bartsch ist es gewohnt, im Schatten von Sahra Wagenknecht zu stehen. Selbst bei gemeinsamen Wahlkampf-Auftritten wie in seinem Wahlkreis Rostock ist der 59-Jährige nur die "Vorgruppe" seiner Co-Spitzenkandidatin. Ein charismatischer Redner wie Wagenknecht ist der gebürtige Stralsunder nicht. "Wir wollen, dass der Zug in Deutschland in eine andere Richtung fährt", sagt Bartsch vor mehreren Hundert Gästen in der Rostocker Innenstadt. Es reiche nicht, den Lokführer auszuwechseln.

Wer der Wahlkampf-Star der Linken ist, verdeutlicht schon die Zahl der Leibwächter: Bartsch hat keinen, Wagenknecht geht keinen Schritt ohne gleich mehrere Personenschützer - nicht erst seit der Tortenattacke auf dem Linken-Parteitag vor einem Jahr. "Die Linke kommt, die Sonne scheint", bemüht sich die oft gestrenge Wagenknecht um einen lockeren Ton bei ihrer Rede.

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Wagenknecht als Hindernis für Rot-Rot-Grün?

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"Mitte-Links-Bündnis": Dietmar Bartsch wirbt für eine Koalition mit SPD und Grünen.

Wagenknecht und Bartsch unterscheiden sich deutlich, als Politiker und als Mensch. Der lockere, pragmatische und über Parteigrenzen hinweg beliebte Bartsch repräsentiert den Reformerflügel der Linken und will ein "Mitte-Links-Bündnis" mit SPD und Grünen erreichen.

Die eher scheue und polarisierende Wagenknecht vom linken Flügel gilt als größtes Hindernis für Rot-Rot-Grün - nicht nur wegen ihres Ehemanns Oskar Lafontaine und dessen Dauerfehde mit der SPD. Wagenknechts Credo lautet: Lieber gute Oppositionsarbeit machen als schlechte Regierungspolitik. Sie würde sich nie an einer Regierung beteiligen, in der sie das Gegenteil dessen machen müsste, was sie vorher versprochen hatte. "Dafür bin ich nicht in die Politik gegangen", so Wagenknecht.

Kipping und Riexinger reagierten verägert

Wagenknecht wirft allen anderen Parteien eine "neoliberale" Politik vor, auch der SPD mit Martin Schulz. Nur die Linke stehe für einen Politikwechsel in Deutschland, hin zu mehr sozialer Gerechtigkeit. Bartsch kümmert sich im Wahlkampf vor allem um das Thema Ostdeutschland.

Eine Arbeitsteilung, die funktioniert - wie schon die Zusammenarbeit an der Spitze der linken Bundestags-Fraktion. Das Zweckbündnis Wagenknecht und Bartsch hatte der notorisch zerstrittenen Partei die Pistole auf die Brust gesetzt: Wir beide als Spitzenkandidaten-Duo oder gar nicht. Wagenknecht und Bartsch setzten sich durch, sehr zum Missfallen der beiden Linken-Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger. Die gehören nur zum vierköpfigen "Spitzenteam" der Linken.

"Wir können zusammenhalten"

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Wagenknechts Credo: Lieber gute Oppositionsarbeit machen als schlechte Regierungspolitik.

Bartsch lobt die Zusammenarbeit mit Wagenknecht. In den zwei Jahren als Fraktionsvorsitzende im Bundestag hätten beide gezeigt, "dass wir zusammenhalten können". Trotz unterschiedlicher Ansichten an mancher Stelle gebe es ein "Grundvertrauen". Bei der Zusammenarbeit hilft zudem, dass sich Wagenknecht im Wahlkampf mit Aussagen zur Flüchtlingspolitik zurückhält. Die hatten ihr - auch in den eigenen Reihen - den Vorwurf eines Populismus a la AfD eingebracht. Keine Partei unterscheide sich mit ihrem Programm so sehr von den Linken wie die AfD, betont Wagenknecht.

An eine Regierungsbeteiligung der Linken glauben weder Wagenknecht noch Bartsch, denn die Umfragezahlen geben es einfach nicht her. Das Ziel für den 24. September ist ein anderes: "Zweistellig werden und dritte Kraft bleiben", sagt Dietmar Bartsch.

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